Chefetage: Geschäftsführer Normen Nöth, Chefarzt Dr. Bernhard Janta und Gründer Prof. Markus Backmund auf der Dachterrasse der P3-Klinik.
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Chefetage: Geschäftsführer Normen Nöth, Chefarzt Dr. Bernhard Janta und Gründer Prof. Markus Backmund auf der Dachterrasse der P3-Klinik.

P3-Klinik

Corona-Depressionen: Tutzinger Klinik spürt psychische Folgen der Pandemie

Existenzängste, Stress und Co.: Die neue Klinik P3 in Tutzing spürt die psychischen Folgen der Pandemie. Die Belegschaft soll in den kommenden Jahren verdreifacht werden.

Tutzing – „Es gibt zwei belastende Faktoren“, sagt Prof. Markus Backmund: „Das Virus und die Angst vor ihm.“ Der Spezialist für Depression hat im Mai dieses Jahres in Tutzing auf dem früheren Gelände von Boehringer-Mannheim die private Klinik „P3“ zur Behandlung seelischer Erkrankungen gegründet. Seit Jahrzehnten hat Backmund Erfahrung auf diesem Gebiet. Und die Folgen von Corona geben ihm sichtlich zu denken, das lässt er im Gespräch mit dem Starnberger Merkur klar erkennen. Für Überraschung hat kürzlich die Meldung von Expansionsplänen der neuen Klinik schon kurz nach dem Start gesorgt. Zusätzlich zu den bisher 22 Zimmern soll ein Neubau daneben 67 weitere Zimmer beisteuern.

Ob es wirklich so großen Bedarf gibt? Daran zweifeln die Betreiber nicht. 45 Mitarbeiter beschäftigen sie bisher. „Wir werden die Belegschaft in den nächsten zwei bis zweieinhalb Jahren verdreifachen“, kündigt Geschäftsführer Normen Nöth an. Chefarzt Dr. Bernhard Janta macht sich auch keine Sorgen, fachkundige Mediziner zu finden: Er erkenne „keine Spur von Ärztemangel“. Corona verstärkt den Bedarf nach Backmunds Eindruck erheblich. Viele erfolgreiche Unternehmer beispielsweise lebten plötzlich mit Existenzbedrohung: „Das ist ein wahnsinniger Stress, dadurch werden die Menschen krank.“

Durch Beispiele wie das der Starköchin Sarah Wiener, die wegen Corona Insolvenz für mehrere Betriebe angemeldet hat, fühlt er sich bestätigt: „Lockdown und extreme Veränderungen für die Wirtschaft – das bedeutet einen Riesendruck.“ Es sei nicht nur das Virus, es seien die Auswirkungen auf die Gesellschaft, mahnt er: „Was macht das mit uns allen?“ Nachdenklich verweist er auf den in Frankreich gestorbenen Busfahrer, der attackiert worden war, weil er auf Maskenpflicht im Bus bestanden hatte: „Das wird kein Einzelfall bleiben.“

Fußballtrainer Felix Magath ist Mitgesellschafter

Wegen der Corona-Folgen melden sich immer mehr Betroffene, sagt Klinik-Geschäftsführer Nöth. Dass so mancher Prominente darunter ist, gilt als offenes Geheimnis. Psychische Erkrankungen erfolgreicher Menschen sind keine Seltenheit, das war schon lange vor Corona so. Der an der P3-Klinik beteiligte Fußballtrainer Felix Magath spricht offen über eine Depression in seiner Zeit beim Bundesligisten Schalke 04 (wir berichteten). Zum Personal der P3-Klinik gehört eine ehemalige Fernsehmoderatorin, die unter Bulimie litt: Gundis Zámbó, bekannt für Sendungen wie „Bim Bam Bino“ oder „Die Vorher-Nachher-Show“, mittlerweile Heilpraktikerin für Psychotherapie und Therapeutin in der Klinik. Bei P3 kommen auch schon Fälle von Depressionen aufgrund von Jobverlust wegen Corona an. Ein Betroffener war in einer Führungsposition, die er plötzlich verloren hat. Ein Vater von fünf Kindern kam daheim mit der Doppelbelastung von Familie und Homeoffice nicht mehr zurecht. Die Klinik sei nicht nur für Privatpatienten da, sagt Geschäftsführer Nöth: „Wir nehmen Kassenpatienten, wenn sie zum Beispiel private Zusatzversicherungen haben.“ Rein gesetzlich Versicherte müssten bei ihrer Versicherung einen Antrag stellen.

Im Dreiecksbau der Klinik herrscht trotz der oft angespannten Lage der Menschen eine ruhige Atmosphäre. Die Mitarbeiter sind ausgesprochen freundlich, Patienten unterhalten sich in der Lobby oder genießen den weiten Blick von der Dachterrasse aus. Backmund ist überzeugt: „Fast alle Patienten haben gute Chancen.“

Lorenz Goslich

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