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Volle Aufmerksamkeit bekam Sascha Aichinger (r.) von den Neuntklässlern der Tutzinger Realschule. Der 19-Jährige erklärte, was es mit seiner Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker auf sich hat.

IHk-Projekt

So cool kann Ausbildung sein

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Schule, Studium, Job – dass es auch andere Wege in den Beruf gibt, zeigen Ausbildungsscouts der IHK an Schulen in Bayern. Das Projekt soll auch im Landkreis vorangetrieben werden. 

Tutzing – Zum vierten Mal in Folge ist die Zahl der Lehrlinge im Landkreis Starnberg gestiegen, nur 90 Stellen blieben im aktuellen Ausbildungsjahr unbesetzt – fast ein Fünftel weniger als 2016. Diese Zahlen meldete die Industrie- und Handelskammer (IHK) zuletzt. Und doch liegt einiges im Argen, was die Ausbildung angeht. Firmen aus nahezu allen Branchen klagen über Bewerbermangel. Nun sollen so genannte Ausbildungsscouts – junge Leute in der Lehre – der bayerischen IHK Schüler im Landkreis von einer Lehre überzeugen.

Vorteil AUsb„Man bekommt sofort Kohle“

330 solcher Scouts haben in Oberbayern bereits 8600 Schülern ihre Berufe vorgestellt. In Starnberg sind es bislang zehn Scouts – und es sollen mehr werden. Damit möchten IHK und Bayerisches Wirtschaftsministerium das Interesse an einer Ausbildung neu entfachen. Dafür sind Azubis besser geeignet als Geschäftsführer, sagen die Organisatoren. Doch wie kommen die Ausbildungsscouts bei den Schülern an?

Sascha Aichinger steht vor Neuntklässlern der Benedictus-Realschule in Tutzing. Es ist ungewöhnlich still für einen Unterricht Aichinger (19), Kapuzenpulli, die halblangen Haare unter der Mütze versteckt, Piercings in Lippe und Nase, ist nicht der Mann für den klassischen Unterricht. Er spricht locker über seine Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker. Während er ein gefrästes Metallteil durch die Reihen gehen lässt, sagt er: „Man bekommt sofort Kohle – drei Jahre Ausbildungsvergütung, danach volles Gehalt. Wenn man will, kann man auch später noch studieren.“ In Mathe solle man aber gut sein, mahnt er. Schließlich komme es bei den Werkteilen auf jeden Millimeter an.

„Die Azubis haben andere Seiten gezeigt“

Nach Aichinger spricht Nadine Grübler (20). Auch die angehende Biologielaborantin möchte sehr ehrlich über ihren Beruf sprechen. Als sie von Tierversuchen spricht, gehen die Augen bei einigen Schülern weit auf. „Das ist schwer zu vermitteln“, sagt Grübler, „aber auch das gehört dazu.“ Tierversuche habe sie zwar nur bei der Zwischenprüfung erlebt – aber wer sich für eine solche Ausbildung interessiert, solle es wissen. Grübler war früher selbst an der Benedictus-Realschule. Sie hätte gerne Ausbildungsscouts im Unterricht gehabt, sagt sie. Auch Sascha Aichinger betont: „Ich habe mich mit der Suche selbst schwergetan.“ Nach sieben Praktika, beispielsweise als Maurer oder Maler, hat er den Berufszweig seines Großvaters eingeschlagen.

Manche der Neuntklässler sind sich noch unsicher, wie es nach der Mittleren Reife weitergehen soll. Die Berichte der Azubis helfen bei der Entscheidung in jedem Fall mehr als die Ausbildungsmessen, sagt Maximilian Bielmeier (15). „Die Azubis haben konkret erklärt, was sie machen.“ Bielmeier möchte noch auf die Fachoberschule gehen. Für Lili Hebök (16) waren nach den Vorträgen einige Fragen offen. „Die haben sie aber gut beantwortet“, sagt die Pöckingerin. Hebök weiß jetzt schon, dass sie sich noch weiter qualifizieren möchte, um Medizin zu studieren. Spannend waren die Erzählungen trotzdem: „Die Azubis haben andere Seiten der Ausbildungsberufe gezeigt.“

Primär geht es um Information und Motivation

Mehr Praxis, weniger Theorie – das ist es, was die Neuntklässler interessierte. Felix Hauser (14) hörte bei den Vorträgen genau hin. Der Feldafinger strebt eine Ausbildung im technischen Bereich an. Ob Ausbildung oder Studium – das ist noch offen.

Auch wenn die Vorträge bei den Schülern sehr gut ankamen: Es ist nicht leicht, sie vom Thema Ausbildung zu überzeugen. Jedes Jahr klagen vor allem handwerkliche Betriebe über fehlende Bewerber. Die Zahl der angetretenen Ausbildungen stagniert schon lange (siehe Kasten) Die IHK möchte mit dem Projekt Ausbildungsscout für diesen Weg begeistern. „Es geht in erster Linie darum, für die Ausbildung zu motivieren und über Berufe zu informieren – erst in zweiter Linie geht es darum, in welchem Betrieb man die Ausbildung absolviert“, sagt IHK-Sprecherin Marina Gattinger.

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