Im Kloster Tutzing legt am Sonntag die 33-jährige Schwester Nadya Ruzhina ihre Ewige Profess ab.
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Im Kloster Tutzing legt am Sonntag die 33-jährige Schwester Nadya Ruzhina ihre Ewige Profess ab.

Ewige Profess in Tutzing

Ein Leben für Gott

  • VonSandra Sedlmaier
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Dieser Sonntag wird ein ganz besonderer Sonntag für die Tutzinger Missions-Benediktinerinnen. Und das nicht nur, weil es der Festtag des Heiligen Benedikt von Nursia ist. Schwester Nadya Ruzhina legt an diesem Sonntag ihre Ewige Profess ab. Die 33-Jährige will sich für ihr Leben an die Kongregation der Missions-Benediktinerinnen binden.

Tutzing – Was bewegt einen jungen Menschen, ins Kloster zu gehen? Schwester Nadya Ruzhina OSB beschreitet diesen Weg seit ihrer Teenagerzeit. „Ich habe schon als junges Mädchen gespürt, dass ich mein Leben mit Gott verbringen will“, sagt die 33-jährige gebürtige Bulgarin. Andere Frauen in ihrem Alter haben eine Familie, doch für sie war ihr Weg immer klar. „Meine Sehnsucht war es, eine Ordensschwester zu werden, deshalb mache ich mir darüber gar keine Gedanken.“ Dieser Sehnsucht ist die junge Frau konsequent gefolgt – bis hin zur Feier an diesem Sonntag im Tutzinger Kloster, bei der sie sich für ihr Leben an die Kongregation der Missions-Benediktinerinnen binden will.

Wie besonders dieser Termin ist, verdeutlicht allein schon die Tatsache, dass die letzte Feier dieser Art im Jahr 2013 war. Zudem ist Bulgarien eine Diaspora. 60 Prozent der Bulgaren sind orthodox, wie Schwester Nadya berichtet, 27 Prozent sind religionsunspezifisch. „Der Anteil der Katholiken beträgt weniger als ein Prozent“, erzählt sie. Doch in ihrer Heimatstadt Rakovski – Papst Franziskus besuchte die Stadt 2019 – seien 90 Prozent Katholiken.

„Für mich waren Glaube und Gemeinschaft prägende Werte, die ich in dieser kleinen Diaspora-Kirche kennenlernen und wertschätzen durfte“, sagt die Ordensschwester. „Dank meiner Heimatkirche habe ich die Basis für ein Glaubensleben mit Gott und für Gott, mit den Menschen und für die Menschen erhalten. Kein Wunder, dass ich mich dann für ein Ordensleben entschieden habe und in die Gemeinschaft der Missions-Benediktinerinnen eingetreten bin.“

Weil es in Bulgarien kein Formationshaus der Missions-Benediktinerinnen gibt, kam Schwester Nadya im Jahr 2008 nach Tutzing. Dort durchlebte sie die Vorbereitung auf das Leben als Ordensschwester, das Postulat, das Noviziat und die Zeitliche Bindung – und nun steht sie vor der Ewigen Profess. Sie studierte Soziale Arbeit in Benediktbeuern und arbeitete für verschiedene Hilfswerke, zuletzt für Renovabis, das Hilfswerk der katholischen Kirche für Osteuropa. Auch in Bulgarien war sie tätig: „In meiner Junioratszeit war ich auch zwei Jahre in unserem Konvent in Bulgarien eingesetzt, wo ich die Gemeinschaft nach meinen Möglichkeiten unterstützt habe. Ein Teil meiner Aufgaben war die Kinder- und Jugendarbeit.“

Zweifel plagen sie kaum. „Wenn ich Zweifel habe in meinem Lebens- oder Glaubensweg, hilft es mir, mir klar zu werden, was ich gerade brauche und worum es eigentlich geht.“ Zudem bleibe sie im Gespräch mit Gott. „Das ist für mich ebenso hilfreich wie der Austausch mit Vertrauenspersonen, mit Mitschwestern oder Freunden.“ Zweifel gehören für Schwester Nadya zum Leben dazu: „Ein Mensch zu sein, ist kein abgeschlossenes Projekt, sondern es ist immer ein Mensch werden. Sich selbst anzunehmen mit allen Bedürfnissen und Grenzen, die man hat, gehört dazu.“

Nach der Feier am Sonntag kehrt die junge Frau für einige Jahre nach Bulgarien in die Gemeinschaft in Zarevbrod zurück. „Ich bin froh und dankbar, dass mir die Gemeinschaft diese Aufgabe anvertraut und zumutet“, sagt sie. „Die Gemeinschaft besteht derzeit aus einer kleinen internationalen Gemeinschaft. Die fünf Schwestern, die gerade dort leben, kommen von den Philippinen, aus Korea und Kenia.“ Schwester Nadya hat durchaus Respekt vor der Aufgabe, die auf sie zukommt. „Eine interkulturelle Gemeinschaft ist zwar etwas Schönes, allerdings auch etwas sehr Forderndes“, sagt sie. „Ich vertraue aber darauf, dass Gott mit uns ist und uns seine Wege zeigen wird, wie wir miteinander im 21. Jahrhundert für die Menschen da sein können.“

Die Krisen in der katholischen Kirche sind bei den Missions-Benediktinerinnen durchaus ein Thema, und auch Schwester Nadya beschäftigt sich damit. „Für mich sind die Krisen in der Kirche eine Möglichkeit zu sehen, wo wir gerade stehen und wo wir als Kirche hin wollen“, sagt sie. Das könne sicher nicht heißen, anderen Menschen zu schaden. „Es ist mir nie in den Sinn gekommen, nicht mehr Teil der Kirche sein zu wollen. Nicht weil die Kirche so toll ist, sondern weil sie die Kirche Christi ist.“ Zu helfen sei der Kirche am besten, wenn jeder bei sich selbst anfange.

„Wenn eine Kongregation wie unsere anfängt, die eigenen Strukturen und die eigene Geschichte kritisch zu hinterfragen und präventiv Konzepte schafft, die Machtmissbrauch vorbeugen, ist das ein gutes Beispiel, dem man in jeder Pfarrei, in jedem katholischen Verband oder in jeder Diözese folgen könnte.“

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