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Symbolbild

Gerichtsbericht

Zwei völlig verschiedene Geschichten

Tutzing – Es war Oktoberfestzeit, als es am Abend des 24. September 2014 zu Turbulenzen am Tutzinger Bahnhof kam. Das Ende vom Lied: Ein Tutzinger Taxiunternehmer (57) soll einen Starnberger Handelsvertreter (50) niedergeschlagen haben, der betrunken von der Wiesn kam.

Der Fall beschäftigt nun das Landgericht München – und es wird ein aufwändiger Prozess. Das Amtsgericht Starnberg hatte den Taxler wegen Körperverletzung zu 70 Tagessätzen à 90 Euro (6300 Euro) verurteilt; auch sein Taxischein ist weg. Doch der Taxiunternehmer schildert den Vorfall ganz anders: Der Handelsvertreter habe ihn attackiert, er habe sich nur gewehrt. Er sieht sich also zu Unrecht verurteilt – und kämpft vor dem Landgericht München II um einen Freispruch.

Am Münchner Gericht prallten völlig verschiedene Versionen der Geschichte aufeinander – je nachdem, er danach gefragt wurde. Einig ist man sich nur darin, dass eine Afrikanerin mit zwei Kindern und drei schweren Koffern aus Versehen am Tutzinger Bahnhof landete. Mehrere Zugpassagiere und der Taxler versuchten herauszufinden, wo die Frau hin wollte – offenbar nach Wolfratshausen. Dann gehen die Versionen auseinander.

Der Taxiunternehmer sagt, dass er einen Mitarbeiter zum Dolmetschen geholt habe. Bei diesem sei schon der betrunkene Starnberger im Auto gesessen – und mit vier Slowaken in Streit geraten. Darum will der 57-Jährige versucht haben zu schlichten. Mit dem Ergebnis, dass ihn der 50-Jährige übel beschimpft habe, „voll durchzog“ und auf ihn habe einschlagen wollen. Er habe sich grade noch wegducken können. „Aber ich konnte gar nicht so schnell schauen, da war er schon wieder da.“ Der betrunkene Mann sei gegen ihn gesprungen – er habe ihn nur abgewehrt. Nun lag der Starnberger blutend auf dem Boden, die Nase war gebrochen.

Das mutmaßliche Opfer schildert es so: Er sei ins Taxi des Angeklagten gestiegen – und sollte plötzlich wieder raus. Deshalb habe es eine Diskussion gegeben. Während des Disputs habe er ihn wohl beleidigt, räumte der Starnberger ein. „Ich hatte sauber einen im Tee.“ Dann sei er ausgestiegen. „Dann habe ich schon eine geschossen gekriegt.“ Eine Zeugin berichtete ebenfalls, dass der Taxler den Fahrgast mit der Faust ins Gesicht geschlagen habe.

Der Tutzinger besteht nun darauf, dass die Slowaken als Zeugen nach Deutschland kommen. Deshalb wird der Prozess wohl in ein paar Monaten wieder von vorn beginnen. 

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