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Regen schreckt die Fischerstochter nicht: Veronika Bierbichler (gespielt von Theresa Feldhütter) kam wie immer stilecht im Ruderboot von Ambach her in ihre neue Heimat Tutzing.

Die Chronologie der Fischerhochzeit

Ehe für alle

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  • Sebastian Tauchnitz
    Sebastian Tauchnitz
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Die Bierbichler Veronika ist wieder einmal erfolgreich unter die Haube gebracht worden – und alle waren dabei. Wenn in Tutzing die Fischerhochzeit gefeiert wird, herrscht tagelang der Ausnahmezustand.

Tutzing – Eineinhalb Tage lang wird die Fischerhochzeit gefeiert. So lief die Feier im 1275. Jahr der Gemeinde Tutzing ab:

Polterabend

Ein Samstagabend wie aus dem Bilderbuch. Kein Spur vom Wolkenbruch, statt dessen laue 22 Grad und eine sanfte Brise vom See her. Ideale Voraussetzungen für einen gelungenen Fischerhochzeits-Polterabend. Der kann heuer zum Glück wieder am Guggerhof stattfinden. Die Hauptstraße ist schon seit Stunden gesperrt. Kein Durchkommen für Autos. Und auch kaum noch ein Durchkommen für Fußgänger. Der Andrang ist riesig, während der Altknecht, gespielt von Christian Wolfert, die Vorgeschichte der Fischerhochzeit erzählt. Moderator Wilfried Hauer hat derweil gut zu tun, um dafür zu sorgen, dass die Kutschen und Gespanne doch noch irgendwie zum Guggerhof durchkommen.

Endlich ist sie da – Riesenbeifall für die Braut Veronika Bierbichler, gespielt von Theresa Feldhütter, als sie in der Kutsche vorfährt. Direkt dahinter der Kuchlwagen mit der Aussteuer und einem ganzen Ochsen. Erstmals ist das Fischerhochzeitspaar 2017 vereint, hält Michael Gröber, gespielt von Benedikt Greif, seine Braut im Arm.

Die Stimmung ist ausgelassen – und sie wird noch besser. Die Traubinger Blasmusik sorgt für Stimmung, auf der Hauptstraße wird eifrig getanzt. Entspannt feiern die Tutzinger und ihre Gäste, bis Punkt 23 Uhr der Nachtwächter kommt und alle nach Hause schickt: Schlafen und Kraft tanken für die eigentliche Fischerhochzeit am Sonntag.

Brautempfang

Denn die Nacht ist kurz: Um 6 Uhr zerreißt der Salut der Böllerschützen die Stille der kurzen Nacht. Raus aus den Federn, rein in die Tracht. Gegen 8 Uhr treffen die Besucher der Fischerhochzeit nach und nach am Guggerhof ein. Es gießt aus Strömen, ein kalter Wind pfeift durch die Hauptstraße. Die Stimmung ist trotzdem super: „Je mehr Verwandte kommen, desto besser wird das Wetter“, witzelt Moderator Wilfried Hauser. Als sich schließlich der Graf samt seiner Familie in der herrschaftlichen Kutsche die Ehre gibt, setzt sich der Zug in Bewegung. Zum Ufer des Sees führt ihn der Weg. Die Braut ist unterwegs.

Hunderte Besucher warten bereits am Dampfersteg, die Regenschirme sorgen für zahlreiche Farbtupfer an diesem sonst sehr trüben Tag. „Da kommt sie,“ ruft ein kleines Mädchen. Sie hat ganz offensichtlich scharfe Augen. Durch den grauen Dunst, der über dem See schwebt, zeichnen sich die Schemen der liebevoll geschmückten Boote ab. Blasmusik weht über das Wasser. Und auf einmal ist sie da, die Bierbichler Veronika. Wenn schon die Sonne nicht lacht, ihr Bräutigam strahlt, als er ihr aus dem Boot hilft. Nach und nach kommen die Verwandten am Steg an. Der Hochzeitszug mit dem Brautpaar ist komplett. Ab geht es zum Gottesdienst in der St. Josephskirche.

