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Alte Bräuche und Tracht zu pflegen und zu bewahren, hat sich der Heimat- und Volkstrachtenverein Tutzinger Gilde zur Aufgabe gemacht. Die Vereinsvorsitzende Carola Falkner (Foto links l.) und einige ihrer Mitstreiter sind stolz auf die von ihnen auf die Beine gestellte Ausstellung über Hochzeitsbräuche in früherer Zeit.

Brauchtum

Schmuser fängt Amors Pfeile ab

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Eine Ausstellung im Tutzinger Ortsmuseum soll auf die Fischerhochzeit einstimmen. Sie thematisiert Heirat und Hochzeitsbräuche in früherer Zeit.

Tutzing – Liebe, ob auf den ersten, den zweiten oder dritten Blick, spielte im 19. Jahrhundert – wenn überhaupt –, nur eine unbedeutende Rolle, wenn sich junge Leute das Ja-Wort vor Gott und den Menschen gegeben haben. Nicht die Romantik, sondern der schnöde Mammon begründete das eheliche Versprechen. Knallharte wirtschaftliche Interessen standen im Vordergrund, Stand und Grundbesitz, die finanzielle Zukunft der Familien, die Versorgung der Eltern im Alter.

Im 19. Jahrhundert spielt auch die Tutzinger Fischerhochzeit, eine erfundene Handlung um die Liebesgeschichte eines Fischerpaares – er, Michael Gröber, vom Westufer aus Tutzing, sie, Veronika Bierbichler, vom Ostufer aus Ambach –, die seit 1929 in der Regel alle fünf Jahre in Tutzing gefeiert wird – heuer zur 1275-Jahr-Feier der Gemeinde. Wie es um die Heirat und die Hochzeitsbräuche in alter Zeit tatsächlich bestellt war, dokumentiert eine Ausstellung im Tutzinger Ortsmuseum, die am Donnerstag fröhlich und traditionsbewusst eröffnet wurde – als Einstimmung auf das Historienspiel am ersten Juli-Wochenende.

Liebesgott Amor machte im 19. Jahrhundert fast keinen Stich gegen die wahren Hochzeitsmacher der damaligen Zeit. Die zogen von Haus zu Haus, von Hof zu Hof auf der Suche nach einem heiratsfähigen Mädchen, das als Braut die passende Mitgift für den vorbestimmten Bräutigam mitbringen konnte. Dem Hochzeitmacher, dem so genannten Schmuser, ist in der Ausstellung eine von mehreren Informationstafeln gewidmet. Auf anderen ist nachzulesen, was die Aufgaben des Hochzeitsladers waren, wie eine Aussteuer ausgestattet ist, welche Details ein Heiratsvertrag beinhaltete oder wie sich die Hochzeitsrechnung zusammensetzte. Im aufgezeigten Beispiel geht es um etwas mehr als 244 Gulden, den Betrag, den die Hochzeitsgäste dem Brautpaar geschenkt hatten. Davon wurden die Kosten des Festes bestritten. Den Hauptteil kassierte der Wirt ein. Für Bier, Wein, Brot, das Salär für Mesner, Lehrer, Fuhrleute, Musikanten und die so genannte Frühsuppe und andere Dienstleistungen stellte er gut 195 Gulden in Rechnung. Hinzu kamen noch einige weitere Ausgaben, sodass unter dem Strich dem Brautpaar nur noch knapp 31 Gulden blieben. Das ist die ernüchternde Realität.

Die Tutzinger Gilde ist mit der Ausstellung „Liebe vergeht, Tagwerk besteht“ ins kalte Wasser gesprungen, verriet Gildemeisterin Carola Falkner bei der Vernissage. Auf die Frage von Kulturreferentin Brigitte Grande in den Gesprächen zur Vorbereitung der Fischerhochzeit, ob der Trachtenverein nicht eine Ausstellung zu dem Thema organisieren möchte, sagte die Vereinschefin spontan zu. Denn: „Alte Bräuche und Trachten sind ja das Ziel unserer Gilde.“ Beim ersten Treffen zu dem zugesagten Projekt im kleinen Gilde-Kreis wurde es den Trachtlern dann doch etwas mulmig, räumte Falkner ein. Es war immerhin die erste Ausstellung, die sich der Verein vor die Brust genommen hatte.

Doch die Anstrengungen haben sich ausgezahlt. Im eigenen Fundus wurden die Gilde-Mitglieder fündig: Etliche Devotionalien und Ausstattungsstücke einer Hochzeit alter Zeit traten zu Tage. In Archiven und der Staatsbibliothek recherchierten die Organisatoren und ihre ehrenamtlichen Helfer wichtige und wertvolle Informationen. So stattete die Gilde einige Vitrinen mit originalen Bekleidungsaccessoires von Brautleuten und Hochzeitsgästen aus – Messerbesteck für den Herren, Taschenuhrenhalter für die Dame, Hauben und vieles mehr. Ein Schaufensterpuppenpaar kleidete man in die historische Tracht eines Brautpaares aus dem 19. Jahrhundert – verbunden mit all‘ den Widrigkeiten bei der Anpassung der damaligen Kleidungsstücke an die Modellmaße heutiger Zeit. Sehr anschaulich auch ein alter Bauernschrank mit der Aussteuer, die die Braut mit in die Ehe gebracht hatte.

Die adrett in Tracht gekleidete Kinder-Tanzgruppe der Gilde begeisterte bei der Vernissage auf dem Thomaplatz vor dem Museum das Publikum, musikalisch begleitet von der Jagerholzmusi. In die Gästeschar der Eröffnungsfeier hatten sich zahlreiche Darsteller der Fischerhochzeit gemischt, unter anderen die Braut Theresa Feldhütter, Udo Hahn, Direktor der Evangelischen Akademie, als Hofmarksrichter, Birgit Habdank (Tante der Braut), Claudia Schiffner (Wirtin), Ulrike Weiß (Mutter des Bräutigams) sowie Pfarrer Peter Brummer, Ortshistoriker Dr. Toni Aigner, Museumskurator Gernot Abendt und einige Gemeinderäte. Für den angekündigten, aber krankheitsbedingt verhinderten Bürgermeister Rudolf Krug begrüßte dessen Stellvertreterin Elisabeth Dörrenberg die Gäste. Sie sparte nicht mit Lob für das Engagement der Gilde als Organisatorin der Ausstellung.

Aufgelegt war die druckfrische und liebevoll zusammengestellte Festschrift zur Tutzinger Fischerhochzeit 2017 (Texte von Altbürgermeister Peter Lederer und Dr.Petra Gründl; Redaktion: Lieselotte Garke; Layout: Sepp Auer). Sie wird haushaltsweit verteilt. Und war bei der Vernissage käuflich zu erwerben. Der Erlös wird zur Deckung der Kosten zur Ausrichtung des Historienspiels verwendet.

Die Ausstellung

„Liebe vergeht, Tagwerk besteht – Hochzeitsbräuche im 19. Jahrhundert“ ist ab diesem Samstag, 3. Juni, bis 17. September zu sehen, jeweils mittwochs, samstags und sonntags von 13 bis 17 Uhr, für Gruppen und Schulklassen nach Vereinbarung. Eintritt: 2 Euro (Kinder 1 Euro), ermäßigter Eintritt für Schulklassen und mit Gästekarte.

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