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Drei Kandidaten, 213 Schüler und ihre Lehrer: Bernd Pfitzner, Florian Schotter und Marlene Greinwald stellten sich den Fragen der Mittelschüler. Die interessierten sich für den Bus, das Schwimmbad, das Geld, die Bücherei und ein Jugendzentrum.

Bürgermeisterwahl Tutzing

Lektion in politischer Meinungsbildung

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Wen würden die Tutzinger Mittelschüler zum Bürgermeister wählen? Das bleibt ein schulinternes Geheimnis. Die drei Kandidaten stellten sich gestern den Fragen der Mittelschüler. Die interessierten sich für die Gemeindefinanzen, das Schwimmbad und den Einsatz von Bussen.

Tutzing – 213 Schüler aus zehn Klassen und drei Bürgermeisterkandidaten in einer Turnhalle, jeder lässt jeden ausreden, getuschelt wird kaum und alle sind mit Interesse bei der Sache: So sieht eine perfekte Stunde in Kommunalpolitik aus. Die Tutzinger Grund- und Mittelschule hatte gestern Marlene Greinwald (Freie Wähler), Bernd Pfitzner (Grüne) und Florian Schotter (CSU) zu Gast. Die drei Bewerber um das Amt des Bürgermeisters beantworteten die Fragen der Schüler und unterschieden sich nur selten in ihren Ansichten. Viert- bis Zehntklässler waren aufmerksam bei der Sache. Die angesetzten 90 Minuten waren zu kurz, um alle Fragen zu stellen.

Marlene Greinwald (56) gab gleich zu Beginn den Umgangston vor, der sich bitteschön deutlich von der aktuellen amerikanischen Politik unterscheiden möge: „Ihr habt sicher alle Trump im Fernsehen gesehen. Ich hoffe, dass wir Euch zeigen können, dass Demokratie auch anders sein kann.“ Es gab keine Anwürfe, jeder ließ jeden ausreden, die Schüler fragten deutlich, ruhig und höflich.

Etwa nach einem Jugendzentrum – und da waren die Kandidaten gleich mit dem zentralen Tutzinger Problem konfrontiert. Sie mussten den Schülern erklären, dass es am Geld hängt, das in Tutzing bekanntlich knapp ist. „Grundsätzlich würde ich eines errichten“, sagte Florian Schotter. „Aber ich kann nicht versprechen, wann.“ Marlene Greinwald als Dritte Bürgermeisterin berichtete, dass bereits Geld für die Planungen bereitstehe, aber nicht für das Gebäude selbst. „Es scheitert am Geld und am Platz. Wenn irgendjemand jemanden überzeugen kann, dass er uns ein Grundstück schenkt...“, regte sie an und stellte ihrerseits eine Frage: „Im Sommer ist man ohnehin am See – ist da ein Jugendzentrum besser?“ Alle drei versicherten, dass ein Jugendzentrum nur zusammen mit den Jugendlichen realisiert werden würde.

„Wieso ist die finanzielle Lage der Gemeinde so angespannt?“, fragte ein Schüler. Wegen der geringen Gewerbesteuer, antwortete Schotter: „Wir müssen etwas finden, um mehr Geld einzunehmen.“ Die Kindergärten und Schulen, etwa das eigene Gymnasium, seien teuer, ergänzte Greinwald. Pfitzner setzt beim Sparen auf Sanierung. „Wir heizen viel Geld zum Fenster hinaus.“

Ein anderer Schüler erkundigte sich, ob es bald wieder ein Schwimmbad gibt. Die Kandidaten sagten nicht sofort deutlich, aber doch unmissverständlich nein zu diesem Wunsch. „Das alte Schwimmbad zu sanieren, ist zu teuer“, sagte Greinwald. Sie schlug einen Deckel für das alte Becken vor, damit gäbe es einen zusätzlichen Bewegungsraum für die Schule. Schotter und Pfitzner setzen auf mobile Schwimmbäder, die wochenweise in Tutzing aufgestellt werden, wie es bereits auf dem Hartplatz der Fall war. Ein eigenes Schwimmbad für Tutzing, so die Botschaft aller drei auf dem Podium, ist zu teuer.

Mehr Platz in der Pause ist laut Greinwald mit dem Bewegungsraum im Schwimmbad zu erfüllen. Pfitzner will den TSV-Parkplatz der Schule zuschlagen. „Wenn es eine Chance für mehr Platz gibt, machen wir das“, versprach Schotter.

Einen Bus für alle Schüler, der sie zur Sportstunde in der Dreifachturnhalle bringt, lehnten die Kandidaten ebenfalls einmütig ab. Und warum Mittelschüler für den Bus von Unterzeismering selber zahlen müssen, Grundschüler aber nicht, konnte kein Kandidat erkären.

Anschließend wurde gewählt, doch das Ergebnis teilte die Schule nicht mit. Es sei um den politischen Meinungsprozess gegangen, nicht um ein Wahlergebnis, sagte Konrektorin Anne-Katrin Schallameier.

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