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Alte Technik, die gefährlich werden könnte: Die Gasheizung im Keller der alten Tutzinger Volksschule ist über 100 Jahre alt. Hausmeister Gerhard Lacherbauer kennt sich mit der Anlage aus.

Alte Tutzinger Volksschule

Heizungs-Methusalem: „Eine tickende Bombe“

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Die Dampfheizung in der denkmalgeschützten alten Tutzinger Volksschule ist historisch höchst interessant, aber ebenso gefährlich. „Das ist eine tickende Bombe“, sagt der zuständige Mitarbeiter im Tutzinger Bauamt, Klaus Hirschvogel.

Tutzing – Falls eines der löchrigen, mehr als 100 Jahre alten Rohre platzt, könnten sich Kinder ernsthaft verletzen. In der alten Volksschule ist der BRK-Kinderhort untergebracht, den rund 80 Kinder besuchen. Wenn der Gemeinderat im Juli über eine neue Heizung für die Mittelschule redet, wird er auch über die der alten Volksschule nachdenken. Das Problem ist bekannt.

Die alte Tutzinger Volksschule aus dem Jahr 1915 ist historisch gesehen ein Glücksfall. Nachdem die Gemeinde Tutzing viele Jahre kein Geld hatte, um etwas dort zu sanieren, ist sehr vieles im Originalzustand erhalten. Dass die Schule überhaupt erhalten ist, zählt zu den glücklichen Fügungen in der Geschichte der Gemeinde Tutzing. Eigentlich sollte sie in den 1970ern abgerissen werden, nachdem nebenan die neue Grund- und Hauptschule, die heutige Grund- und Mittelschule gebaut worden war. Doch die Gemeinde schaffte es, den pittoresken gelben Gebäudekomplex aus Schulhaus, Lehrerwohnhaus und öffentlichem Bad unter Denkmalschutz stellen zu lassen. So sind die alten Türen, die alten Fenster, der Treppenaufgang, die Innendekorationen erhalten – und eben auch die Dampfheizung von 1915.

Rohre sind über 100 Grad heiß

Die funktioniert, ist aber energetisch eine Katastrophe und vor allem ist sie gefährlich. „Die Heizleitungen sind porös“, sagt Bauamtsmitarbeiter Hirschvogel. Nachdem sie mit Dampf beheizt werden und nicht wie üblicherweise mit heißem Wasser, seien die Rohre heißer als 100 Grad Celsius. Die Heizkörper in den Aufenhaltsräumen des Kinderhorts sind deshalb so verkleidet worden, dass sie die Kinder nicht berühren können. „Sie könnten sich verbrennen“, sagt Hirschvogel. Nicht auszudenken, was passieren würde, falls eines der Rohre platzt und der heiße Dampf austräte. „Vergangenes Jahr mussten wir an zwei Stellen nachschweißen“, berichtet der Bauamtsmitarbeiter. „Da waren kleine Löcher, aus denen der Dampf ausgetreten ist.“

Entweder brühendheiß - oder aus

Die Dampfheizung wird mit Gas betrieben, früher war es Kohle. Ein Problem ist auch, dass sie nicht regelbar ist: „Das Ventil ist entweder auf oder zu“, erklärt der Hausmeister des Schulkomplexes, Gerhard Lacherbauer. Dabei ist die Heizung für ihre Verhältnisse sicher modern: Über den einzelnen Reglern steht genau, welcher Bereich damit beheizt wird. „Herrenbad“ steht dort etwa, für den Bereich, den der Billardclub jetzt nutzt, „Klassenzimmer Hauptgebäude“ oder „kleiner Schulsaal“. „Ich habe schon überlegt, ob ich das Freiluftmuseum Glentleiten anschreiben soll wegen unserer Heizung“, sagt Bauamtsmitarbeiter Hirschvogel halb im Scherz.

Im Tutzinger Haushalt sind 300 000 Euro für neue Heizleitungen eingeplant. Wenn eine neue Heizung in der alten Volksschule eingebaut wird, könnte sie übergangsweise von der Mittelschule aus beheizt werden. „Das Hallenbad muss nicht mehr beheizt werden, deshalb geht das“, sagt Hirschvogel.

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