Bitte auf die andere Seite: Dr. Stephan Wanner auf dem Grundstück seiner Frau an der Oskar-Schüler-Straße in Tutzing. Foto: Lorenz Goslich

Gehweg-Streit

Fußgänger müssen die Seite wechseln

Der Gehweg-Streit in Tutzing ist noch nicht beigelegt, obwohl Teile der Absperrung nun weg sind. Auslöser war ein Unfall, bei dem eine Fußgängerin zu Schaden kam.

Tutzing – Wenige Tage nach ihrer Ankündigung hat die Gemeinde Tutzing an der Oskar-Schüler-Straße die Absperrung eines Teils der Fahrbahn abgebaut, der bisher Fußgängern vorbehalten war. Als Grund für den Abbau hatte Bürgermeisterin Marlene Greinwald in einem Gemeinderatsausschuss einen nicht näher bezeichneten Vorfall angegeben. Der Gehweg an der betreffenden Stelle bleibt für Fußgänger unzugänglich. Schilder verweisen sie nun auf die andere Straßenseite.

Die Sperrung sorgt seit Jahren für Gesprächsstoff. Dr. Beatrice Rösch-Wanner, die Hauseigentümerin, und ihr Mann Dr. Stephan Wanner, der frühere Tutzinger Bürgermeister, hatten den Weg vor Jahren wegen Streitigkeiten mit der Gemeinde über die Grundrechte gesperrt. Sie argumentieren, die Gemeinde habe den Grund, der privat sei, über lange Zeit ohne Erlaubnis für öffentliche Zwecke genutzt. Vor drei Jahren haben sie den Gehweg vor ihrem Haus abgesperrt. Die Gemeinde hatte bald darauf auch einen Teil der Fahrbahn daneben gesperrt.

Gemeinde will Gehweg enteignen

Wanner und seine Frau würden der Gemeinde den Grund verkaufen. Sie verlangen 1000 Euro je Quadratmeter für 65 Quadratmeter Grund. Die Gemeinde hatte den Wert laut Wanner im Jahr 2007 auf 2500 Euro festgesetzt. Das Rathaus hat ein Enteignungsverfahren angestrebt. Laut Landratsamt läuft es noch. „Wir rechnen mit einer Entscheidung im Herbst“, sagt Behördensprecher Stefan Diebl. Eine vorzeitige Besitzeinweisung für den Gehweg, die die Gemeinde beantragt hatte, lehnte das Landratsamt im Juni 2017 ab.

Der Vorfall, in dessen Folge nun die gemeindliche Sperrung beendet wird, ist ein Unfall. Auf Anfrage sagte Polizeihauptkommissar Peter Madjar, dass an der Absperrung eine Fußgängerin zu Fall gekommen sei. Sie soll sich dabei verletzt haben. Die Polizei leitet den Vorfall an die Staatsanwaltschaft München II weiter.

„Ich habe den Weg versichert“, betont Wanner. Auf die neue Entwicklung angesprochen, sagt er, es sei nirgends geregelt, dass eine Gemeindestraße über zwei Gehwege verfügen müsse. Beispielhaft verweist er auf die Tutzinger Bräuhausstraße. Dort gebe es verkehrsregelnde Maßnahmen, mit denen Fußgänger aufgefordert würden, die andere Gehwegseite zu benutzen. „Genau das hat die Gemeinde jetzt auch in der Oskar-Schüler-Straße umgesetzt“, sagt Wanner.

Staatsanwaltschaft prüft nun Haftungsverhältnisse

Bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft soll laut Polizei geklärt werden, ob für den Vorfall die Absperrung ursächlich war, ob ein Verschulden vorliegt – und falls ja, von wem. Das sei bisher offen, sagt Madjar. Wanner hat sich nach eigenen Angaben im Namen seiner Frau als Eigentümerin des Grundstücks an die Polizei gewandt und um Mitteilung gebeten, welche Person zu Schaden gekommen ist. „Der Unfall dieses Fußgängers wird ausdrücklich bedauert und es soll geprüft werden, wie die Haftungsverhältnisse einzuschätzen sind.“, so Wanner in einer E-Mail an die Polizei.

  • 6 Kommentare
  • 503 Service Unavailable

    Hoppla!

    Leider ist unsere Website zur Zeit nicht erreichbar. Wir beeilen uns, das Problem zu lösen. Bitte versuchen Sie es gleich nochmal.

  • Weitere
    schließen 503 Service Unavailable

    Hoppla!

    Leider ist unsere Website zur Zeit nicht erreichbar. Wir beeilen uns, das Problem zu lösen. Bitte versuchen Sie es gleich nochmal.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Dreifachmord von Starnberg: Max B. fasste mörderischen Plan - sein Opfer ließ ihn ahnungslos ins Haus
Nach dem Dreifachmord im bayerischen Starnberg bleibt die Frage nach dem Motiv offen. Waffennarr Max B., der seinen Freund und dessen Eltern erschoss, schweigt.
Dreifachmord von Starnberg: Max B. fasste mörderischen Plan - sein Opfer ließ ihn ahnungslos ins Haus
Coronavirus: Drei weitere Infizierte in Bayern bestätigt - Gesundheitsministerium in München informiert
Die deutschlandweit erste Infektion mit dem Coronavirus wurde offiziell bestätigt. Über den Fall im Landkreis Starnberg wurde in einer eigens einberufenen …
Coronavirus: Drei weitere Infizierte in Bayern bestätigt - Gesundheitsministerium in München informiert
Coronavirus: Kliniken im Landkreis sind gerüstet
Wie gehen Krankenhäuser im Landkreis Starnberg mit dem Coronavirus und möglichen Verdachtsfällen um? Experten aus Starnberg und Gauting geben Antworten.
Coronavirus: Kliniken im Landkreis sind gerüstet
Mehr als ein Dutzend Feuerwehreinsätze
Sturmtief „Lolita“ weht auch den Landkreis Starnberg durcheinander. Wegen des Sturms sind die Wertstoffhöfe geschlossen worden.
Mehr als ein Dutzend Feuerwehreinsätze
503 Service Unavailable

Hoppla!

Leider ist unsere Website zur Zeit nicht erreichbar. Wir beeilen uns, das Problem zu lösen. Bitte versuchen Sie es gleich nochmal.