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41 km/h Höchstgeschwindigkeit: Das reicht für den Starnberger See, auf dem man maximal 40 fahren darf.
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Tüfteln über Technisches und Ästhetisches: Frank Bleyer (r.) mit seinem Partner Dirk Kayser in der Werkstatt auf der Ilkahöhe in Tutzing.

Handwerk

Ein Boot wie guter Wein

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Die „Stalight Barrique“ ist ein Traum von einem Elektroboot: elegant, wendig und einfach schick. So schick, als würde sich gleich Grace Kelly mit einem Cocktail in der Hand auf die mit hellem Kunstleder bezogene Bank setzen. Der Tutzinger Bootsbauer Frank Bleyer will mit der „Stalight Barrique“ in die Produktion von Booten der Luxusklasse einsteigen.

Tutzing– Bootsbauer zu sein, ist ein hartes Brot. Es braucht viel Liebe zum Detail, zu den Booten, zum Job. Anders könnten Frank Bleyer und sein Kollege Dirk Kaiser ihre Arbeit gar nicht verrichten.

Die Werkstatt auf der Ilkahöhe ist an diesem Vormittag trotz des winterlichen Wetters gut beheizt, Kaiser schiebt immer wieder Pellets in den Ofen nach. Es gibt eine Kaffeemaschine, aber keine Tassen. An der Wand hängen Boote, unter anderem Bleyers Meisterstück aus dem Jahr 1998: ein schnittiges, schmales Segelboot mit schwarzen Ornamenten, das seinem Nutzer einiges abverlangt. „Man sitzt drei Meter neben dem Schiff – das könnte ich jetzt gar nicht mehr segeln“, sagt Bleyer (53) mit einem Lächeln, aber ohne Bedauern. Denn ein eigenes Boot brauche er eigentlich nicht. „Es gab noch keinen Anlass, ich bin ständig auf anderen Booten eingeladen.“

Die „Stalight Barrique“ ist im Stall nebenan über den Winter aufgebockt. Bleyer hat sie für einen Kunden nach dessen Vorstellungen gefertigt, zusammen mit Konstruktionsbüro Carpe Diem Yacht-Design vom Ammersee. Die technischen Daten sind schnell erzählt. Das Motorboot ist aus Glasfaser in Sandwichbauweise – außen Glasfaser, innen Leichtbauplanke. Es ist mit glänzendem Mahagoni furniert, was ihm den traditionelle, eleganten Touch gibt. Sieben Meter lang und 2,17 Meter breit wiegt es nur rund 1,4 Tonnen. Sein 55 kW-Motor schafft mindestens 43 Minuten Höchstgeschwindigkeit, die bei 41 km/h liegt. Das reicht für den Starnberger See, auf dem man maximal 40 fahren darf. Preis: zirka 350 000 Euro.

Das sind die harten Fakten. Das andere ist das viele Drumherum, Technisches und Ästhetisches. „Wir entwickelten unseren Prototyp von Anfang an um den speziellen 55 kW-Torqeedo-Wellenantrieb“, sagt der Bootsbauer. „Wir haben allein an das Ruder eine Woche hinkonstruiert.“ Jetzt habe es einen Twist und mache seine Arbeit perfekt.

Der Bug ist senkrecht, angelehnt an das Design der Chris-Craft-Barrelbacks aus den 1930ern. Das Heck hinten flach und wenig V-förmig, um trotz der geringen Antriebsleistung optimale Gleitperformance zu erzielen. Ein leichtes Boot und ein schneller Motor müssten aufeinander abgestimmt sein, sagt Bleyer. „Wenn du Vollgas fährst und es kommt eine Welle, haut es dir sonst die Füllungen aus den Zähnen.“

Es gibt eine große Liegefläche und jede Menge Sitzplätze. „Die herausziehbare Badeplattform mit der integrierten dreistufigen Leiter war eine Herausforderung, weil sie so dünn ist“, erinnert sich Bleyer. Auch das hat er gemeistert.

Das schicke Boot hat bereits zwei Saisons hinter sich und dabei bewiesen, dass es äußerst robust ist. „Der Kunde fährt damit permanent Wasserski“, erzählt Bleyer. „Nach einer Saison hatte der Motor bereits 52 Betriebsstunden drauf. Das schaffen andere in fünf Jahren.“ Für ihn sei das gut: „Alles, was kaputt gehen kann, würde in dieser Zeit kaputt gehen.“

Die nächste „Stalight Barrique“ könnte leichter werden, weil es eine neue Batteriengeneration gibt. Bleyer würde ein paar Kleinigkeiten an der Erscheinung verändern, den Schwung der Scheuerleiste perfektionieren. Und dass die Klampen – an denen man die Festmacher einhängt – gänzlich versenkbar sind. Es ist ein bisschen wie mit einem guten Wein, der in dem namensgebenden Barriquefass reift. Wenn alle Details durchdacht sind, kann das Endprodukt nicht anders, als perfekt zu sein.

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