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Das Tutzinger Hallenbad ist eines der Themen, über die der Gemeinderat eine Entscheidung treffen muss. Es ist seit vielen Jahren außer Betrieb, wurde zwischendurch als Kleiderkammer genutzt (Foto) und jetzt wieder geschlossen.

Investitionsstau

Es fehlt an allen Ecken und Enden

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  • Sebastian Tauchnitz
    Sebastian Tauchnitz
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In Tutzing ist nach wie vor viel zu tun – und das Geld ist chronisch knapp. Doch warum besteht in Teilen der Gemeinde ein derartiger Investitionsstau? Und was müsste alles gemacht werden? Eine Bestandsaufnahme und Ursachensuche.

Tutzing – Vor einigen Wochen wurde das Alte Lehrerhaus in der Greinwaldstraße in Tutzing gesperrt. Grund waren Statikmängel. Dass es soweit kommen könnte, war vielen im Ort schon länger klar. „Natürlich stand das Alte Lehrerhaus auf der Liste der Vorhaben, die die Gemeinde angehen müsste“, sagt die amtierende Bürgermeisterin Elisabeth Dörrenberg zu dem Thema. „Aber diese Liste ist sehr, sehr lang.“ Fakt sei eben auch, dass die Finanzmittel der Gemeinde sehr knapp sind.

Während die Pöckinger ein paar Kilometer weiter auf einem 60 Millionen-Festgeldkonto sitzen, ist Tutzing chronisch knapp bei Kasse. Grundstücke, die man gewinnbringend verkaufen könnte, hat die Gemeinde kaum noch – da wurde in den vergangenen Jahren bereits viel zu Geld gemacht.

Dazu kommen laut Dörrenberg „immer wieder neue Ideen, die da in München und Berlin ausgeheckt werden und die am Ende die Gemeinden mit ihrem Geld umsetzen müssen“. Sie hat mehrere Beispiele parat. Da war der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz, der im Bundestag beschlossen wurde. Einen neuen Kindergarten gebaut hat dann die Gemeinde Tutzing. Sicher gab es dafür Fördermittel, aber ein erheblicher Teil blieb an der Gemeindekasse hängen.

„Nun wird darüber gesprochen, auch einen Rechtsanspruch auf einen Hortplatz gesetzlich festzuschreiben“ – Dörrenberg redet sich in Rage. Platz für eine Hortbetreuung gebe es kaum, also würde das auch wieder einen Neubau bedeuten. Obwohl man keine geeigneten Grundstücke dafür habe. Und gerade die Grundstücke sind in der Gemeinde Tutzing teuer.

Besonders ärgerlich sei auch das Hin und Her: „2003 wurde beschlossen, dass die bayerischen Gymnasien vom G 9 zum G 8 wechseln. Daraufhin mussten wir eine Mensa am Gymnasium errichten. Nun geht es zurück zum G 9 und die Mensa wird kaum noch benötigt.“

Das alles kostet Geld, das die Gemeinde auch an anderer Stelle gut brauchen kann. Da wäre die Sanierung der Hauptstraße. Den eigentlichen Straßenbau bezahlt der Bund, alle Nebenanlagen und Sonderwünsche müssen aber aus dem Gemeindesäckel finanziert werden. Kommt der momentan diskutierte Kreisel, schickt das Staatliche Bauamt Weilheim die Rechnung dafür an das Tutzinger Rathaus.

Ein weiteres Sorgenkind ist die Mittelschule. Die wird seit vergangenem Jahr saniert. Und die Arbeiten dauern noch einige Jahre an: Bis 2021 will die Gemeinde 7 Millionen Euro investieren. Auch dafür gibt es Fördergelder, doch mehr als die Hälfte bezahlt das Rathaus. Wenn die Arbeiten in vier Jahren dann abgeschlossen sind, kann man an manchen Ecken vermutlich von vorne wieder anfangen. Wie das so ist bei Schulen.

Das Gymnasium ist auch sanierungsbedürftig. Vor allem die 40 Jahre alte Turnhalle hat eine Renovierung dringend nötig. Deren Dach ist undicht – vergangenen Winter hat der Feuchtigkeitseintrag zu Schimmelbildung geführt. Die Halle musste zeitweise geschlossen werden.

Apropos Turnhalle: Die Umkleiden der Sportstätte in der Mittelschule bräuchten auch dringend ein Update. Die sanitären Anlagen sind zum Teil nicht mehr dicht. Sie sind so gut es geht abgedichtet, aber die Gemeinde weiß, dass sie etwas tun muss.

Eine Grundsatzentscheidung muss zum Tutzinger Hallenbad gefällt werden. Es liegt unter der Turnhalle mit den maroden Umkleiden neben der Mittelschule und ist seit Jahren außer Betrieb. Zwischendurch hatte es eine andere Nutzung als „Kleiderbad“; gebrauchte Kleidung, Möbel und anderes für Bedürftige wurden dort zwischengelagert. Zumindest war der Raum zu etwas nützlich. Aus Brandschutzgründen musste es geschlossen werden. Es gab nicht ausreichend Fluchtwege. Sollte sich die Gemeinde entschließen, das Bad zu sanieren, wird das umfänglich und teuer. Die Technik ist veraltet, die Installation nicht mehr brauchbar.

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