200 Tutzinger beißen auf Appetitmacher an

Tutzing - Fünf Bereiche zwischen Bahnhof und Seehof hatten die Ortsplaner als „Appetitmacher“ (Büscher) fürs Tutzinger Bürgerforum vorgegeben. Eta 200 Interessierte bissen an.

Im Roncallihaus wurde erstmals eine Art ortsgestaltende Bürgerbeteiligung probiert. Die Teilnehmer tauschten in offenen Gesprächsrunden Ideen aus.

Zu den Fragen rund um die Themenkomplexe Zentrum allgemein, Bahnhofsplatz/Bräuhausstraße, Hallbergerallee, Hauptstraße und Schlossstraße (also etwa der Bereich Seehof-Areal/Evangelische Akademie) war zur Veranschaulichung der aktuelle Planungsstand auf Stellwänden zu sehen. Das ging zwar ein wenig auf Kosten der Bestuhlung im Saal, aber das war durchaus gewollt. Man brachte damit buchstäblich Bewegung in die Überlegungen zur Ortsgestaltung. Und so wanderten die meisten Besucher hin und her beim Gedankenaustausch, ständig neue Gesprächsrunden bildend.

Bürgermeister Rudolf Krug hatte einleitend Kreisbaumeister Dr. Christian Kühnel zitiert. Dieser habe ihm gesagt, es „lohnt sich, für diesen Ort zu kämpfen“, also den Spagat zwischen Tradition und Moderne, Gewerbeansiedlung und Wohnen, den Bedürfnissen der Alten und der Jungen auch planerisch zu finden. Krug geradezu patriotisch: „Die Leute, die hierher gezogen sind, finden Tutzing ganz toll, weil hier was los ist.“

Der Ortsplaner der Gemeinde, Prof. Burgstaller, war da schon ein wenig vorsichtiger: „Man wird zuweilen von Bürgern auch darauf hingewiesen, wo Tutzing nicht so schön ist - es gibt also auch noch Luft nach oben, sehr viel zu hebendes Potenzial.“ Qualitätsvoller und lebenswerter soll der 9500-Einwohner-Ort werden, und auf diesem Wege will man „den Bürger mitnehmen“. Freiflächengestaltung, Städtebau, Verkehr, mögliche „zweite Baureihen“ - bei allem sei man „noch mal neu herangegangen“, sagte Burgstaller, auch um Denkblockaden zu beseitigen.

Die Bürger sollen dazu auch mit schriftlichen Anregungen beitragen, die am Freitag und noch bis zum 2. Februar im Rathaus gesammelt und anschließend ausgewertet werden. Burgstaller gab den Rat, dabei stets „das Ganze, also das Ortszentrum“ im Auge zu behalten. „Bei den aushängenden Plänen ist ja noch nichts in Stein gemeißelt“, sagte Krug, der als übergeordnetes Ziel eine Vereinheitlichung der Bebauungspläne anstrebt, um eine tragfähige Gesamtlinie für Tutzing zu entwickeln. Bei derzeit 61 Bebauungsplänen kein leichtes Unterfangen, will man doch sowohl einer erkennbaren Tendenz zur Massivbebauung entgegenwirken, also auch weniger Angriffsfläche für klagewütige Bauwerber bieten - ein Rat des Kreisbaumeisters.

„Wir haben bereits einige historische Gebäude wie den Post-Bau retten können“, gab sich Krug zuversichtlich: Man sei sich natürlich im Klaren, dass öffentliche und private Interessen stets abzuwägen seien. Dialog ist offenbar gefragt: Beim Bürgerforum waren diesmal bereits auffallend viele Architekten vertreten.

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