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In der Welt von Cannoli und Maritozzi

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Von: Sandra Sedlmaier

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Die Belegschaft des „Branca“: Antonia Wild (3.v.l.) verständigte sich vor allem auf Englisch.
Die Belegschaft des „Branca“: Antonia Wild (3.v.l.) verständigte sich vor allem auf Englisch. © privat

Die 19-jährige Antonia Wild aus Traubing hat drei Wochen lang in einer römischen Konditorei gearbeitet. Eine besondere Erfahrung für die angehende Konditorin.

Traubing/Rom – Eigentlich wollte Antonia Wild gar nicht nach Rom. „Ich habe mich überreden lassen – und jetzt bin ich sehr froh, dass ich es gemacht habe.“ Die 19-jährige Traubingerin lernt bei der Pöckinger Konditorei Robert Müller und ist im zweiten Lehrjahr. Durch Verbindungen ihrer Schule bekam sie die Chance, ab Mitte Mai drei Wochen in der italienischen Hauptstadt in einer typisch römischen Pasticceria zu arbeiten, wie die Konditoreien in Italien heißen. Das war für Antonia Wild vom Handwerklichen her äußerst interessant, noch mehr aber von den Arbeitsabläufen: „Die Arbeit verlief dort viel entspannter.“ Ihrem Selbstwertgefühl hat der Aufenthalt auch einen ordentlichen Schub verpasst: „Sie wollten, dass ich gleich bei ihnen bleibe und weiterarbeite. Oder zumindest nach der Ausbildung wiederkomme“, erzählt die junge Frau. Das habe ihr gezeigt, wie hoch ein Ausbildungsberuf angesehen ist.

Der Kontakt zur Pasticceria Branca nahe der Basilika Santa Maria Maggiore entstand über die Münchner Berufsschule, die Antonia Wild besucht. Den Großteil der Kosten für den Auslandsaufenthalt übernahm die Schule über ein Erasmus-Plus-Stipendium. Erst war Salerno im Gespräch, was als klassischer Badeort auch interessant gewesen wäre, doch dann wurde es Rom. Zumindest für Antonia Wild – andere Schulkameraden gingen nach Göteborg, Frankreich und Griechenland. „Mein Chef war gleich begeistert, er war während seiner Ausbildung in Frankreich.“

Mit drei weiteren angehenden Konditoren und 18 künftigen Tourismus-Kaufleuten wohnte die Traubingerin in einem Appartement-Hotel. Allein das war eine Erfahrung: sich in der großen Stadt zurechtzufinden und sich selbst zu versorgen. „Bis zu meiner Pasticceria habe ich etwa eine halbe Stunde mit dem Zug und dem Bus gebraucht“, erzählt Antonia Wild. Eine Kollegin, die in einer Eisdiele arbeitete, brauchte deutlich länger, „falls der Zug auch kam“.

Die tägliche Arbeitszeit betrug vier Stunden, von 8 bis 12 Uhr. Die waren offensichtlich größtenteils stressfrei, wie die junge Frau berichtet. „Anders als an meinem Arbeitsplatz hier war es dort völlig in Ordnung, auch mal nur herumzustehen.“ Während es in Pöcking immer etwas zu tun gebe, Putzen, etwas in die Kühlung stellen oder Aufräumen, sei es in der kleinen Pasticceria schon vom Platz her beschränkt gewesen. „Da war ein Tisch, und wenn der sauber war, gab es nichts mehr zu putzen.“ Der Arbeitsaufwand richtete sich nach der Nachfrage: „Wenn etwas aus der Theke des Cafés aus war, haben wir nachproduziert.“ Das konnten mit verschiedenen Cremes gefüllte Windbeutel sein oder klassische italienische Cannoli.

Letztere sind Teigröllchen, die mit Ricotta und Sahne gefüllt sind. Wie sie zubereitet werden, hat Antonia Wild in Rom gelernt. Ebenso, wie man Maritozzi herstellt, mit Creme gefüllte Hefeteigbällchen. Ansonsten hat sie nicht viele Rezepte kennengelernt. „Die Arbeitsabläufe waren ganz anders. Die Teige wurden über Nacht vorbereitet“, erzählt sie. „Wenn ich um 8 Uhr gekommen bin, war die Konditorin Patrizia immer schon da. Ich habe die ganze Zeit nicht herausgefunden, wann sie anfängt.“

Denn da war die Sprachbarriere: Antonia Wild spricht kaum Italienisch, und die Kollegen in Italien konnten kaum Englisch. „Am Ende haben wir uns aber ganz gut verständigt“, sagt die Traubingerin. Und sie versteht inzwischen immerhin so viel von der Sprache, dass sie sich ein Backbuch mit den wichtigsten Rezepten, unter anderem Panettone, gekauft hat – auf Italienisch.

Die Erfahrung möchte sie keinesfalls missen. Rom sei eine tolle Stadt, „die ganze Stadt eine Ruine, da gibt es überall etwas zu sehen“. Nachmittags nutzte sie die Zeit mit ihren Mitschülern für Besichtigungen, jeden Tag gab es ein Eis. „Ich habe meinen Eltern versprochen, dass ich jeden Tag ein Eis esse und zumindest ein Foto davon als Lebenszeichen schicke“, erzählt die 19-Jährige. Das habe sie durchgehalten, bis auf einen Abend. „Am nächsten Tag habe ich dafür zwei Eis gegessen.“

Beim Eis wurde es auch mal sehr außergewöhnlich von der Rezeptur her. In sehr guter Erinnerung hat Antonia Wild das Lavendel-Eis mit weißem Pfirsich und das Rosmarin-Eis mit Honig und Zitrone. Das war ein Genuss –wie überhaupt der ganze Rom-Aufenthalt.

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