Steht seit Februar 2012 leer: der Andechser Hof in Tutzing. Neuerdings parken gebrauchte Autos vor dem Gebäude. Die Eigentümer haben das Areal dafür zur Verfügung gestellt.
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Steht seit Februar 2012 leer: der Andechser Hof in Tutzing. Neuerdings parken gebrauchte Autos vor dem Gebäude. Die Eigentümer haben das Areal dafür zur Verfügung gestellt.

Wichtiger Vertrag liegt vor

Traditionswirtshaus steht seit 2012 leer: Hoffnung für den Andechser Hof in Tutzing

Den jahrelangen Leerstand des Andechser Hofs beklagen viele Tutzinger. Nun scheint es einen Hoffnungsschimmer zu geben: Ein wichtiger Vertrag liegt vor. Doch noch sind nicht alle Probleme ausgeräumt.

Tutzing – Neuerdings stehen Gebrauchtwagen auf dem Parkplatz des Andechser Hofs. Einen Wandel zum Autohandel gibt es in der einstigen Tutzinger Gaststätte aber nicht. Doch weil die Fläche neben dem seit Februar 2012 leerstehenden Wirtshaus nicht anderweitig benötigt wird, stellen die Eigentümer das Areal für Fahrzeuge zur Verfügung. Nur eine Nebensache eines Dauerbrenner-Themas, das viele Tutzinger bewegt. Inzwischen sind aber bei der Gemeinde zuversichtliche Stimmen zu hören. „Wir sind in Verhandlungen über den zweiten städtebaulichen Vertrag“, bestätigt Bürgermeisterin Marlene Greinwald. Zuvor liefen nach Recherche des Starnberger Merkur viele Gespräche. Daran beteiligt war die eigens für den Andechser Hof gebildete dreiköpfige Arbeitsgruppe, bestehend aus Dr. Wolfgang Behrens-Ramberg (Tutzinger Liste), Dr. Ernst Lindl (CSU) und Bernd Pfitzner (Grüne).

Eigentlich war ein schon Anfang 2019 im Gemeinderat vorgestelltes Konzept mit Gaststätte, Biergarten, Büro- und Praxisräumen sowie Wohnungen auf breite Zustimmung gestoßen. Die Eigentümer Georg und Kornelia Schuster, die den Andechser Hof vor zwei Jahren vom Kloster Andechs gekauft haben, wollten schnell bauen, wie sie immer wieder betont haben. Doch bisher ist das nicht gelungen. Ein erster städtebaulicher Vertrag mit den Kosten des Bebauungsplans ist laut Bürgermeisterin Greinwald schon lange unterschrieben. Der zweite Vertrag soll seit ein paar Tagen vorliegen. Er gilt als Voraussetzung fürs weitere Bebauungsplanverfahren. Festgelegt werden sollen dabei wichtige Punkte wie die Sicherung als Gaststätte und die Lärm-Duldung durch Nachbarn.

„Man muss nicht immer Gürtel und Hosenträger gleichzeitig tragen.“

Unterschiedliche Auffassungen gibt es dem Vernehmen nach über die rechtliche Absicherung. Die einen halten Regelungen im Bebauungsplan für ausreichend, die anderen fordern zusätzliche Absicherung im Grundbuch – die wiederum, geben manche zu bedenken, den Wert des Grundstücks schmälere. Pfitzner sieht es eher gelassen: „Man muss nicht immer Gürtel und Hosenträger gleichzeitig tragen.“

Während die einen verhandeln, hoffen viele Tutzinger auf ein Ende des Stillstands. „Das ist für Tutzing wirklich kein Aushängeschild“, sagt Oliver Lutz. Der Obermeister der Starnberger Metzgerinnung wohnt nebenan. Regelmäßig beobachte er Besucher, die offensichtlich gern einkehren würden. „Tutzing benötigt dringend weitere gute Gastronomie“, sagt auch Kristina Danschacher, die Vorsitzende des Tutzinger Fördervereins für Tourismus. Rolf Läkamp vom Gasthaus Tutzinger Hof schräg gegenüber hält es für notwendig, dass der verfallende „Schandfleck“ endlich verschwinde.

Vom Konzept der Eigentümer zeigt sich Lutz angetan: „Wenn eine einheimische Familie eine neue Gastronomie betreiben will, ist das wichtig für ein attraktives Ortsleben.“ Im Fall weiterer Verzögerungen sieht er die Gefahr, dass aus der Gastronomie nichts werde, sondern „dass irgendein Investor letztlich Wohnungen, vielleicht mit ein paar Gewerbeimmobilien, durchsetzen wird“.

Die an den Verhandlungen beteiligten Gemeinderäte werben um Verständnis. „Solche Sachen in Bebauungsplanänderungen dauern immer sehr lange“, sagt Pfitzner: „Das wird gern vergessen.“ Greinwald hält es für möglich, dass es im Herbst zur Unterschrift des städtebaulichen Vertrags kommt. „Wir unterstützen es von der Gemeinde aus, wo es geht“, verspricht sie und fügt hinzu: „Wir wollen gern Lokalitäten haben – das ist wichtig für den Ort.“ Behrens-Ramberg versichert: „Wir wollen das bayerische Gasthaus im Andechser Hof haben.“

Lorenz Goslich

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