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Bieten sich als Nachfolger für den Edeka-Markt an: Hulya, Erdal, Halil und Sercan Babacan (v.l.), die das Tutzinger Früchtehaus nebenan betreiben. Die Familie sucht aber einen Partner zur Finanzierung. 

Markt im Ortszentrum

Eine Institution verschwindet: Edeka-Nachfolge in Tutzing nur mit neuem Namen

Eine Tutzinger Institution verschwindet. Der Edeka schließt. Ein Gemüsehändler würde den Markt weiterbetreiben. Das Unternehmen gibt die Lizenz aber nicht heraus.

Tutzing – Erdal Babacan hatte schon konkrete Ideen. Der Betreiber vom „Tutzinger Früchtehaus“ wollte den Edeka-Markt im Ortszentrum fortführen, der am Samstag seinen letzten Verkaufstag hat. Babacan hat eine Bewerbung geschrieben, bestätigt er gegenüber dem Starnberger Merkur. Gern hätte er den Markt vom 1. Juli an betrieben. Doch das hat nicht geklappt. Eine Weiterführung unter dem Namen Edeka wollte das Unternehmen nicht, sagt er.

Einer anderen Nachfolgelösung stünde Edeka dagegen offen gegenüber, versichert Unternehmenssprecher Christian Strauß auf Nachfrage. Doch ohne den Lizenzgeber Edeka ist es dem 49 Jahre alten Babacan zu riskant. Dabei hatte er schon ein Konzept entworfen. Seine Familie hätte sich mit engagiert. Das Früchtehaus im Geschäft „Vinzenz Murr“, mit dem er sich seit 2006 einen guten Ruf erarbeitet hat, wollte er trotzdem beibehalten.

Edeka will Mietvertrag bis 2022 erfüllen

Seinen bis November 2022 laufenden Mietvertrag will Edeka Südbayern erfüllen, wie Sprecher Strauß bekräftigt. So ist nicht die Tutzinger Familie Müller als Eigentümerin der Immobilie, sondern Edeka Ansprechpartner. Strauß bestätigt, dass es Interessenten gegeben habe – bisher jedoch ohne Erfolg. Die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen „auch in Verbindung mit der bevorstehenden Großbaustelle“ stünden einem weiteren Betrieb entgegen. Gemeint ist die Sanierung der Hauptstraße.

Vermieterin Bettina Müller, deren Familie nebenan ein Werkzeug- und Haushaltswarengeschäft betreibt, hatte von der Schließung zunächst gerüchteweise erfahren. Wie es weitergeht? „Das Gebäude bleibt wohl bis zum Ende des Mietvertrags leer“, sagt sie bedauernd.

Der Zusammenfall mehrerer schwieriger Einflüsse – Corona, Marktschließung, bald Straßensanierung – führt in Tutzings Geschäftswelt zu Gesprächsstoff und Sorgen. „Sicher fällt ein Teil der Laufkundschaft weg“, sagt Andreas Ende, Inhaber des Geschäfts „Blumenliesl“ schräg gegenüber: „Viele der Leute, die bei Edeka waren, haben auch bei uns vorbeigeschaut.“ Ähnlich sieht es Kathleen Stützle, die den Laden „Schuh Traum“ betreibt. Viele Menschen seien zu Fuß zu Edeka gegangen und auch in ihren Laden gekommen. „Wie sollen denn ältere Leute, die zu Fuß einkaufen gehen, in einen der Märkte am Ortsrand gelangen?“, fragt sie. „Jedes geschlossene Ladenlokal ist nicht schön fürs Ortsbild“, warnt Renate Schibschid-Kerkhoff, die das Bekleidungsgeschäft „Frauensache“ betreibt: „Sollen wir jetzt alle unsere Geschäfte zumachen?“ Unternehmen wie Edeka seien der Gemeinschaft verpflichtet.

Geschäftsleute befürchten: Die Laufkundschaft fehlt

Thomas Thallmair, Inhaber von Intersport Thallmair, bezweifelt nicht, dass die Schließung negative Folgen auch für ihn mit sich bringen wird: „Je mehr los ist, umso besser.“ Dass Edeka auf Umsatzrückgänge verweist, verwundert Schibschid-Kerkhoff. Nach ihren Beobachtungen haben viele, gerade Ältere, aber auch Touristen und Segler bis zuletzt dort eingekauft. Auch andere erzählten von viel Betrieb im Markt, so durch Schüler um die Mittagszeit.

Sehr gut finden die meisten Geschäftsleute die Idee von Erdan Babacan, den Markt fortzuführen. Man könne geradezu ein kleines Kaufhaus daraus machen, meint Schibschid-Kerkhoff. Die Frage ist nun, ob vielleicht in Gemeinschaft mehrerer Unternehmer doch noch ein Konzept zustandekommen könnte, oder ob für Babacan ein Finanzierpartner zu finden ist. Denn dann, sagt er, würde er es wagen.

Lorenz Goslich

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