Vier Spitzen der Ambulanten Krankenpflege seit 1949: Armin Heil, Schwester Josefa Knab, Schwester Gertrud Banz und Schwester Maria Birgit Baur (v.l.).
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Vier Spitzen der Ambulanten Krankenpflege seit 1949: Armin Heil, Schwester Josefa Knab, Schwester Gertrud Banz und Schwester Maria Birgit Baur (v.l.).

Es begann mit einem Gespräch im Wohnzimmer

Armin Heil: 25 Jahre als Pflegedienstleiter der Ambulanten Krankenpflege in Tutzing

Auf den Tag 25 Jahre ist es her, da wurde Armin Heil Pflegedienstleister bei der Ambulanten Krankenpflege in Tutzing. Seit 23 Jahren ist er zudem Geschäftsführer des vor 100 Jahren gegründeten Vereins, der von Starnberg bis Bernried aktiv ist. Ein Rückblick.

Tutzing – Es begann 1996 mit einem Gespräch im Wohnzimmer von Dr. Robert Genewein. Der damalige Chefarzt des Tutzinger Krankenhauses war zweiter Vorsitzender der Ambulanten Krankenpflege, deren Pflegedienstleitung er Armin Heil anbot. Der damals knapp 30-Jährige nahm an – und steht nun seit mittlerweile 25 Jahren an der Spitze des weit über Tutzing hinaus engagierten Vereins, den er zudem seit 23 Jahren als Geschäftsführer leitet.

Heils Bestellung war damals durchaus etwas Besonderes. Die Leitung des vor genau 100 Jahren vom damaligen Tutzinger Pfarrer Joseph Boeckeler gegründeten Vereins hatte zuvor fast nur bei Klosterschwestern gelegen, etwa Schwester Josefa Knab, die heuer wie die Ambulante Krankenpflege 100 Jahre alt wird, Schwester Gertrud Banz und Schwester Maria Birgit Baur.

Armin Heil: Ungewöhnlicher Lebenslauf

Aber Heils Laufbahn war schon zuvor ungewöhnlich gewesen. Im Westerwald, wo er geboren ist, hatte er 1983 eine Ausbildung zum Gesundheitspfleger im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Montabaur begonnen, bei denen er ins Kloster eintrat. Aber dann entschied er sich doch anders. Bei den Tutzinger Missionsbenediktinerinnen absolvierte er seinen Zivildienst, nach kurzem Intermezzo am Klinikum Bamberg wurde er in Tutzing stellvertretender Stationsleiter und 1986 männlicher Stationsleiter einer chirurgischen Frauenstation. Alles war in Tutzing immer sehr persönlich, erinnert sich der heute 54-Jährige. So wurde der Ort für ihn zur zweiten Heimat.

Die Struktur mit einem eingetragenen Verein und ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern hält er für ein Erfolgsgeheimnis. Er selbst ist den ganzen Tag unterwegs. „Meine Mitarbeiter gehen in keinen Haushalt, den ich nicht vorher gesehen habe“, sagt er. Etwa 1200 Mitglieder tragen den Verein. Er kann auf weitere Unterstützung bauen, wie Förderungen durch die Ilse-Kubaschewski-Stiftung oder den Starnberger Förderverein Seestern, Zuschüsse von Kommunen, Spenden und Erbschaften. Doch Manches ändert sich. Gerade deshalb schätzt Heil den Rückhalt in der Bevölkerung.

Breites Aktionsspektrum von Starnberg bis Bernried

Tutzings katholischer Pfarrer Peter Brummer, der Vorsitzende des Vereins, sieht die Zusammenarbeit vieler Idealisten als „das Kostbarste in einer Gemeinschaft“. Der gute Ruf der Ambulanten Krankenpflege hat zu Aktivitäten weit über Tutzing hinaus geführt. Ihr breites Aktionsspektrum von Starnberg bis Bernried umfasst häusliche Pflege wie betreutes Wohnen, Tagespflege, Wohngemeinschaften für Demenzkranke, Kurse für Angehörige, Hausnotruf und Nachbarschaftshilfe. Am 1. Dezember soll eine neue betreute Wohnanlage in Bernried eröffnet werden, eine Kooperation der Therese Petsch Stiftung, der Ambulanten Krankenpflege und der Gemeinde Bernried.

Der Pflegenotstand zwingt Heil zu Entscheidungen, doch für ihn steht fest: „Auch nach 100 Jahren hat Tutzing Priorität“. Wichtig ist ihm eine gute Vernetzung mit anderen Organisationen in der Region. Aber etliche Mitarbeiter werden in den nächsten fünf Jahren ausscheiden. Ob ausreichend Nachfolger zu finden sind, ist ungewiss. „In der Kranken- und Altenpflege können wir die Qualität auf Dauer nicht mit nicht-qualifiziertem Personal halten“, warnt Heil: „Jede Generation muss sich fragen, was ihr die Pflege wert ist.“ Besonders wichtig seien menschenwürdige Rahmenbedingungen. Hier seien auch die Gemeinden gefordert. Was sie tun könnten? „Wohnraum schaffen“ – für ihn ein wesentlicher Aspekt. Die Gemeinde Tutzing stehe mit Bürgermeisterin Marlene Greinwald voll hinter der Ambulanten Krankenpflege, sagt er. Er hofft, dass auch die jüngeren Gemeinderäte in allen Kommunen den Wert der Versorgung älterer Menschen erkennen und diesen Gedanken stets fortführen.

Text: Lorenz Goslich

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