In nur 15 Minuten sollen Zimmer desinfiziert sein.
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In nur 15 Minuten sollen Zimmer desinfiziert sein.

neues High-Tech-Gerät

Dänisches „Personal“ für Krankenhaus Tutzing

Das Starnberger Klinikum hat schon einen dänischen Desinfektionsroboter, nun wird auch Tutzing damit ausgestattet. Das Gerät schafft in Patientenzimmern eine sterile Umgebung in 15 Minuten.

Tutzing – Acht bayerische Kliniken erhalten Desinfektionsroboter über ein Programm der Europäischen Kommission – darunter das Tutzinger Benedictus-Krankenhaus. Nach Angaben der EU können solche Roboter Standard-Patientenzimmer mit ultraviolettem Licht (UV-Licht) in 15 Minuten desinfizieren, eine sterile Umgebung herstellen, die Belegschaft besser vor Risiken schützen und beitragen, das Coronavirus einzudämmen. Reinigungspersonen müssten nicht mitwirken. Sie sollen sich, um den Prozess zu steuern, außerhalb des betreffenden Raums aufhalten, um sich nicht dem UV-Licht auszusetzen.

Auf Nachfrage des Starnberger Merkur beim Starnberger Klinikum berichtet dessen Sprecher Stefan Berger: „Wir haben so ein Gerät seit dem Frühjahr, und es wird regelmäßig benutzt, vornehmlich wegen Corona.“ Es wirke aber auch bei allen anderen Infektionskrankheiten. Je nach Größe des Raumes sei das Gerät etwa 15 bis 20 Minuten im Einsatz.

Bayerns Digitalministerin Judith Gerlach setzt in die neuen Geräte hohe Erwartungen: „Jetzt kommen die digitalen Virenkiller zum Einsatz.“ Zu den ersten Anwendern in Bayern gehören neben dem Tutzinger Krankenhaus das Krankenhaus Aichach, die St. Vinzenz Klinik Pfronten im Allgäu, das Universitätsklinikum Augsburg, das RoMed Klinikum Rosenheim, das Klinikum Nürnberg, das Rhön Klinikum Campus Bad Neustadt und das Klinikum München der Ludwig-Maximilians-Universität. Die in Tutzing ansässige Artemed-Klinikgruppe, zu der das Benedictus-Krankenhaus gehört, hatte sich bei einer öffentlichen Ausschreibung angemeldet. „Wir freuen uns sehr, als Pilothaus für den Desinfektionsroboter ausgewählt worden zu sein“, sagt Artemed-Sprecherin Leonie Ottmer. Zu weiteren Plänen mit diesem oder anderen Geräten kündigt Artemed bald weitere Informationen an. Zunächst werde das Krankenhaus die Mitarbeiter intern schulen, bevor der tatsächliche Einsatz starte.

Nach Angaben des Digitalministeriums werden nicht alle bayerischen Kliniken solche Roboter erhalten. Die EU-Kommission hatte 200 Desinfektionsroboter für Krankenhäuser in ganz Europa zur Verfügung gestellt und das Budget hierfür mit bis zu zwölf Millionen Euro beziffert. Nach Angaben des bayerischen Ministeriums haben sich nicht alle Kliniken beworben. Die Bewerbungen seien an die EU-Kommission gegangen. Die Auslieferung der Roboter hatte die Kommission im November 2020 „in den kommenden Wochen“ angekündigt. Auf die Frage, weshalb es in Bayern so lange gedauert hat, verweist ein Sprecher des Digitalministeriums auf die Bearbeitungszeiten bei der EU-Kommission, außerdem seien bei Schenkungen Aspekte von der rechtlichen Seite bis zur Haftung zu berücksichtigen.

Das Tutzinger Krankenhaus erwartet den ersten Roboter Ende September. Eingesetzt werden nach Angaben des Ministeriums Desinfektionsroboter „UVD Robots“ des dänischen Unternehmens „Blue Ocean Robotics“. Am Markt lassen sich auch andere Angebote dieser Art finden, so ein Desinfektionsroboter „Balto“, den Institute der Münchner Fraunhofer Gesellschaft in Italien und Stuttgart entwickelt haben. Den ersten in Deutschland entwickelten „UV-C-Desinfektionsroboter“ auf Basis eines japanischen Roboters hatte im Oktober 2020 das Dortmunder Unternehmen ICA Traffic vorgestellt. VON LORENZ GOSLICH

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