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Auf dem Scheitel der Erdkugel scheinen sich die Abenteuer-Ruderer in ihrem Boot (v.l. Rainer Ballwanz, York Hovest, Andreas Stollreiter) und die Teilnehmer der Bootsweihe aufzuhalten: Ruderverein-Vorstand Frank Klein, Andreas Borowicz, Pfarrer Peter Brummer (stehend v.l.), Jasper, Daniele und Leven Brown (knieend v.l.). Die Kameraoptik macht’s möglich.

Umweltprojekt

Ozean bezwingen für dessen Rettung

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„Nur noch kurz die Welt retten“ – so leicht wie Songschreiber Tim Bendzko werden es sich zwei Frankfurter und ein Münchener nicht machen. Mit einem Ruderboot wollen sie den Atlantik überqueren, um auf den dramatischen Zustand der Meere aufmerksam zu machen. Ihr Trainingslager haben sie am Starnberger See aufgeschlagen.

Tutzing– Für die Jahreszeit herrscht auf dem Gelände des Tutzinger Rudervereins neben dem dortigen Südbad ungewohnte Betriebsamkeit. Biertischgarnituren und Sonnenschirme sind in Ufernähe aufgebaut. Ein Tisch füllt sich im Minutentakt immer mehr mit Kuchen und Torten, mitgebracht von Vereinsmitgliedern und deren Gästen. Sie feiern die Weihe eines Bootes – ein für den Starnberger See ungewöhnliches Boot. Es handelt sich um ein Ruderboot, das für den Einsatz auf hoher See ausgelegt ist. Deshalb ist auch Pfarrer Peter Brummer an den See gekommen. Er spendet dem Boot und seiner Besatzung den kirchlichen Segen.

Südbad-Pächter Martin Hippius hat dem Ruderverein dieses Ereignis „eingebrockt“. Er ist befreundet mit York Hovest und dessen beiden Mitstreitern. Das Trio will im Spätherbst eine Atlantiküberquerung mit dem Ruderboot unternehmen und war auf der Suche nach einer Trainingsmöglichkeit. Hippius hatte sich an den Vorstand des Tutzinger Rudervereins gewandt und um Unterstützung für seine Freunde nachgefragt. Der damalige Vorsitzende Andreas Borowicz war von dem Projekt angetan und bot den Abenteurern für ihr Hochseeruderboot über den Sommer die Bootshalle des Vereins als Domizil an.

York Hovest (41) und seine Mitstreiter Rainer Ballwanz (60) und Andreas Stollreiter sind bereits geübt auf anspruchsvollen Touren, sie waren schon auf Expedition am Nordpol. Als Ruderer sind sie allerdings Neulinge. Und wollen sich gleich an ein Hochseeruderprojekt wagen. Das Boot, das sie dem Schotten Leven Brown abgekauft haben, hat die Ost-West-Überquerung des Atlantiks schon überstanden. Sein Erbauer hat die Tour bereits sechsmal absolviert. Jetzt ist das Boot nach gründlicher Überholung in Schottland im Eigentum des Trios.

Mit der Atlantiküberquerung wollen die Ruderer den Blick lenken auf Hovests Filmprojekt „Heroes of the sea – Helden der Meere“. Es geht um Menschen, die sich für den Schutz der Meere und Ozeane einsetzen. Sie zu unterstützen und an der Lösung der Probleme mitzuwirken, sollte Antrieb für die Menschheit sein. Denn der Gesundheitszustand der Ozeane sei in einem dramatischen Zustand, sagt Hovest. An der Gesundung der Meere mitzuwirken bedeute, die Zukunft der Erde zu sichern.

Die Probleme der Meere seien quasi ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit – es gehe um die Vermüllung der Gewässer, vor allem mit Plastikabfall, um den Klimawandel, es gehe aber auch um die illegale Fischerei und Überfischung der Meere, gegen die Hovest und seine Freunde ankämpfen. „Mit unserer Atlantiküberquerung wollen wir den Impuls geben, nicht mehr länger nur zuzuschauen, sondern selbst aktiv zu werden und endlich zu handeln. Jeder Einzelne zählt“, sagt Hovest.

Die Überquerung soll am 1. Dezember auf Gran Canaria starten. Ziel ist die Karibikinsel Barbados. Warum startet das Projekt im Winter? „Wir rudern auf der äquatorialen Linie, und in unseren Wintermonaten ist dort hurrikanfreie Zeit. Das ist uns sehr wichtig. Der Atlantik ist dann relativ ruhig“, erläutert der Frankfurter.

Das Hochseeruderboot – zehn Meter lang und zwei Meter breit – ist aber für alle Eventualitäten ausgelegt. Die Kunststoffkonstruktion ist unsinkbar. An Bug und Heck des Bootes befinden sich Kajüten, die sich von innen wasserdicht verschließen lassen. Sollte der Wellengang ein Rudern unmöglich machen, wird sich die Besatzung in den Kajüten einschließen. Die See kann mit dem Boot dann anstellen, was sie will, es wird sich immer wieder aufrichten, weiß Hovest.

Gerudert wird rund um die Uhr – „in Zwei-Stunden-Schichten, zwei Stunden rudern, zwei Stunden schlafen“, erklärt der Chef des Unternehmens. In 50 Tagen will die Crew Barbados erreicht haben. Dafür ist der Lebensmittelvorrat ausgelegt. In den Bootsrumpf eingelassen sind Röhren mit 150 Tagesrationen, für jeden Ruderer 50 Tüten. Sie enthalten Nahrungspulver, das mit Wasser aufgerührt wird, zudem Trockenfrüchte und Nüsse – alles in allem hat der Inhalt jeder Tüte einen Nährwert von 6000 Kilokalorien. „So viel hat niemand von uns jemals täglich zu sich genommen“, sagt Hovest, „aber der Energieverbrauch durch das permanente Rudern wird enorm sein.“

Um ihre Körper, vor allem die Haut, für die Strapazen zu wappnen, wollen Hovest und seine Begleiter die Hände mit Talk und Babypuder trocken halten. Um Reibung für die Haut zu vermeiden, werden die drei tagsüber unbekleidet rudern und nachts spezielle Kleidung tragen.

Die Überquerung werden die Abenteurer selbst filmisch dokumentieren. So gehört zu ihrer Ausrüstung auch eine Drohne. Die Film- und Fotodokumente sollen in Hovests Buch- und Filmprojekt zur Rettung der Ozeane einfließen.

Bis zum Start will sich die Ruder-Crew auf dem Starnberger See auf das Abenteuer vorbereiten. „Wir wollen versuchen, alle drei Wochen für zwei bis drei Tage nach Tutzing zu kommen.“ Wer sich interessiert, wie es den drei Ruderern bei ihrer Atlantiküberquerung ergeht, kann das Abenteuer im Internet auf www.heroesatthesea.com live verfolgen.

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