Parken vor der Eisdiele Corallo: Das soll künftig im Sommer nicht mehr möglich sein, weil auf einem Stellplatz ein Abstellplatz für Fahrräder entstehen soll. Dagegen wehren sich Teile des Gewerbevereins, die um jeden Parkplatz im Zentrum kämpfen.
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Parken vor der Eisdiele Corallo: Das soll künftig im Sommer nicht mehr möglich sein, weil auf einem Stellplatz ein Abstellplatz für Fahrräder entstehen soll. Dagegen wehren sich Teile des Gewerbevereins, die um jeden Parkplatz im Zentrum kämpfen.

Vorschlag aus Gewerbeverein

Räder statt Autos: Aufregung um einen Parkplatz in Tutzing

Mitten in Tutzing soll für einen Radständer ein Autoparkplatz entfallen – auf Vorschlag des Gewerbevereins-Vorsitzenden. Doch damit hat er Kritik unter den Mitgliedern entfacht.

Tutzing – Es gab einhellige Zustimmung, als sich der Umwelt-, Energie- und Verkehrsausschuss des Tutzinger Gemeinderats vorige Woche mit dem Tagesordnungspunkt „Anschaffung und Aufstellung eines Fahrradständers an der Hauptstraße 46“ befasste. Bürgermeisterin Marlene Greinwald freute sich über den „Supervorschlag“, den der Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Tutzinger Gewerbetreibender (ATG), Roberto Mestanza, gemacht hatte. Doch nach der Berichterstattung darüber im Starnberger Merkur hat die Sache ein Nachspiel.

Einige ATG-Mitglieder haben sich kritisch geäußert, bestätigt Mestanza. Grund: Die Gewerbetreibenden kämpften eigentlich für Erhaltung der Parkplätze. Doch nun soll zugunsten des Fahrradständers neben der Eisdiele „Corallo“ ein Parkplatz entfallen. Am Mittwoch findet ein internes Vorstandstreffen der Aktionsgemeinschaft statt. Mestanza hat schon Zweifel gehört, ob die ATG noch im Sinn ihrer Mitglieder agiere. Es gebe schließlich schon Fahrradständer, etwa beim Vetterlhaus. Die seien nicht geeignet, um hochwertige Räder wirklich gut zu sichern, sagt Mestanza dazu. „Fahrräder werden geklaut wie verrückt“, gibt er zu bedenken.

„Sehr erfreut“ über die Zustimmung des Ausschusses zum Radständer bei der Eisdiele hat sich unterdessen die Tutzinger Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) geäußert. Die Eisdiele sei von Frühjahr bis Herbst ein beliebter Anziehungspunkt für Einheimische wie Gäste. Der Radständer werde die Aufenthaltsqualität verbessern und den Rad- und Fußverkehr vom Durchgangsverkehr abschirmen. Nach Angaben von Mestanza will der ADFC sogar einen Zuschuss zu der Anlage beisteuern, die ansonsten durch Werbung finanziert werden soll.

Tiefgreifende Diskussionen über die künftige Tutzinger Verkehrsgestaltung

Positiv beurteilt auch die Mobilitätsreferentin des Gemeinderats, Flora Weichmann (Grüne), die Initiative. So werde der Ort „leichter mit dem Rad erfahrbar“. Sichere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder würden viele Menschen zu mehr Fahrten mit dem Rad anregen, meinen die Tutzinger ADFC-Sprecher Dr. Martin Held und Claus Piesch.

Die Diskussion wirft ein Schlaglicht auf tiefgreifende Diskussionen über die künftige Tutzinger Verkehrsgestaltung. In Zusammenhang mit der Sanierung der Hauptstraße stand vor Jahren eine Abkehr von Autoparkplätzen zur Debatte. In einer Version sollten nur neun von mehr als 60 Stellflächen im Ortszentrum übrig bleiben, erinnert sich Mestanza. Man habe es geschafft, dass doch fast die bisherige Zahl von Parkplätzen erhalten bleiben soll.

Mittlerweile aber habe sich vieles verändert, auch wegen Corona, sagt Mestanza. Geschäfte lieferten ihre Waren aus, gleichzeitig gebe es einen Fahrrad-Boom. „Wir als ATG müssen darauf reagieren“, mahnt der ATG-Vorsitzende. Die Lage neben der Eisdiele mitten im Ort sei optimal: „Das kann Umsätze in die Läden bringen.“

Der Parkplatz, der wegfallen soll, galt ohnehin als problematisch. Die Ladenbetreiber sähen es nicht gern, erzählt Mestanza, wenn dort ein Auto oder gar ein Lastwagen stehe und damit den Blick auf die Eisdiele verstelle. Deshalb rückten sie oft einen Müllbehälter in Form einer überdimensionalen Eistüte dorthin, um Fahrzeuge fernzuhalten – was nicht allen gefällt. Ein Fahrradständer könnte diese Aufgabe ebenso erfüllen.

Lorenz Goslich

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