1. Startseite
  2. Lokales
  3. Starnberg
  4. Tutzing

Die Kirchenmusikerin zieht weiter

Erstellt:

Kommentare

Ins Goldene Buch der Gemeinde trug sich von Rechenberg (hier mit Bürgermeisterin Marlene Greinwald) 2018 ein.
Ins Goldene Buch der Gemeinde trug sich von Rechenberg (hier mit Bürgermeisterin Marlene Greinwald) 2018 ein. © Andrea Jaksch

Helene von Rechenberg, Kirchenmusikerin der katholischen Pfarrei St. Joseph seit 2009, verlässt Tutzing. Sie wird im April nächsten Jahres eine Stelle in Füssen antreten. Dort will sie sich als Musikerin weiterentwickeln. Aber auch die Bezahlung – und damit die Wertschätzung – spielen eine Rolle beim Wechsel.

Tutzing – „Ich kannte Tutzing als Endstation der S 6 und von früheren Ausflügen auf die Ilkahöhe“, erinnert sich Helene von Rechenberg. Die gebürtige Münchnerin war lange in Österreich tätig gewesen, bevor sie 2009 von einer Ausschreibung der katholischen Pfarrei St. Joseph für Kirchenmusik erfuhr. Unter anderem war sie Domorganistin in St. Pölten und Stiftsorganistin in Heiligenkreuz im Wienerwald gewesen. Für Tutzing entschied sie sich schließlich auch wegen der Sandtner-Orgel in St. Joseph, von deren Qualität sie schwärmt. Doch nun beendet von Rechenberg ihre Arbeit am Starnberger See. Am 1. April nächsten Jahres wechselt sie nach Füssen.

Die Musikerin sieht Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln – in einer Stadt, die sich aufgrund historischer Handelswege nach Italien zu einem Zentrum des europäischen Lauten- und Geigenbaus entwickelt hat, aber auch mit ihrer Dichte an historischen Orgeln und prunkvollen Sälen beeindruckt. Ihre Liebe zu den Bergen und vielfältiger sportlicher Betätigung kommt dazu. Nicht zuletzt hofft sie, in Füssen viele Touristen für Konzerte begeistern zu können.

Aber auch die Bezahlung spielt eine Rolle. Füssen bietet eine Kirchenmusikerstelle im vollen Beschäftigungsumfang und in höherer Einstufung. Es gehe ihr nicht ums Geld, betont sie, sondern um Anerkennung und Wertschätzung qualitativ hochwertiger Arbeit und Ausbildung, „was sich eben auch in der Bezahlung bemerkbar machen sollte“. Tutzings Pfarrer Peter Brummer bedauert die Entscheidung, sagt aber, er könne sie persönlich gut verstehen. „Leider können wir mit dem sehr verlockenden Angebot von Füssen nicht mithalten, das der hochqualifizierten Ausbildung von Frau von Rechenberg entspricht“, sagt er.

Die Entscheidungen fallen in der Diözese Augsburg. Die mäßige Bezahlung von Kirchenmusikern ist ein Thema, das immer wieder für Diskussionen sorgt. Umso mehr schätzen viele Tutzinger die weithin anerkannte Arbeit von Rechenbergs mit vielen Mitwirkenden, Instrumentalisten und Chören. Das betont auch Waltraud Brod, Vorsitzende des Pfarrgemeinderats. Von Rechenberg sei ein „Glücksfall für das Kulturleben der Gemeinde“, sagte Bürgermeisterin Marlene Greinwald, als sie die Musikerin vor drei Jahren mit dem Wilhelm-Hausenstein-Kulturpreis ehrte. Konzertreisen haben die Preisträgerin mehrerer internationaler Wettbewerbe bis nach China geführt, mehrere Aufnahmen hat sie veröffentlicht, auf der Webseite der Pfarrei sind Videos von ihr verlinkt.

Ihr besonderes Interesse gilt alter Musik mit historischen Instrumenten. Seit Jahren gibt von Rechenberg im Münchner Raum Barock-Kurse. In der Kirche und der Gemeinde setzte sie zahlreiche neue Akzente. Auftritte bei der „Tutzinger Kulturnacht“ gehören ebenso dazu wie die Konzertreihe „Tutzinger Orgelherbst“ oder der „Tutzinger Orgelspaziergang“. Mit großem Engagement leitet sie den 40-köpfigen Kirchenchor, Herzblut bringt sie in die Arbeit mit Kinderchören ein. 15 Konzerte jährlich gibt sie selbst, viele davon in Tutzing. Unvergessen sind von ihr initiierte große Aufführungen beispielsweise der Requiems von Johannes Brahms und Gabriel Fauré, des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach und der Marienvesper von Claudio Monteverdi, nicht zuletzt auch das Tabaluga-Musical vor zwei Jahren, für das sie mit dem Kinder- und Jugendchor die Musik einstudiert hatte.

Ihre Stelle ist seit ein paar Tagen neu ausgeschrieben. Pfarrer Brummer und die vielen Beteiligten freuen sich nun aber noch auf etliche Angebote bis zum Abschied ihrer Kirchenmusikerin Ende März: festliche Konzerte zur Advents- und Weihnachtszeit, eine Andacht mit Chor im Januar und eine Orchestermesse zum Patrozinium, das gleichzeitig ihr Abschlussgottesdienst sein wird. Der Pfarrer ist sich sicher: „Das nächste Halbjahr werden wir gemeinsam gut nutzen.“

Lorenz Goslich

Auch interessant

Kommentare