Deutlich langsamer als sonst fuhren die Züge am Dienstag im Bereich Tutzing.
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Deutlich langsamer als sonst fuhren die Züge am Dienstag im Bereich Tutzing.

Am Montagnachmittag

Bahn geht auf Nummer sicher: Streckensperrung wegen rutschendem Hang in Tutzing

  • Tobias Gmach
    VonTobias Gmach
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Der Zugverkehr von Tutzing Richtung Süden stand seit Montagnachmittag komplett still und war auch am Dienstag noch eingeschränkt. Die Ursache – ein drohender Erdrutsch an einer Baustelle nahe der Bahngleise – rief mehrere Behörden auf den Plan. Ein Rätsel konnten sie bisher nicht lösen.

Tutzing – Der Dauerregen macht dem unterirdischen Leitungsnetz rund um den Starnberger See derzeit zu schaffen. „Wir pumpen jede Menge Leitungen ab. Wir kämpfen mit viel zu viel Wasser an ungünstigen Stellen“, sagt Michael Friedrich, Leiter der Bauabteilung beim Abwasserverband Starnberger See. An einer besonders ungünstigen Stelle sprudelte das Wasser am Montag in eine Baugrube am Oberanger in Tutzing. Die Integrierte Leitstelle in Fürstenfeldbruck erreichte deshalb ein Anruf, woraufhin sie die Tutzinger Feuerwehr bat, sich das mal anzuschauen. Als Kommandant Christoph Knobloch zur Mittagszeit ankam, machte er sich um das Wasser in der Baugrube weniger Sorgen – eher darum, dass „Teile der Böschung abgerutscht waren“, wie er sagt. Die Baustelle liegt nur etwa 20 Meter unterhalb des Bahndamms, der lehmige Boden war völlig durchnässt. „Weder wir noch die Polizei konnten sicher sagen, dass der Hang nicht weiter rutscht.“ Und so waren bald auch Statiker und Geologen der Bahn, das Kreisbauamt und der Abwasserverband involviert. Relativ schnell, ab 14 Uhr, entschloss sich die Bahn zu einer Vorsichtsmaßnahme – zur Sperrung der Streckenabschnitte Tutzing-Weilheim und Tutzing-Seeshaupt.

Richtung Weilheim fuhren erst am Montagabend ab 20.45 Uhr wieder Züge, Richtung Seeshaupt sogar erst am Dienstagmorgen ab 06.30 Uhr – und jeweils zunächst noch mit reduzierter Geschwindigkeit. Busse übernahmen in der Zwischenzeit den Schienenersatzverkehr.

An der heiklen Stelle untersuchten mehrere Fachleute die Situation

An der heiklen Stelle am Oberanger untersuchten mehrere Fachleute die Situation. Ein gängiges Verfahren, wie ein Bahnsprecher auf Nachfrage des Starnberger Merkur sagte. Größere Schäden stellten die Experten offenbar nicht fest, die Gleise waren nicht unterspült worden. Dafür standen die Beteiligten „bis in die Abendstunden“ vor einem Rätsel, das immer noch nicht gelöst sei, wie Feuerwehr-Kommandant Knobloch sagte. „An der Baugrube kam ein Rohr zum Vorschein, das nirgends verzeichnet ist.“ Jenes Rohr, aus dem das Wasser in die Grube sprudelte. Der Abwasserverband, den Knobloch ebenfalls vertrat, konnte es nicht zuordnen, die Bahn auch nicht. „Das ist sehr merkwürdig“, findet Knobloch. Allerdings komme es durchaus mal vor, dass sich sehr alte Bauteile höchstens noch in Unterlagen finden würden, die im Krieg verloren gingen.

Um den Behördenreigen komplett zu machen, zog die Polizei am Montag das Kreisbauamt hinzu, was Landratsamtssprecherin Barbara Beck bestätigt. Dort, am Oberanger, entstünden derzeit zwei Einfamilienhäuser. Tätig wurde die Behörde nach dem leichten Erdrutsch laut Beck nicht. „Wir konnten kein Fehlverhalten des Bauherrn feststellen.“

Wann genau der Zugverkehr wieder in geregelten Bahnen lief, war am Dienstag nicht mehr zu erfahren. „Wir arbeiten unter Hochdruck daran, dass Züge die beiden Abschnitte wieder schnellstmöglich mit voller Geschwindigkeit befahren können“, hieß es vom Bahnsprecher am Nachmittag.

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