1 von 3
Großeinsatz nach Blitzschlag: Ein Wohnhaus in Tutzing geriet nach dem Gewitter am späten Freitagabend in Brand.
2 von 3
Großeinsatz nach Blitzschlag: Ein Wohnhaus in Tutzing geriet nach dem Gewitter am späten Freitagabend in Brand.
3 von 3
Großeinsatz nach Blitzschlag: Ein Wohnhaus in Tutzing geriet nach dem Gewitter am späten Freitagabend in Brand.

100 000 Euro Schaden

Blitzeinschlag in Tutzinger Hausdach: „Es war wie eine Explosion“

Mitten im Tutzinger Ortszentrum hat am späten Freitagabend ein Blitz eingeschlagen und einen Brand verursacht. Die Feuerwehr konnte das Feuer relativ schnell löschen. Der Schaden liegt bei mindestens 100 000 Euro.

Tutzing – Freitagabend, gegen 23 Uhr: Markus Nitschke schaute zufällig aus dem Fenster, als es knallte. „Ein greller Lichtblitz“, erzählt der Tutzinger, der in einem Haus an der Schmiedgasse wohnt, „wie eine Explosion“. Boden und Wände hätten gewackelt. Nitschke ging schnell nach oben zu seiner Nachbarin, schaute nach dem Rechten und half ihr, die Fenster zu schließen. Wenige Minuten später hörte er Feuerwehrsirenen. Da war ihm klar: Nebenan hatte der Blitz eingeschlagen.

Die Bewohner des betroffenen Gebäudes hatten zunächst selbst nur den Knall wahrgenommen. Der 68-jährige Eigentümer befand sich im Erdgeschoss, seine Frau im ersten Stock im Schlafzimmer. „Es gab einen furchtbaren Schlag“, berichteten sie gestern. Die 63-Jährige ging ins Dachgeschoss, um von dort aus dem Fenster zu schauen. Plötzlich entdeckte sie Holzsplitter auf dem Boden, und es roch nach Rauch. Da erst wurde ihr klar: Der Blitz hatte in ihr eigenes Gebäude eingeschlagen. Also schnell die Feuerwehr alarmieren. Aber der Strom war weg, und Tutzings Telekom-Mobilfunknetz ist zurzeit nicht das beste. Der Notruf klappte dann doch.

Tutzings Freiwillige Feuerwehr war schnell an Ort und Stelle, bald kamen ihre nachalarmierten Kollegen aus Traubing und Bernried dazu. Flammen schlugen da schon aus dem Dach. Die Feuerwehrleute postierten eine Drehleiter in der engen Schmiedgasse, kletterten aufs Dach und zerschlugen die Platten, um innen löschen zu können. So bekamen sie den Brand schnell in den Griff. Die Brandschutz-Vorgaben seien gut erfüllt worden, sagt Feuerwehrkommandant Markus Kuisl. Schwer entflammbares Isoliermaterial sei verwendet worden, so dass sich das Feuer nicht rasant ausgebreitet habe. Bis die letzten Glutnester beseitigt waren, dauerte es drei Stunden. Die Bewohner verbrachten die Nacht im Nachbarhaus. Verletzt wurde bei dem Brand niemand.

16 mal 18 Meter große Plane aus Dachau deckt das Dach ab

Am Sonntag brachte das Technische Hilfswerk (THW) aus Dachau eine 16 mal 18 Meter große Plane nach Tutzing, um das Dach abzudecken. Auch die Kriminalpolizei war an Ort und Stelle, samt Brandfahnder zur Begutachtung. Ergebnis: „Nach derzeitigem Sachstand kommt als Brandursache durchaus ein Blitzschlag in Frage.“ Den entstandenen Schaden schätzt die Kripo zurückhaltend auf rund 100 000 Euro. Es seien aber noch weitere Ermittlungen und Abklärungen erforderlich. Nach Kuisls Einschätzung haben die Eigentümer nichts falsch gemacht. „Ich glaube nicht, dass man sowas verhindern kann“, sagt er. Es sei ein „sehr unglücklicher Zufall“, der jeden treffen könne: „Der Blitz sucht halt seinen Weg zur Erde.“

Einige benachbarte Gebäude und Bäume im Umfeld sind teils deutlich höher als das betroffene Gebäude. Nicht mal Blitzableiter sind in Deutschland für Eigentümer und Bewohner von Häusern Pflicht – im Gegensatz zu öffentlichen Gebäuden mit Höhen von mehr als 20 Metern. Die Hauseigentümer haben ihre Versicherungsgesellschaft verständigt. Ein Gutachter war noch nicht da. Unterdessen beobachten sie mit gemischten Gefühlen, wie sich das Löschwasser seinen Weg in die unteren Räume sucht.

Lorenz Goslich

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgesehene Fotostrecken

Gauting
Zeitreise durchs faszinierende Mühltal
„Heimat ist kein Ort. Heimat ist ein Gefühl“, sagt Stephan Limmer. Der Gautinger hat nach seinem viel beachteten Werk „Mein Dorf an der Würm“ soeben den Radl- und …
Zeitreise durchs faszinierende Mühltal