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Das erste Bier auf die Ökumene: Der neue Tutzinger Pfarrer und seine Ziele

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Großes Hallo für den neuen Pfarrer (v.l.): Pfarrgemeinderatsvorsitzende Waltraud Brod, Kirchenpflegerin Assunta von Mitschke-Collande, Pfarrgemeinderatsvorsitzende Rita Niedermaier, Pfarrer Peter Seidel, Pfarrerin Beate Frankenberger, Vizebürgermeisterin Elisabeth Dörrenberg und Schwester Ruth Schönenberger von den Missions-Benediktinerinnen Tutzing.
Großes Hallo für den neuen Pfarrer (v.l.): Pfarrgemeinderatsvorsitzende Waltraud Brod, Kirchenpflegerin Assunta von Mitschke-Collande, Pfarrgemeinderatsvorsitzende Rita Niedermaier, Pfarrer Peter Seidel, Pfarrerin Beate Frankenberger, Vizebürgermeisterin Elisabeth Dörrenberg und Schwester Ruth Schönenberger von den Missions-Benediktinerinnen Tutzing. © Dagmar Rutt

Mit großer Beteiligung vieler Menschen aus der Region und darüber hinaus ist Tutzings neuer katholischer Pfarrer Peter Seidel am Sonntag in sein Amt eingeführt worden. Dabei ging es zeitweise recht schwungvoll zu – und einmal hoch hinaus.

Tutzing – Ganz so wie auf der Wiesn war es nicht. Aber da Oktoberfestzeit ist, trat der neue katholische Tutzinger Pfarrer Peter Seidel am Sonntag beim Festabend anlässlich seiner Einführung an die Zapfanlage im Roncallihaus. Er schenkte das erste Bier ein, ging mit dem gefüllten Glas zur evangelischen Pfarrerin Beate Frankenberger und reichte es ihr: „Auf gute ökumenische Zusammenarbeit.“

Seidel war in Günzburg Stadtpfarrer, Frankenberger ist dort aufgewachsen. „Zweisprachig, katholisch, evangelisch“, erzählte sie. Samstags sei sie in die katholische Kirche gegangen, „weil man anschließend mit Freunden weggehen konnte“, sonntags sei sie in der evangelischen Kirche gewesen, „weil es da immer Wein gab“. Sie ist sich ganz sicher: Der ökumenische Geist werde auch in Tutzing weiter wachsen.

Gute Kontakte sind dem neuen Pfarrer wichtig. Das wurde auch beim Einführungsgottesdienst in der Kirche St. Joseph deutlich, an dem viel Lokalprominenz aus Tutzing und dem Landkreis teilnahm. Schwestern der Tutzinger Missions-Benediktinerinnen mit Priorin Ruth Schönenberger an der Spitze waren ebenso dabei wie Landrat Stefan Frey und die Landtagsabgeordnete Dr. Ute Eiling-Hütig, Tutzings Vizebürgermeisterin Elisabeth Dörrenberg, Gemeinderäte und Bernrieds Bürgermeister Dr. Georg Malterer. Auch viele Freunde und Verwandte, Kollegen und Pfarrer aus früheren Wirkungsorten von Seidel waren gekommen – von Augsburg über Günzburg bis Habach. So standen mehrere Priester mit ihm am Altar, als ihn Dekan Simon Rapp in sein Amt einführte – begleitet von Beifall.

Alles läuft gut - aber Dekan spielt den Partycrasher

Manche erwarteten von ihm vielleicht eine Art Regierungserklärung, sagte Seidel. Aber was zu tun sei, das sei vorgegeben durch ein Jesus-Wort aus der Lesung dieses Tages: „Der Geist des Herrn ruht auf mir, weil er mich berufen und bevollmächtigt hat – er hat mich gesandt, den Armen die frohe Botschaft zu bringen.“ Dieses Wort sei ihm wichtig geworden, betonte er. Reiche Menschen seien Arme mit viel Geld. Einer, der mit Seidel zusammengearbeitet hat, schwärmte später im Gespräch mit dem Starnberger Merkur: „Seine Wirkung auf die Menschen ist phänomenal.“

Beim Festabend, den ein Team der Pfarrei mit Waltraud Brot und Rita Niedermaier an der Spitze vorbereitet hatte, verwies Kirchenpflegerin Assunta von Mitschke-Collande darauf, dass die Pfarrgemeinde gut dastehe. Viele Ehrenamtliche arbeiteten mit, die Kirchen seien renoviert, es gebe wichtige Einrichtungen vom Roncallihaus über betreute Wohnanlagen und Tagespflegen bis zur Ambulanten Krankenpflege: „Trotzdem haben wir noch ein solides Finanzpolster.“

Darauf sagte Dekan Rapp: „Dann werde ich jetzt der Partycrasher.“ Auch in der fortschrittlichsten und flexibelsten Gemeinde gebe es Eingefahrenes, gab er zu bedenken. „Das hamma allwei scho so gmacht“, „das hamma noch nie so gmacht“: Bei solchen Bemerkungen gelte es nachzudenken. Gelegentlich sei es sinnvoll, „den Weihrauch wegzulassen“.

Schwungvolle Musik mit den „Blue Notes“, dem Kirchenchor und dem Kinderchor: Locker ging’s zu bei Seidels Einführungsabend. Auffallend waren Stücke aus der Messe in G von Christopher Tambling, die zu Kirchweih komplett aufgeführt werden soll. An der Orgel überzeugten Bernard Texier und Darius Drobisz. Nach dem Gottesdienst gab es einen Sektempfang im Brunnenhof, und dann hievte die Feuerwehr den neuen Pfarrer hoch empor – eine Tradition, in deren Genuss auch sein Vorgänger Peter Brummer bei seinem Abschied gekommen war. „Über den Wolken“, schallte es aus den Lautsprechern, „Verdammt ich lieb dich“ und „Ein Stern, der deinen Namen trägt“.

Lorenz Goslich

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