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Schulung bei traumhaftem Wetter: Wasserretter bekamen im Bereich der Wasserrettungsstation Schwaiblbach gezeigt, wie sie angehende Bootsführer einlernen können. Fünf Bootsführer der Wasserwacht Tutzing waren dabei.

BRK-Wasserwacht

Ausbildung für Retter ohne Nerven

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Angehende Bootsführer müssen für ihre Ausbildung einige Fähigkeiten nachweisen können. Trotzdem fällt jeder Dritte bei den Prüfungen durch. Nun werden Wasserretter geschult, wie sie die angehenden Bootsführer einlernen können.

Tutzing – Es ist Nacht, es ist kalt, es stürmt. Ein großes Segelboot treibt auf dem Starnberger See und schlägt am Ufer auf. Robert Lettenbauer (41) und sein Kollege von der BRK-Wasserwacht Tutzing rücken mit einem 225-PS-Boot aus. Der Bootsführer gibt Anweisungen, Lettenbauer steigt bei meterhohem Wellengang in seinem Neoprenanzug auf das Segelschiff. Nach dreieinhalb Stunden ist es geborgen, Lettenbauer schläft zehn Stunden am Stück. „Das geht an die körperliche und psychische Substanz“, sagt der Technische Leiter. „Solche Einsätze sind aber normal.“

Ob sie gut ausgehen, hängt maßgeblich vom Bootsführer ab. Er fährt das Rettungsboot, koordiniert gleichzeitig die Retter und bestimmt, was gemacht wird. Für so einen Job kommen nur Führungskräfte infrage, Retter, die im Einsatz keine Nerven zeigen. Das Problem: Bei den Lehrgängen fallen durchschnittlich 30  Prozent der Teilnehmer durch, sagt Lettenbauer. In den örtlichen Wasserwachten werden sie zwar auf die Lehrgänge vorbereitet, aber: „Es gibt in Bayern hunderte Bootsführer. Alle sind erfahren – aber jeder fährt anders.“ Bei den Lehrgängen zeigt sich oft, dass andere Fähigkeiten gefragt sind. Deswegen schult das BRK nun Bootsführer, wie sie ihre Schützlinge in den Ortsgruppen auf Lehrgänge vorbereiten können.

Den ersten Kurs gab es Ende März an der Wasserrettungsstation Schwaiblbach beim Ambacher Erholungsgebiet am Ostufer des Starnberger Sees. Eine Übung reichte, um zu zeigen, wie unterschiedlich die Retter agieren: Mann über Bord. „Ein Manöver, das viel Spielraum für Interpretationen lässt“, sagt Lettenbauer. Bootsführer sollen in einem solchen Fall sofort vom Gas gehen, damit der Propeller möglichst ruhig bleibt und die Person im Wasser nicht verletzt. Dann dreht er das Boot bei und nimmt ohne Antrieb Kurs auf die verunglückte Person. Hier gibt es den Spielraum: „Wann nehme ich das Gas raus? Wann soll der Propeller stehen?“ Bei der Schulung bekamen die Teilnehmer klare Anweisungen – sie sollen sie so an ihre Schützlinge weitergeben, dass diese den Lehrgang zum Bootsführer bestehen.

Nachwuchs kann jede Wasserrettungsstation brauchen. In Tutzing gibt es zwölf Bootsführer im Alter zwischen 18 und 60 Jahre. Mit jeder Nachwuchskraft, die infrage kommt, führt Lettenbauer Gespräche. Interessierte stehen bei Prüfungen der Ortsgruppe unter Beobachtung. „Dann merkt man, ob jemand belastbar ist oder nicht. Fehler macht jeder – aber die Frage ist, wie er darauf reagiert.“ Gerät ein Wasserretter zu schnell in Stress oder wird hektisch, muss er mehr Einsatzerfahrung sammeln. Es gibt Interessierte, die für den Job des Bootsführers auch dann nicht geeignet sind. „Diese Verantwortung muss man tragen können und wollen“, sagt Lettenbauer. Wenn es um Menschenleben geht, kann sich der Technische Leiter keine Gefälligkeiten leisten. Wer nicht geeignet ist, bekommt das gesagt.

Vom Schlauchboot bis zur 225-PS-Maschine müssen Bootsführer jedes Boot beherrschen. „Auch Bootsführer, die seit 40 Jahren fahren, üben immer wieder mit Schlauchbooten. Wir fahren ja nicht nur bei Sonnenschein raus.“ Wer den Lehrgang nach vier Wochenenden bestanden hat (siehe Kasten), bekommt mehr Verantwortung. „Der Bootsführer gibt im Einsatz klare Befehle. Da gibt es kein bitte, wäre, könnte.“ Im Landkreis soll es bald mehr Geeignete geben, die die Lehrgänge bestehen. In Tutzing kann die Quote nicht besser werden: In den vergangenen fünf Jahren haben fünf Wasserretter den Bootsführer-Lehrgang gemacht – alle haben bestanden.

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