Lage ernster als erwartet: Brand an der Wiesn breitet sich aus

Lage ernster als erwartet: Brand an der Wiesn breitet sich aus
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Überparteilicher Handschlag: Cem Özdemir mit de r amtierenden Bürgermeisterin von Tutzing, Elisabeth Dörrenberg (CSU). Vorn links Katharina Schulze, Grünen-Chefin im Landtag und aus Herrsching.

Bundestagswahl 2017

Der schwäbische Dezibel-Gigant

Das Bierzelt gehört zumindest in Bayern zum natürlichen Lebensraum von Politikern, insbesondere der CSU. Wie schlägt sich ein anatolischer Schwabe dort, der mit Christian Lindner von der FDP per Du ist, aus dem einzigen grün regierten Bundesland stammt und Spitzenkandidat für die Bundestagswahl ist? Cem Özdemir hatte darauf am Samstag in Tutzing eine klare Antwort: gut.

Tutzing – Vor rund 500 Zuhörern, die beim Beifall mehrmals die 100-Dezibel-Grenze erreichten (was einer vorbeifahrenden U-Bahn entspricht), gelang es Özdemir galant, Tutzinger Tradition und grüne Politik zu verbinden: Er habe googeln müssen, als er „Fischerhochzeit“ hörte – erst habe er vermutet, Joschka Fischer wolle wieder heiraten. Mit solchen Nettigkeiten bringt man ein Bierzelt schnell hinter sich, in dem längst nicht nur Grüne saßen: Pfarrer Peter Brummer schaute vorbei und ließ seinen Dank für das Engagement der Grünen für Flüchtlinge ausrichten; Brummers Kollegin Ulrike Wilhelm war da, und die amtierende Bürgermeisterin Elisabeth Dörrenberg (CSU). Bernd Pfitzner, Tutzinger Grünen-Frontmann, dankte ihr ausdrücklich für die Organisation der Festwoche – bei allen Unterschieden zwischen CSU und Grünen sind eben doch alle Tutzinger.

Dass auch Cem Özdemir keine Scheu hat, politische Erzfeinde zu würdigen, kam nicht bei allen im Zelt so wirklich gut an: Der Spitzenkandidat zollte Helmut Kohl Hochachtung, dessen europäischer Staatsakt zeitgleich stattfand – da waren es eher 50 Dezibel, so still wie in einer Bibliothek. Er würde sich, machte Özdemir unbeirrt deutlich, von dessen Nachfolgern in der Union mehr unbedingten Willen zu Europa wünschen. Der Rest war Wahlkampf: Angela Merkel sei im Vergleich zu Horst Seehofer beinahe eine geradlinige Lichtgestalt, bringe beim Klimaschutz aber auch nichts vorwärts. „Dem Eis der Arktis ist es egal, ob es wegen amerikanischer Blödheit oder großkoalitionärer Trägheit schmilz.“ Von der Arbeit Seehofers hält er auch nicht viel: „Wenn Sie wollen, dass man über Bayern lacht, wählen Sie CSU.“ In einigen Punkten allerdings sind sich beide recht nahe. Auch Özdemir forderte eine starke Polizei. Bei der Freigabe von Cannabis allerdings dürfte Seehofer rot anlaufen. Besonders ins Visier nahm Özdemir Verkehrsministerin Alexander Dobrindt, den er lieber heute als morgen aus dem Amt Jagen würde.

Die Wahlkampfveranstaltung fand unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Taschen wurden auf Geheiß der ebenfalls stark präsenten Polizei von Sicherheitsleuten am Eingang kontrolliert – wer das nicht wollte, musste draußen bleiben. Özdemir selbst kam mit starkem Personenschutz und verspätet: wegen eines Unfalls stand er in Tutzing im Stau. 

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