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Der Meister des Museums gibt den Schlüssel ab: Gernot Abendt (76) wurde bei der Vernissage der Ausstellung „Große Namen – Kleine Straßen“ nicht nur von Bürgermeisterin Marlene Greinwald (r.) verabschiedet, sondern auch von Altbürgermeister Peter Lederer (2.v.l.) – einst Ideengeber fürs Museum – und der designierten Kulturreferentin Elisabeth Dörrenberg. In der Vitrine sind übrigens Bilder früherer Bürgermeister zu sehen. 

Vernissage mir Abschied

Ein Mann für Tutzings Geschichte: Museumsbeauftragter verabschiedet sich nach zehn Jahren

Eine neue Ausstellung im Ortsmuseum erklärt Tutzinger Straßennamen. Bei der Vernissage verabschiedete die Gemeinde den Museumsbeauftragten Gernot Abendt.

Tutzing – Das erste Musikstück passte perfekt. „On the sunny side of the street” spielte das „Museumstrio” am Tutzinger Thomaplatz, als am Donnerstagabend vor dem Ortsmuseum die Vernissage zur neuen Ausstellung über Tutzinger Straßennamen stattfand. Weiß-blauer Himmel, leise plätschernde Wellen am See, schaukelnde Segelboote: Da veränderte Bürgermeisterin Marlene Greinwald gleich ihre vorbereitete Rede. Nach coronabedingter kultureller Abstinenz könne man „in bescheidenem Rahmen“ erste Wiederbelebungsschritte wagen, stand da. „Bescheiden ist es ja nicht“, korrigierte sie, „sondern wunderschön.“

Später als geplant startet die Ausstellung „Große Namen – Kleine Straßen“, die die Tutzinger Antiquare Dr. Barbara van Benthem und Eberhard Köstler gestaltet haben. Die Schau, zu der die Gemeinde eine Broschüre veröffentlicht hat, erzählt bemerkenswerte Details. Etwa von erotischen Dichtungen des Pelzfabrikanten Oskar Schüler. Oder vom Kirchenmusiker Jakob Thoma (Thomaplatz) und seiner Tochter Therese, die in der Heinrich-Vogl-Straße fehlt, obwohl sie als Sängerin ihrem Mann Heinrich „mindestens ebenbürtig“ gewesen sei. In Tutzing haben ohnehin nur drei Straßen ihre Namen von Frauen. Eine von ihnen ist der Von-Hillern-Weg, benannt nach Wilhelmine von Hillern, Autorin der „Geier-Wally“.

25 Sonderausstellungen organisiert

Die Vernissage war auch eine Feier für Gernot Abendt. Mit „herausragendem Engagement“ habe der heute 76 Jahre alte frühere Vizebürgermeister (2008 bis 2014) ein Jahrzehnt lang als Museumsbeauftragter fungiert und über viele persönliche Kontakte für 25 Sonderausstellungen gesorgt, sagte Tutzings künftige Kulturreferentin Elisabeth Dörrenberg. Das Museum sei ein eindrucksvolles Tutzinger Gemeinschaftswerk. „Ohne die vielen Helfer wäre das nicht möglich“, sagte Marlene Greinwald. Das gilt für ein Team, das unentgeltlich die Öffnungszeiten ermöglicht, wie für Gemeindearchivarin Roswitha Duensing oder Betreuerin Lisa Gollwitzer im Rathaus, den ortsgeschichtlichen Arbeitskreis unter Leitung von Manfred Grimm oder den Grafiker Helmut E. Grund.

Letzter Wunsch in alter Funktion: Aufarbeitung der NS-Zeit in Tutzing

Bestens unterstützt fühlt sich Abendt von seiner Frau Ingeborg – bis hin zu nächtlichen Fahrten, wenn aus unerfindlichen Gründen die Museums-Alarmanlage ertönte. Besonders dankte er vielen Tutzingern, die „kostbare Exponate“ beigesteuert haben. Auch das Ehepaar Benthem-Köstler hat bei der neuen Schau von kundigen Bürgern profitiert. Beispielhaft erwähnte Köstler Elke Schmitz. Die ortshistorisch kenntnisreiche Chefredakteurin des ehrenamtlich erstellten Monatsmagazins „Tutzinger Nachrichten“ hat viele Artikel über Straßen veröffentlicht: „Bei ihr haben wir hemmungslos abgeschrieben.“

Einen konkreten Wunsch hatte Abendt noch: die Aufarbeitung der Nazi-Zeit in Tutzing. Die Arbeiten zweier Historiker für Pöcking seien vorbildlich. Gemeinsam mit Köstler habe er dies vor 15 Jahren versucht, doch dann abgebrochen, weil er keinen Archivzugang erhalten habe.

Dann griff der Antiquar wieder zum Saxofon: Mit dem Gitarristen Bernd Hess und dem Bassisten Karten Gnettner bildete er das „Museumstrio“. Da fehlte nicht mal „Ich wäre gern wie Du“ aus dem „Dschungelbuch“. Und einen Titel für eine mögliche Veranstaltungsserie im Museum wusste Köstler auch schon: „Abendtveranstaltungen.“

„Große Namen – Kleine Straßen“ im Ortsmuseum Tutzing ist bis 21. Januar 2021 zu sehen. Das Museum öffnet voraussichtlich wieder ab Freitag, 3. Juli, für Besucher, es dürfen aber immer nur wenige gleichzeitig hinein. Infos: www.ortsmuseum-tutzing.de.

Lorenz Goslich

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