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Mit einem echten Kokoschka präsentieren Bürgermeister Rudolf Krug, Akademiedirektor Udo Hahn und Museumskurator Gernot Abendt die Ausstellung. 

ausstellung

Ortshistorischer Leckerbissen

Tutzing - Die Geschichte von Schloss und Evangelischer Akademie Tutzing erzählt eine neue Ausstellung im Ortsmuseum. Sie ist bis zum 21. Mai 2017 zu sehen.

Mit der ab diesem Samstag geöffneten Sonderausstellung „Schloss und Evangelische Akademie Tutzing“ (bis 21. Mai im Ortsmuseum Tutzing) folgt bereits der zweite „ortsgeschichtliche Leckerbissen nach der Lindemann-Ausstellung“, wie Bürgermeister Rudolf Krug bei der Vernissage voller Stolz anmerkte. Zahlreiche Bild- und Text-Dokumente wurden hierfür federführend vom Historiker Eberhard Köstler und Akademie-Mitarbeiter Dr. Axel Schwanebeck in akribischer Arbeit zusammengetragen oder „aus staubbedecktem Archiv“ (Schwanebeck) wiederentdeckt.

Mit Erläuterungen an etlichen Wandtafeln (Grafik: Angelika Mroszek-Abraham, Rahmen und Design: Helmut E. Grund) bestückt, erzählen diese Exponate sowohl von der wechselvollen Geschichte des Tutzinger Schlosses als auch von der seit 1947 hier residierenden Evangelischen Akademie.

Das in seiner jetzigen Form zwischen 1802 und 1816 unter den Grafen Vieregg entstandene Schloss mit seinen später vielfältigen Besitzern (heute im Besitz der Evangelischen Landeskirche) war einerseits „für Tutzing der zentrale Mittelpunkt“ (Krug), vor 1945 sogar Lazarett, ab 1947 aber auch „eine Innovation“, sagte Akademiedirektor Udo Hahn. Die Akademie sei nach dem Zweiten Weltkrieg als „Diskursort“ gegründet worden mit dem auch heute durchaus wieder aktuellen Leitgedanken, „dass Deutschland nie wieder von einer Diktatur beherrscht werden dürfe“.

Wer sich im Ortsmuseum also die „Ahnengalerie“ der Schlossbesitzer von Vieregg über den von den Nazis verfolgten Kunstsammler Nemes bis zur Familie Oetker betrachtet, der bekommt ganz nebenbei auch „Tutzinger Geschichtsunterricht“. Und wer das gesellschaftspolitisch-ethische Wirken der 2017 „70-Jähriges“ feiernden Akademie näher betrachtet, der bekommt einen Eindruck davon, dass weitreichende politische Weichenstellungen wie Willy Brandts Ostpolitik (Architekt mit der Überschrift „Wandel durch Annäherung“: Egon Bahr) oder Theo Weigels kolportierte Wortschöpfung vom „Euro“ hier ihren Ausgangspunkt hatten.

Der schon immer geschichtsinteressierte ehemalige stellvertretende Bürgermeister Tutzings, Gernot Abendt, nach Beendigung seiner „offiziellen“ kommunalpolitischen Tätigkeit „inoffizieller“ und ehrenamtlicher Museumskurator, er-zählte zur Ausstellungseröffnung anekdotengespickt vom Ur-Schlossherrn Graf Vieregg. Dieser habe sich vor allem nach dem Verlust seines unumschränkten Status bekanntermaßen „mit allen und jedem angelegt“ – sogar dies sei nun in der Ausstellung dokumentiert: Mit einem blauen Brief „an einen Major“ in einer der Museumsvitrinen.

Wertvolle alte Stiche belegen derweil Erstaunliches: Der Seeuferstreifen vor der Akademie war einst komplett öffentlich zugänglich, ganz ohne Mauern und Schranken.

Schloss und Evangelische Akademie Tutzing: Sonderausstellung des Ortsmuseums Tutzing, Graf-Vieregg-Straße 14 (Thoma-Platz) bis 21. Mai 2017. Öffnungszeiten ganzjährig Mittwoch, Samstag, Sonntag 13 bis 17 Uhr (außer 23. bis 26. Dezember, 31. Dezember und 1. Januar).

Thomas Lochte

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