Gottesdienst

In der katholischen Kirche St. Joseph findet die übliche Sonntagsmesse statt. Davon spricht Pfarrer Peter Brummer zunächst, doch natürlich stehen die Macht der Liebe und die Fischerhochzeit im Mittelpunkt der Messe. Die Kirche ist knallvoll, bis auf die Treppe hinaus stehen die Menschen, um die Predigt der evangelischen Pfarrerin Ulrike Wilhelm zu hören. Die hat eine unterhaltsame, ergreifende Predigt auf Bairisch und in Reimen vorbereitet, für die sie viel Beifall erhält. „De Liab is stark, sie hod a Kraft wia nix im Lebn, der Herrgott gibt dazua sein väterlichen Segn“, sagt sie zu den Brautleuten. Und: „Obst du nix glaubst, lutherisch, katholisch oder streng, Hauptsach, du machst dei Herz weit auf und siehgst des Lebn net eng.“

Hochzeitszeremonie

Die ganze Gesellschaft macht sich auf zum Tutzinger Schloss, wo die Trauungszeremonie im Garten stattfindet. Hunderte Zuschauer säumen den Rasen vor der Terrasse mit der Hochzeitsgesellschaft. Der Hofmarksrichter verheiratet das Paar. Der Direktor der Evangelischen Akademie, Udo Hahn, hat diesen Part. Als Pfarrer kennt er sich aus mit Trauungen und deklamiert gekonnt den etwas sperrigen Text aus dem Historienspiel von Josefranz Drummer. „Heute würde man das geschmeidiger formulieren“, sagt er später am Rande der Fischerhochzeit.

Die eigentliche Trauung ist vergleichsweise kurz, viel mehr Raum nehmen die Tanzdarbietungen der Jungfrauen und -männer in Biedermeierkostümen und der Tutzinger Gilde ein. Auch das Sauschwanzlrennen findet dort statt. Die Buben Tobi, Leopold, Yannick und Loris dürfen barfuß in Lederhose und weißem Hemd über die Wiese flitzen. Tobi ist der Schnellste und gewinnt das Tuch, Leopold darf das Sauschwanzl heimtragen.

Zum Auftritt kommt auch der Chor aus Mitgliedern des Kirchenchores und des MGV Liederkranz und das Orchester des Gymnasiums. Für den Liederkranz ist es der letzte Auftritt – nächste Woche wird der Verein aufgelöst. Der Abgesang ist ausgerechnet das Lied „Aber heid, aber heid, is a Tag, der mi gfreit“.

Festmahl

Zum Festzelt, wo das Hochzeitsessen stattfindet, dürfen Braut und Bräutigam nun gemeinsam in der Kutsche fahren. Vorher fuhr die Braut stets in Begleitung der Ehrmutter (Brigitte Sturm). Im Zelt gibt es Hochzeitssuppe mit dreierlei Einlage und Schweinsbraten – und erstmals sind viele Menschen dabei. Neben den rund 200 Mitgliedern der Hochzeitsgesellschaft werden rund 700 weitere Gäste verköstigt. Sie werden natürlich auch unterhalten: mit Blasmusik, Gesang des Kinderchors, Tanz. Als die Tante der Braut (Birgit Habdank) erzählt, wie sich Vroni verliebt und dann gelitten hat, als ihr Michi nicht mehr aus dem Krieg Napoleons gegen Russland kam, ist es ganz still im Zelt. Ihr Vortrag ist der ergreifendste und historisch wichtigste im Stück – die Tante macht klar, wie der Franzosenkaiser die Bayern leiden ließ.

Festzug und Finale

Der große Festzug zieht als Ausdruck der Freude über die Hochzeit des Fischerpaares durch den Ort. Das Wetter klart auf, so dass das Brautpaar in der offenen Kutsche fahren kann. Dabei sind Trachtler und Musiker aus der ganzen Region, von München bis Huglfing. Danach wird weiter gefeiert – und dem Bräutigam kommt seine Braut abhanden, wie es bei einer Bauernhochzeit üblich ist. Michi sucht nach seiner Vroni – doch jedesmal, wenn er ganz nah dran ist. Wenig später hält er sie wieder im Arm und lässt sie nicht mehr los bis zum Abdanken.

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