Kristina Danschacher vom Tourismus-Förderverein wehrt sich gegen den Vorwurf eines Boykotts.
+
Kristina Danschacher vom Tourismus-Förderverein wehrt sich gegen den Vorwurf eines Boykotts.

Ferienwohnungen

Fehlende Übernachtungen: Tourismusverein stellt sich hinter Privatvermieter

Die von der Gemeinde Tutzing auf Eis gelegten Bemühungen um das Prädikat „Erholungsort“ sorgen für Diskussionen. Der Tourismusverein nimmt die Privatvermieter in Schutz.

Tutzing – Ist es ein Boykott? Dieses Wort ist im Tutzinger Hauptausschuss gefallen: Private Vermieter von Ferienwohnungen boykottierten die Gemeinde, indem sie sich weigerten, Übernachtungszahlen zu melden. Diese Daten aber benötigt die Gemeinde für das Prädikat „Erholungsort“. Denn bisher kann sie nur knapp 50 000 Übernachtungen jährlich nachweisen, es müssen aber rund 70 000 sein. Deshalb lässt die Gemeinde die Vorarbeiten für das Prädikat, wie berichtet, ruhen. Das sorgt nun für eine Kontroverse.

Nicht gerade begeistert über diese Entscheidung ist man bei der Wirtschaftsfördergesellschaft gwt, ebenso wie beim Tutzinger Förderverein für Tourismus. Dessen Vorsitzende Kristina Danschacher nimmt die gescholtenen Privatvermieter in Schutz. Bei ihnen gebe es „eine gewisse Unzufriedenheit“. Was damit gemeint ist, will sie öffentlich nicht konkretisieren. Die Verantwortlichen der Gemeinde, folgert sie, hätten sich mit den Vermietern an einen Tisch setzen und sie fragen müssen, wo sie der Schuh drückt – dann hätten sie nach ihrer Überzeugung auch die benötigten Informationen bekommen.

Dem gwt-Tourismuschef Klaus Götzl sind derartige Konflikte nicht fremd. „Auch ich kenne Vermieter, die die Daten nicht nennen wollen“, bestätigt er, ohne näher auf die Gründe einzugehen. Die Entscheidung der Tutzinger, die Arbeiten ruhen zu lassen, bedauert Götzl sehr. Er glaubt, dass ein solches Prädikat massive Vorteile bringt, es sei für Gemeinde wie für Gastgeber und sonstige Anbieter eine Auszeichnung. „Die Gemeinde Herrsching nimmt durch die so ermöglichte Kurtaxe etwa 80 000 Euro im Jahr ein“, argumentiert er. In zweckgebundener Verwendung sieht er beste Chancen. Radwege ohne Schlaglöcher und mit guten Beschilderungen, Vergünstigungen bei Eintritten zu Veranstaltungen, Museen, Ortsführungen oder Fahrradverleihen könnten den Einheimischen genauso zugutekommen wie Touristen.

Kristina Danschacher will nicht so recht verstehen, weshalb etliche andere Gemeinden solche Prädikate erlangt haben, Tutzing das aber nicht schafft. Im Hauptausschuss hatte Bürgermeisterin Marlene Greinwald dazu erklärt, es seien oft kleinere Kommunen, die nicht so viele Übernachtungen nachweisen müssen und nicht selten über größere Hotels und damit höhere Zahlen verfügen.

Götzl gibt sich aber unverändert zuversichtlich: „Ich bin mir sicher, dass Tutzing mehr als 70 000 Übernachtungen jährlich nachweisen kann.“ Er verweist auf die neue P3-Klinik, deren Zahlen noch nicht erfasst seien. Die Übernachtungszahlen in der Region – auch in Tutzing – seien heuer gestiegen, wohl auch wegen der Reisebeschränkungen ins Ausland. Die Verweildauer der Gäste habe von Juni bis September von 2,5 auf 3,1 Tage durchschnittlich zugenommen. Die gwt werde auf alle Fälle wieder einen Anlauf unternehmen, um Tutzing zum Prädikat zu verhelfen. Er hält es sogar für denkbar, dass Tutzing ein noch höheres Prädikatsniveau ansteuern könnte – nämlich das des „Luftkurorts“, das die Gemeinde schon über Jahrzehnte führen durfte.

Lorenz Goslich

Auch interessant

Kommentare