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Die nahe Kirche St. Joseph und ein dortiges Bodendenkmal könnten für Verzögerungen bei der Sanierung der Mittelschule sorgen.

Mittelschule Tutzing

Bodendenkmal als Hürde für die Schulsanierung

Ein Bodendenkmal könnte die Sanierung der Tutzinger Mittelschule nochmals verzögern. Das Rathaus ist optimistisch, dass dieser Fall nicht eintritt.

Tutzing – „D-1-8033-0096“: So lautet die Nummer eines Bodendenkmals in Tutzing, das im Bayerischen Denkmal-Atlas neben der katholischen Kirche St. Joseph vermerkt ist. Nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege befindet es sich gerade mal etwa 20 Meter von der Mittelschule entfernt – und die steht vor ihrer Sanierung.

Konkret soll es um „Körpergräber vor- und frühgeschichtlicher Zeitstellung“ gehen, wie eine Sprecherin des Denkmalamts auf Nachfrage des Starnberger Merkur erläutert hat. Im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens zur Sanierung der Mittelschule hat das Landesamt in seiner Stellungnahme auf dieses Bodendenkmal hingewiesen. Im Bau- und Ortsplanungsausschuss des Gemeinderats, der sich mit dem Verfahren befasst hat, ist dies kürzlich kurz zur Sprache gekommen.

Gegenüber unserer Zeitung gab sich Bürgermeisterin Marlene Greinwald gelassen. Sie hält eine Verwechslung für wahrscheinlich: Ein Gräberfeld sei eher bei der evangelischen Kirche zu vermuten. Die Sanierung der Mittelschule werde daran nicht scheitern – da ist sie sich sicher. Es handele sich ja nicht um einen Neubau, sondern um eine Sanierung.

Skelett-Funde bereits seit 1966 bekannt?

Im Denkmalatlas ist die Fläche neben der katholischen Kirche rot markiert. Nach Angaben des Amts handelt es sich um bereits seit 1966 bekannte Skelett-Funde, die nach den Unterlagen damals von spielenden Kindern entdeckt worden seien. „Weil die Distanz zur Mittelschule nur 20 Meter beträgt, müssen wir auch auf deren Gelände Gräber vermuten“, so die Sprecherin des Landesamts. Dies gelte allerdings nur für solche Bereiche, in denen bisher keine tief greifenden Erdarbeiten stattgefunden hätten, so etwa für den Bau eines Kellers. Naturwissenschaftliche Datierungen zum Alter der Gräber konnten nach Angaben des Denkmalamts nach der Entdeckung der Gräber 1966 noch nicht vorgenommen werden. Und Hinweise auf Grab-Beigaben fehlten in den Unterlagen des Amts. Insofern sei eine Aussage zur Zeitstellung der Gräber schwierig. Allerdings befinde sich etwa 200 Meter westlich die Fundstelle einiger frühmittelalterlicher Waffen, und auch die namenkundliche Überlieferung lege eine Gründung des Ortes im Frühmittelalter nahe.

Die Entfernung der Fundstellen zum historischen Altort unweit des Schlosses würde nach Auffassung des Denkmalamts zu einer frühmittelalterlichen Ortsgründung mit zugehörigen Gräberfeldern passen. Zum jetzigen Zeitpunkt könne aber auch eine vorgeschichtliche Zeitstellung nicht ausgeschlossen werden. Ebenso könne es sich jedoch um die Reste eines neuzeitlichen Bestattungsplatzes handeln.

Datierung unklar, Sanierung der Schule nach Bergung der Skelette

Was wäre im Zuge der Sanierungsarbeiten unter Denkmalaspekten zu beachten? Dazu erläutert das Landesamt, für alle Bodeneingriffe im überplanten Bereich sei wegen der Nähe zum Bodendenkmal eine denkmalrechtliche Erlaubnis nach Artikel 7 des Denkmalschutzgesetzes notwendig. Sollten im Zuge der Schulsanierung Erdarbeiten in einem Bereich geplant sein, in dem Gräber vermutet werden, würde ein Grabungstechniker diesen Bereich vorab prüfen, so das Landesamt: „Falls er auf Gräber stoßen sollte, müssten diese von einer archäologisch qualifizierten Fachfirma ausgegraben und geborgen werden.“ Die Sanierung könne nach den archäologischen Maßnahmen beginnen.

von Lorenz Goslich

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