Das Gesicht der Ambulanten Krankenpflege prägte viele Jahre lang Schwester Josefa Knab, die zuerst zu Fuß und mit dem Rad, später mit diesem Käfer in Tutzing unterwegs war. Die fast 100-Jährige wird zum Dankgottesdienst mit dem Augsburger Bischof kommen.
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Das Gesicht der Ambulanten Krankenpflege prägte viele Jahre lang Schwester Josefa Knab, die zuerst zu Fuß und mit dem Rad, später mit diesem Käfer in Tutzing unterwegs war. Die fast 100-Jährige wird zum Dankgottesdienst mit dem Augsburger Bischof kommen.

Jubiläum

Ambulante Krankenpflege: 100 Jahre im Einsatz für Tutzing

  • vonSandra Sedlmaier
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Die Ambulante Krankenpflege Tutzing feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Sie ist ein absolutes Erfolgsprojekt – doch weiterem Wachstum, trotz eines mit Sicherheit steigenden Bedarfs, steht ihr Leiter Armin Heil skeptisch gegenüber.

Tutzing – Bemerkenswert, wie sich die Ambulante Krankenpflege Tutzing entwickelt hat. Vom Ein-Mann-Betrieb zu einer Einrichtung mit 100 angestellten Mitarbeitern und zahlreichen Ehrenamtlichen, die rund vier Millionen Euro Umsatz im Jahr macht, rund 200 Patienten versorgt, Nachbarschaftshilfe leistet, Pflegeeinrichtungen betreibt und Senioren Betreutes Wohnen anbietet. Das sind die Fakten.

Was man nicht in Zahlen messen kann, ist die Fürsorge, die die Ambulante Krankenpflege ihren Patienten spendet, und die Freiheit, die sie ihnen durch ihr Wirken verschafft. Dank der Tutzinger Institution können viele alte Menschen in ihrer gewohnten Umgebung bleiben und auch dort sterben, können pflegende Angehörige auch einmal durchatmen – das ist ein fast unbezahlbarer Dienst am Nächsten. Auf ihrer Internetseite fasst es die Ambulante Krankenpflege so zusammen: „100 Jahre Leidenschaft, Fürsorge und Menschlichkeit für alle Generationen.“

Der Vorsitzender Ambulanten Krankenpflege ist seit 20 Jahren Pfarrer Peter Brummer. Der Verein und seine Arbeit repräsentieren für ihn „aktive Caritas und gelebte Nächstenliebe: Wir begleiten Menschen, bis zum Sterben“, sagt er. „Sehr viele hilfsbedürftige Menschen stehen im Mittelpunkt der 100 Jahre.“

Geschäftsführer Armin Heil blickt durchaus mit Sorge in die Zukunft. „Ich glaube, dass wir jetzt auf dem Höhepunkt sind“, sagt er im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. „Ich sorge mich um die Zukunft der Pflege, vor allem in unserem teuren Landkreis.“ Denn es sei klar, was auf die Pflegedienste zukomme an Arbeit, an Einsatz für ältere Menschen, die dauerhaft Pflege bräuchten. Heil schätzt, dass es künftig extrem schwierig werden wird, Pflegekräfte zu finden. „Dabei geht es nicht ums Expandieren, es geht um den Erhalt des jetzigen Standards, der jetzigen Qualität.“

Vor 100 Jahren versahen bereits die Tutzinger Missionsbenediktinerinnen die häusliche Pflege in Tutzinger Familien. Das hatten Gemeinde und Orden bereits 1909 vereinbart. 1921 gründeten die Pfarrgemeinde mit Pfarrer Joseph Boeckeler, die politische Gemeinde und die Schwestern des Klosters den Verein Ambulante Krankenpflege. Für Brummer ist es schön, dass dieser Dreiklang bis heute besteht. Zudem ist der Verein von der Bevölkerung stark getragen, er hat mehr als 1200 Mitglieder. Und es gibt den Förderverein „Tutzing – wir in einem Boot“.

