Christine Nimbach ist nicht mehr Mitglied der Grünen-Fraktion in Tutzing.
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Christine Nimbach ist nicht mehr Mitglied der Grünen-Fraktion in Tutzing.

Scharfe Kritik an Verhalten

Nach Corona-Protest: Grünen-Fraktion wirft langjährige Gemeinderätin raus

Die Grünen-Fraktion im Tutzinger Gemeinderat hat sich von ihrem langjährigen Mitglied Christine Nimbach getrennt. Dabei spielte auch eine Protestaktion gegen die Corona-Regeln eine Rolle.

Tutzing – Die Grünen-Fraktion im Tutzinger Gemeinderat hat sich von ihrem langjährigen Mitglied Christine Nimbach getrennt. Bei einer Fraktionsbesprechung am Montag haben dies die Mitglieder Michael Ehgartner, Bernd Pfitzner und Flora Weichmann einstimmig beschlossen. Die Fraktion wirft Nimbach vor, sich wiederholt gegen grüne Grundsatzziele geäußert und sich so weit von grünen Positionen entfernt zu haben, dass eine weitere Zusammenarbeit mit ihr der Partei schade.

Corona-Protest: Grünen-Fraktion schließt Gemeinderätin aus

Das Zerwürfnis hat sich schon lange angedeutet. Den Ausschlag gegeben hat zuletzt Nimbachs Haltung zu Corona-Maßnahmen. Als Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat, gilt eine Protestaktion in Tutzing gegen das Testen von Kindern mit plakativ aufgestellten Kinderschuhen und Plüschtieren. Solche Aktionen, die schon bundesweit stattgefunden haben, werden als antisemitisch und geschmacklos kritisiert, weil Kinderschuhe als Symbol für den Massenmord an Kindern im Nationalsozialismus stehen.

Auch Bürgermeisterin Marlene Greinwald verurteilte solche Aktionen am Dienstagabend im Gemeinderat als Verharmlosung des Holocaust. Fraktionskollegen wollten von Nimbach eine Entschuldigung, sie aber sagt: „Ich distanziere mich nicht von dieser Aktion – es gibt noch Meinungsfreiheit in unserem Land.“ Es sei wichtig, kontrovers diskutieren zu können: „Sonst ist es eine grüne SED.“ Aufsehen erregt hat Nimbach im Gemeinderat und im Kreistag auch mit der Weigerung, eine FFP-Maske aufzusetzen – sie zog eine chirurgische Maske vor. Sie will sich auch nicht gegen das Coronavirus impften lassen. Ein Mitglied der Grünen habe ihr vorgehalten, das sei asozial, sagt sie.

Tutzing: Grüne trennen sich von langjähriger Gemeinderätin - nach Corona-Protest

In Tutzing ist Nimbach Gründungsmitglied der Grünen und vertrat sie lange allein im Gemeinderat, bis 2014 Bernd Pfitzner hinzukam. Johannes Schweinberger, ebenfalls Mitgründer, bestätigt „Reibereien“ mit Nimbach. Bei der Aufstellungsversammlung zur Kommunalwahl 2020 war die interne Stimmung gegen Nimbach bereits deutlich. Sie wollte auf Platz eins der Liste, musste sich aber mit Platz fünf zufriedengeben. Weil die Tutzinger Grünen die Zahl ihrer Mandate auf vier verdoppelten und die Wähler Nimbach nach vorne häufelten, schaffte sie es aber wieder in den Gemeinderat.

Doch inhaltlich wurden die unterschiedlichen Auffassungen immer deutlicher, von der Flüchtlingshilfe mit dem Bündnis „Städte Sichere Häfen“ bis zu Baufragen. Pfitzner spricht von grundsätzlichen Differenzen bei der Ortsgestaltung, Nimbach pocht auf „gute städtebauliche Entwicklung“. Mit nun nur noch drei Mandaten werden die Grünen wohl Ausschusssitze verlieren. Nimbach würde gern Mitglied der Ausschussgemeinschaft von ÖDP, SPD und Tutzinger Liste, womit diese auf mehr Ausschusssitze käme. Bei den Grünen austreten will sie vorerst nicht, schließt dies aber nicht aus. Da Nimbach auch Mitglied der Kreistagsfraktion der Grünen ist, wird sich diese in den nächsten zwei Wochen bei einer Sitzung mit dem weiteren Vorgehen beschäftigen. Auch dort hat man festgestellt, dass es deutliche Abweichungen zwischen Nimbachs Standpunkten und grünen Grundpositionen gibt. Lorenz Goslich

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