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Gänsegeier wird nahe München angeschossen und stirbt grausam an Bleivergiftung - Ermittlungen laufen

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Der tote Gänsegeier aus dem Landkreis Starnberg. Eine Röntgenaufnahme zeigt die Bleikugel, an der er grausam starb.
Der tote Gänsegeier aus dem Landkreis Starnberg. Eine Röntgenaufnahme zeigt die Bleikugel, an der er grausam starb. © LGL

Der tote Gänsegeier, der an der B2 bei Tutzing vor einigen Wochen gefunden wurde, starb an einer Vergiftung - durch eine Bleikugel. Offenbar hat jemand auf das streng geschützte Tier geschossen.

Update vom 11. Februar, 12.01 Uhr: Der im Januar im Landkreis Starnberg tot aufgefundene Gänsegeier (siehe ursprünglichen Artikel weiter unten) ist angeschossen worden und am Gift der Bleikugel gestorben. Das hat eine Untersuchung des Landesamts für Lebensmittelsicherheit und Gesundheit (LGL) ergeben. Demnach sei ein fünf Millimeter langes Projektil im Gewebe des Greifvogels stecken geblieben und habe ihn mit Blei vergiftet, teilte der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) am Freitag mit. Der Vogel habe daraufhin keine Nahrung mehr suchen können und sei verendet. Der Verband erstatte nun Anzeige, der Gänsegeier ist streng geschützt. Noch Anfang November war das Tier lebend gesichtet worden.

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Der LBV sieht in der Wilderei auch eine Gefahr für andere Greifvögel wie die beiden im Juni im Nationalpark Berchtesgaden ausgewilderten Bartgeier Wally und Bavaria. Das Vorkommen eines Gänsegeiers in Bayern im Winter sei sehr außergewöhnlich, hatte der LBV zuvor erklärt. Die genaue Herkunft des Vogels ist unklar. Die meisten in Europa ansässigen Gänsegeier sind in Spanien zu finden.

Update vom 21. Januar, 14.56 Uhr: Rainer Bartsch aus Obertraubing ist seit fünf, sechs Jahren im Jagdrevier Neuseeheim bei Gut Kerschlach unterwegs. An den vergangenen Sonntag allerdings wird er sich immer erinnern: Sein Hund Balu fand den toten Gänsegeier, der gestern für Schlagzeilen sorgte.

„Die Fundstelle befindet sich ein paar hundert Meter entfernt von der B 2, zwischen Straße und Gut Kerschlach“, berichtet Bartsch dem Starnberger Merkur. Er sei mit seinem Bruder unterwegs gewesen, der Hund habe den Vogel entdeckt. „Ich habe gleich gewusst, dass das ein Geier ist.“ Das Tier habe einen unversehrten Eindruck gemacht, sei jedoch bereits durchgefroren gewesen. Weil die Stelle schwer zugänglich ist, habe er den Kadaver mitgenommen und am Montag an das Veterinäramt in Starnberg übergeben. Gestern wurde der Gänsegeier zur Untersuchung nach Oberschleißheim ins Amt für Lebensmittelsicherheit und Gesundheit (LGL) gebracht.

Die Ergebnisse werden mit Spannung erwartet. „Dass hier ein Gänsegeier gefunden wird, hat mich sehr überrascht“, sagt Pit Brützel, Leiter der Arbeitsgemeinschaft Starnberger Ornithologen. In der Datei Ornitho finde sich aus den vergangenen Jahren kein belegter Eintrag für eine Sichtung. Hartwig Görtler, Vorsitzender der Kreisjägerschaft, warnte indessen vor einer Vorverurteilung der Jäger und Landwirte. Der LBV hatte gemutmaßt, dass der Vogel Aas gefressen und an einer Bleivergiftung oder durch Insektizide gestorben sei. „Ich bitte alle, das Ergebnis abzuwarten.“

Erstmeldung von 20. Januar, 18 Uhr: Toter Gänsegeier bei Tutzing gefunden

Erstmeldung von 20. Januar, 18 Uhr: Ein Jäger habe den Greifvogel geborgen und das Veterinäramt informiert. Der Gänsegeier sei umgehend eingefroren worden, liegt im Landratsamt und werde nun im Auftrag des LBV am Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Gesundheit (LGL) untersucht. Das hat einen Grund, wie der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer erklärt: „Die häufigste Todesursache bei Geiern sind Vergiftungen durch bleihaltige Jagdmunition oder durch das verbotene Kontaktgift Carbofuran. Wir warten mit Spannung auf das Untersuchungsergebnis.“ Der LBV hat am Ergebnis Interesse, weil er sich um die im Nationalpark Berchtesgaden ausgewilderten Bartgeier „Wally“ und „Bavaria“ sorgt. Sollte sich eine Vergiftung durch mit bleihaltiger Jagdmunition beschossenes Aas erweisen, bestehe auch für die anderen Geier eine tödliche Gefahr. „Wir fordern deshalb, dass sich private Jäger und Kommunen umgehend dem Entschluss der Bayerischen Staatsforsten anschließen, und zukünftig auf die Nutzung von bleihaltiger Jagdmunition verzichten“, erklärte Schäffer.

Der Gänsegeier war weder beringt noch besendert, die Herkunft ist daher unklar. Nächste Brutgebiete des Tieres mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,7 Metern liegen in Norditalien an der Grenze zu Slowenien und in Südfrankreich. „Einflüge von in Österreich übersommernden jungen Gänsegeiern, die vom Balkan stammen, gibt es immer mal wieder“, sagt Schäffer. Der Fund sei dennoch außergewöhnlich. „Wir können uns an so etwas nicht erinnern“, sagte Kreissprecher Stefan Diebl.

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