So oder so ähnlich könnte der neue Andechser Hof aussehen – aber wann? Der Eigentümer hat seine Planungen schon schon länger auf Eis gelegt, andere Investoren haben zumindest ihr Interesse bekundet.
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So oder so ähnlich könnte der neue Andechser Hof aussehen – aber wann? Der Eigentümer hat seine Planungen schon schon länger auf Eis gelegt, andere Investoren haben zumindest ihr Interesse bekundet.

Bebauungsplan im Gemeinderat

Andechser Hof in Tutzing steht seit neun Jahren leer: Verkauf oder ewiger Leerstand?

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
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Der Andechser Hof wird weiterverkauft - oder er verfällt weitere Jahre: Diese Optionen sieht die Eigentümer-Familie im Moment. Die Gemeinde optimiert derweil den Bebauungsplan - „in unserem Sinne“, wie Bürgermeisterin Marlene Greinwald sagt.

Tutzing – Der seit neun Jahren leer stehende Andechser Hof in Tutzing könnte in neue Hände wandern. Die Eigentümer-Familie Schuster spielt mit dem Gedanken, das Areal zu verkaufen. Es gebe „zwei, drei Interessenten“, die schon mit der Gemeinde in Kontakt seien, sagte Georg Schuster, der für die FDP im Gemeinderat sitzt, dem Starnberger Merkur. Bürgermeisterin Marlene Greinwald will das nicht bestätigen:

„Nicht, dass ich wüsste.“ Schuster und seine Frau haben sich aber noch nicht für den Verkauf entschieden. Schließlich seien Baufelder in der Lage sehr gefragt – auch in der Zukunft. Es ist also auch möglich, dass die Gebäude viele weitere Jahre leer stehen und nach und nach verfallen. „Dann hat die Gemeinde einen zweiten Seehof. Sie will es ja so“, sagt Schuster.

Der Frust sitzt tief bei den Eigentümern. Im März hatten sie in einem Brief an die Gemeinderäte erklärt, ihre Planungen für ein neues Wirtshaus zu beenden. Sie kritisierten, die Gemeinde ziehe das Genehmigungsverfahren „unnötig in die Länge“. Es gebe kein Miteinander, das Projekt sei „von Anfang an mit einem Gefühl des ‚nicht Gönnens‘ boykottiert“ worden (wir berichteten). „Man wird blockiert und schikaniert“, sagte Schuster auch am Tag nach der Gemeinderatssitzung, die am Dienstagabend stattfand. Was dort besprochen wurde, bestätige ihn nur in seiner Ansicht.

Damit es nicht zu laut wird: Wohnbereiche und Gastronomie trennen

Es war lange still um den Andechser Hof, zumindest im Gemeinderat. Anfang 2019 hatte das Gremium breite Zustimmung für den Abriss der alten Gebäude, einen Neubau und einen Biergarten an der Hauptstraße signalisiert. Am Dienstag nun ging es wieder um das Areal. Und wieder war man sich einig: Einstimmig entschied sich der Gemeinderat für Änderungen des Bebauungsplans. Schuster stimmte nicht mit, Bürgermeisterin Greinwald bat ihn höflich-bestimmt, wegen Befangenheit hinten Platz zu nehmen. Das Wesentliche: Das rückwärtige Gebäude soll bei einem Neubau gedreht werden, um Wohn- und Schlafzimmer von der Gastronomie abzuschirmen. Von einer „Trennachse“ sprach Gemeinde-Anwalt Dr. Volker Gronefeld. Im Süden könnte laut Planer Prof. Florian Burgstaller ein „sehr schöner Grünbereich“ entstehen. Greinwald fasst die Änderungen auf Nachfrage so zusammen: „Wir optimieren den Plan in unserem Sinne zum Erhalt der Gastwirtschaft und des Biergartens.“ Man verbinde damit auch die Hoffnung, das Immissionsschutz-Problem zu lösen.

Vor allem die akustischen Auswirkungen auf die umliegenden Wohnhäuser sind der Knackpunkt mitten im Ort. Eine Stellungnahme des Landratsamts zu dem Projekt habe sie „sehr irritiert“, sagt Greinwald. Darin verweist die Behörde auf eine schalltechnische Untersuchung, nach der der Biergarten nur bis 22 Uhr geöffnet sein soll und es keinen Festsaal und „keine Veranstaltungen mit musikalischer Beschallung“ geben soll. Um solche Auflagen zu vermeiden, wird das Areal auch als sogenanntes urbanes Gebiet und nicht als Mischgebiet ausgewiesen. „Da sind wir auch freier im Mischverhältnis von Gewerbe und Wohnen“, erklärte der Jurist Gronefeld.

Eigentümer: „Die Baupreise sind seit 2019 schon wieder um 10 bis 20 Prozent gestiegen.“

Noch ist das aber alles graue Theorie. Ob es so klappt, wie die Gemeinde sich das vorstellt, daran hat etwa Dr. Ernst Lindl (CSU) Zweifel. „Wenn man anderen schon vorschreibt, wie sie es machen sollen, sollte man ihnen auch ermöglichen, das wirtschaftlich herzurichten“, sagte er in der Sitzung.

Die am Dienstag besprochenen Stellungnahmen von Behörden und Trägern öffentlicher Belange stammen alle aus dem Jahr 2019. Dass sie erst jetzt vorgelegt wurden, begründet Greinwald mit den Verhandlungen „mit den Investoren“ – also mit den Schusters. Sie lehnten es damals ab, einen städtebaulichen Vertrag zu unterschreiben. Sie fanden ihn (O-Ton Georg Schuster) „rechtswidrig“. Heute bedauert der Eigentümer des Andechser Hofs, dass er 2019 nicht loslegen konnte: „Die Baupreise sind seitdem schon wieder um 10 bis 20 Prozent gestiegen.“ Die Bürgermeisterin versteht diese Aussage nicht: „Er ist doch Gemeinderat und kann mir nicht erzählen, dass solche Verfahren nicht lange dauern. Das weiß er ganz genau. Was erwartet er denn?“

Um die aktuelle Fassung des Bebauungsplans abzusichern, erließ der Gemeinderat am Dienstag einstimmig eine Veränderungssperre auf dem Grundstück. Wenige Minuten später griff sie schon. Die Anfrage – laut Schuster kam sie nicht von ihm –, ob dort ein Mehrfamilienhaus mit einer Gewerbeeinheit gebaut werden könne, beantwortete das Gremium mit nein. Das Haus sei mit dem Plan nicht vereinbar.

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