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Beim Einsatz am Beringerweg in Tutzing verletzte sich der 52 Jahre alte Feuerwehrmann schwer.

Im Einsatz verletzt

Feuerwehrler fällt Glutnest in den Nacken - jetzt hat er Ärger mit Versicherung

Bei einem Großbrand in Tutzing ist ein Feuerwehrmann schwer verletzt worden – jetzt klagt er über unzureichende Zahlung durch die kommunale Unfallversicherung.

Tutzing – Großbrand am Beringerweg in Tutzing am 15. Oktober vorigen Jahres. Unter den 86 Feuerwehrleuten ist auch ein 52 Jahre alter selbstständiger Ingenieur aus Tutzing. Plötzlich fällt ihm ein Brandnest in den Nacken – trotz Schutzausrüstung erleidet der Retter schwere Verletzungen. Dreimal muss er in der Folge operiert werden, drei Monate ist er arbeitsunfähig. Von der Kommunalen Unfallversicherung Bayern (KUVB) hat er Zahlungen erhalten, doch bei Weitem nicht genug, wie er sagt.

Bei der Jahresversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Tutzing hat dieser Vorfall intensive Diskussionen ausgelöst. Immer wieder wurde die Sorge geäußert, dass künftig nur noch schwer Menschen für solche ehrenamtlichen Aufgaben zu finden sein würden, wenn sie im Fall des Falles auch noch mit finanziellen Nachteilen rechnen müssen. „Das muss man klären“, sagte Bürgermeisterin Marlene Greinwald am Rande der Sitzung: „Sonst kann kein Selbstständiger mehr solche ehrenamtlichen Aufgaben übernehmen.“

Gezahlt habe die Versicherung 59,50 Euro pro Tag, das seien 1785 Euro pro Monat, berichtet der Verletzte im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Er habe in den drei Monaten der Arbeitsunfähigkeit einen beträchtlichen Teil seines üblichen Verdienstes verloren. In einem Brief an die KUVB beklagt er sich bitter: Schlimmer als die Verbrennungen, die Operationen und die langwierige Behandlung sei für ihn das Gefühl, nicht gut versorgt zu sein.

Die KUVB hat in einem Antwortschreiben eine erneute Prüfung zugesagt, aber gleichzeitig erklärt, dass sich die Berechnung des „Verletztengeldes“ bei selbstständig Tätigen „etwas zeitaufwändiger als bei abhängig Beschäftigten“ gestalte. Es wird auf starke Schwankungen der Einkünfte in den Jahren 2015 und 2016 verwiesen und ein Steuerbescheid für 2014 angefordert, weil bei selbstständig Tätigen die Verhältnisse der letzten drei Jahre zugrunde gelegt werden sollten. Es wird aber eine „Neuberechnung und vollständige Auszahlung“ des Verletztengeldes angekündigt, ebenso die Prüfung einer Vorschusszahlung.

Der 52-Jährige spricht aber noch von viel größeren Nachteilen. Als selbstständig arbeitender Ingenieur habe ihn der Unfall „gehörig aus der Bahn geworfen“. Und der durch entgangene Aufträge entstandene Schaden lasse sich gar nicht beziffern.

Tutzings Feuerwehrkommandant Markus Kuisl äußert sich entsetzt. „Wir haben ein massives Problem mit unserem Versicherungsschutz“, sagt er. Das werde in dem Fall besonders deutlich. Die Kommunale Unfallversicherung übernehme die Versicherungsleistung nur bis zu einer bestimmten Grenze: „Auf dem Rest bleibt er wahrscheinlich selbst hocken.“

Gemeinsam mit der Gemeinde Tutzing seien bereits alle möglichen Kontakte gesucht, der Landesfeuerwehrverband eingeschaltet und ein Brief an Innenminister Joachim Herrmann geschrieben worden. Vom Minister habe man aber innerhalb von etwa zwei Monaten bisher keine Antwort erhalten. Kreisbrandrat Markus Reichart kündigt ebenfalls weitere Gespräche in dieser Angelegenheit an. „Eigentlich hätte ich erwartet, dass man als verunfallter Feuerwehrmann großzügig, wohlwollend und zuvorkommend versorgt wird“, schreibt der Betroffene in seinem Brief an die KUVB. Und weiter: „Die Ohnmacht, von der KUVB in einem absehbaren Zeitraum eine vernünftige finanzielle Versorgung zu erhalten, macht mich noch heute unglaublich wütend.“

Von Lorenz Goslich

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