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Selbst ein Stück Musikgeschichte: Prof. Hans Schneider war Musikschriftsteller, Verleger und Mäzen. Jetzt ist er im Alter von 96 Jahren gestorben.

Nachruf

Hans Schneider: Ein Leben für die Musik

Der international bekannte Musikantiquar und -verleger Prof. Hans Schneider ist im Alter von 96 Jahren gestorben.

Tutzing – Der international bekannte Musikantiquar und -verleger Prof. Hans Schneider ist im Alter von 96 Jahren gestorben. Über Jahrzehnte hat er sein Unternehmen in Tutzing geführt, wo er auch Ehrenbürger war. Schneiders bekanntes Musikantiquariat befindet sich an der Mozartstraße – das ist kein Zufall: Schneider, der am 9. April gestorben ist, hat in den 1950er Jahren eine Umbenennung erreicht, nachdem er dort ein Haus gebaut hatte.

Tutzing, die Musik und Hans Schneider: Sie gehören irgendwie zusammen. Die Verantwortlichen der Gemeinde, die ihn 2009 zum Ehrenbürger ernannte, wussten das schon damals. Viele Persönlichkeiten der Musik sind bei dem Musikschriftsteller, Verleger und Mäzen ein- und ausgegangen, vom Cellisten Ludwig Hoelscher bis zum Komponisten Carl Orff. Dabei war Schneider erst 1945 von seinem Geburtsort Eichstätt an den Starnberger See gezogen, um bei Elly Ney in Tutzing Klavier zu studieren. 1949 übernahm er eine Buchhandlung – der Grundstein für sein Musikantiquariat. 1958 gründete der Vater von vier Kindern zusätzlich einen musikwissenschaftlichen Verlag, in dem etwa 1300 Bücher über die Jahre erschienen.

Schneider steht für viele erlesene musikalische Dokumente, beispielsweise von Walzerkönig Johann Strauß, „Teufelsgeiger“ Niccolò Paganini oder Komponist Robert Schumann. Weltweit war er unterwegs, oft beispielsweise in Japan. „Die Menschen dort waren sehr interessiert an klassischer Musik und haben Vieles gekauft, was eigentlich nach Deutschland gehört“, sagt seine Frau Carola Schneider. Reisen verband er meist mit geschäftlichen Zwecken und dem Besuch von Friedhöfen mit Gräbern bekannter Menschen.

Beim Essen würden die besten Geschäfte gemacht, sagte der humorvolle Feinschmecker, zu dessen Sammlerstücken auch die charakteristische Fliege des Komponisten Richard Strauß gehört. In mehr als sieben Jahrzehnten sind in Schneiders Antiquariat 479 Kataloge in einer von Experten hoch gelobten Qualität gedruckt worden. Nach wie vor werden die Kataloge weiter veröffentlicht, mittlerweile aber nur noch im Internet. Der Verlag ist schon Ende 2015 geschlossen worden. Schneiders Familie, unterstützt von seinem langjährigen Mitarbeiter Jürgen Fischer, führt das Antiquariat fort, wohl wissend, dass der Gründer mit seinen vielen persönlichen Kontakten nicht zu ersetzen ist.

Lorenz Goslich

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