Die Leiter der Ambulanten Krankenpflege Tutzing seit 1949 (v.l.): Armin Heil, Schwester Josefa Knab, Schwester Gertrud Banz und Schwester Maria Birgit Baur.

Bis vor 23 Jahren leitete eine Schwester die Ambulante Krankenpflege, nach Schwester Josefa Knab waren es Schwester Gertrud Banz und Schwester Maria Birgit Baur. Seit 1998 führt Armin Heil die Geschäfte. Er prägt die Ambulante Krankenpflege und hat ihren Wirkungskreis massiv vergrößert, doch ihr eigentliches Gesicht bleibt Schwester Josefa Knab, wie Heil neidlos anerkennt. „Sie ist der ,Engel von Tutzing‘. Viele denken, Schwester Josefa hat die Ambulante Krankenpflege gegründet“, erzählt er über seine Vorvorvorgängerin. Das kann schon rein rechnerisch nicht sein: Schwester Josefa wird heuer ebenfalls 100 Jahre alt. Voraussichtlich wird sie beim Festgottesdienst mit Bischof Dr. Bertram Meier am kommenden Sonntag dabei sein (siehe Kasten). Pfarrer Brummer freut sich darauf, in diesem Gottesdienst danke zu sagen. „Was der Verein tut, ist gelebte Kirche.“

Schwester Josefa Knab war viele Jahre in Tutzing bei Pflegebedürftigen im Einsatz. Anfangs zu Fuß und mit dem Fahrrad, später mit einem Moped, schließlich auch auf vier Rädern mit einer Isetta, einem Käfer und zum Schluss mit einem Golf.

Heute betreibt die Ambulante Krankenpflege, die zum Caritas-Verband Tagespflege-Einrichtungen in Tutzing und Starnberg im Ilse-Kubaschewski-Haus gehört, eine ambulante Pflege in beiden Orten und ein Betreutes Wohnen in Tutzing. Betreut werden auch demenzerkrankte Patienten in Wohngemeinschaften, pflegende Angehörige und Menschen, die Fragen rund um die Pflege haben. „Ohne Tagespflege zum Beispiel hätten wir sehr viel mehr pflegerische Not in den Häusern“, ist sich Heil sicher. „Dass die Menschen dort gerne sind, erfüllt mich mit Freude.“ Dazu kommen die Angebote der Nachbarschaftshilfe: der betreute Mittagstisch und die Tafel „Tutzinger Tischlein deck dich“.

Das jüngste Projekt ist der Bau eines Betreuten Wohnens samt Tagespflege in Bernried, das dank einer Erbschaft an die Ambulante Krankenpflege realisiert werden kann. „Das können wir nur stemmen, weil wir so massiv ehrenamtlich unterstützt werden“, macht Heil deutlich. Unter anderem durch den ehemaligen Kirchenpflegers Alfons Mühleck, unterstreicht Brummer. Immer wieder helfen dem Verein bei seiner Arbeit Erbschaften, etwa die von Ilse Kubaschewski oder Therese Petsch. „Mit einer solchen Erbschaft kann man für die ganze Gesellschaft etwas Gutes tun“, sagt Heil. „So können wir das Betreute Wohnen in Bernried für 10,50 Euro den Quadratmeter vermieten. Das ist ein hochanständiger Preis.“ Heil unterstreicht, dass es bei der Ambulanten Krankenpflege nicht primär um Wirtschaftlichkeit gehe. „Wir versorgen die Patienten, die uns brauchen, auch wenn sie einsam wohnen.“

Das Wichtigste ist: flexibel bleiben. Zu Beginn der Pandemie etwa war für Heil klar: Patienten mit Corona können nicht besucht werden, zu gefährlich. „Jetzt kommen wir in der ganzen Schutzmontur – wir können ja nicht sagen, da gehen wir nicht hin.“ Er spricht seinen Mitarbeitern ein großes Lob aus. „Die letzten Monate waren für uns alle anstrengend, aber gemeinsam haben wir sie gut bewältigt.“

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