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Den Nachruf auf Thomas Mann brachte der Münchner Merkur 1955 auf seiner ersten Seite. Die ist ebenfalls Bestandteil der Ausstellung, die Gernot Abendt für das Ortsmuseum Tutzing zusammengestellt hat. 

Ortsmuseum Tutzing

Thomas Mann und die Starnberger Sphäre

Eine Sonderausstellung zum Thema „Thomas Mann am Starnberger See“ ist im Ortsmuseum Tutzing vom 16. März bis 25. August  zu sehen.

Tutzing – Als Siebenjähriger war Gernot Abendt in einem Lungensanatorium. „Ich kriegte den ‚Zauberberg‘ in die Finger“, erinnert er sich, „und konnte ihn nicht mehr weglegen.“ Woher wusste der Dichter Thomas Mann, wie es einem da geht? Es war der Beginn einer Begeisterung fürs Leben. Abendt, von Beruf Soldat und über Jahrzehnte für die SPD in Tutzing kommunalpolitisch engagiert, hat sich zu einem leidenschaftlichen Sammler entwickelt. Thomas Mann (1875-1955) ist einer seiner Schwerpunkte. Ihm widmet er vom kommenden Wochenende an eine Ausstellung im Tutzinger Ortsmuseum, die es in dieser ganz auf die hiesige Region zugeschnittenen Form noch nie gegeben hat: „Thomas Mann am Starnberger See“.

Zu den Erfahrungen als Kind kam viele Jahre später ein weiteres Erlebnis. 1994 war Abendt als Oberstleutnant fürs Gelände der Feldafinger Fernmeldeschule verantwortlich und bekam von einem Mitarbeiter eine Information, die ihn hellhörig machte: Ein Gebäude auf dem Bundeswehrareal war das Gebäude, in dem Thomas Mann lange gelebt hatte – das Villino. Der Leiter der damals dort untergebrachten Bauverwaltung wollte das Haus eher in die Luft sprengen, als es zu verlassen, erinnert sich Abendt schmunzelnd. Aber der damalige Kommandeur entschied für die Erinnerung an den Dichter. Da eine Armee üblicherweise nicht ein Literaturmuseum betreibt, machte sie das Gebäude 1999 zu einem „Haus des Widerstands“, passend zur Pöckinger Kaserne, die nach dem Widerstandskämpfer Fritz Erich Fellgiebel benannt war.

Ins Villino war Thomas Mann über seinen Freund Georg Martin Richter gekommen – und auch alle Bücher aus dessen Phantasus-Verlag präsentiert Abendt in der Ausstellung. Im Villino hatte Thomas Mann 1920 auch erstmals das für die damalige Zeit schier unfassbare Erlebnis des Grammophons, dem er im „Zauberberg“ ein dichterisches Denkmal setzte („Die Fülle des Wohllauts“).

Mit vielen von der Antiquarin Barbara van Benthem zusammengestellten Details veranschaulicht die Ausstellung das alles ebenso wie Thomas Manns Zuneigung zur hiesigen Gegend. Da schwärmt er von einer Segelfahrt nach Seeshaupt, von Spaziergängen in der Tutzinger Waldschmidt-Schlucht und von einer Überfahrt auf die Roseninsel. Seine Tochter Erika Mann hat im Feldafinger Hotel Kaiserin Elisabeth 1926 ihre Hochzeit mit dem Schauspieler Gustaf Gründgens gefeiert. „Die Starnberger Sphäre zieht mich eben doch am meisten“, schrieb er 1922 an den Schriftsteller Ernst Bertram. Auch eine Originalausgabe des damaligen „Münchner Merkur, Ausgabe Starnberg“ mit der Nachricht vom Tod Thomas Manns im August 1955 fehlt im Ortsmuseum nicht.

Die meisten Exponate der Ausstellung stammen aus der Sammlung von Abendt, der im Lauf der Jahre wahre Schätze zusammengetragen hat, darunter eine Vielfalt alter Ansichtskarten aus Tutzing und Umgebung. Auch beim Villino ist Abendt dabei, wenn unter dessen neuem Eigentümer Artemed – wenn auch in verkleinertem Maße – die Erinnerung an Thomas Mann wachgehalten wird.

Von Lorenz Goslich

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