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Der Forscher und das Gummibärchen: Bei der Präsentation seiner Forschung in Schongau hatte Linus Seifert aus Tutzing Gummibärchen dabei, weil sie perfekt für die Darstellung von DNA-Modellen sind .

Jugend forscht

Ein Kreis aus Molekülen

Der 17-jährige Linus Seifert untersucht die Zirkularisierung der RNA und ist damit auf wissenschaftlichem Neuland unterwegs. 

Tutzing „Was passiert wohl, wenn ich die Temperatur bei der RNA-Ligation variiere? Und wie kann ich die Herstellung von zirkulärer RNA dadurch vielleicht vereinfachen?“ Wie bitte? Die meisten verstehen hier nur noch Bahnhof. Der 17 Jahre alte Linus Seifert hat sich diese Fragen in seinem Projekt gestellt, das er seit einem Jahr an der Technischen Universität München (TUM) erforscht. Jetzt hat der Nachwuchswissenschaftler aus Tutzing dafür den ersten Preis bei „Jugend forscht“ im Regionalentscheid Voralpenland gewonnen. Damit qualifizierte er sich für die Landesrunde vom 19. bis 22. März in München. Wer sich dort durchsetzt, darf im Mai zum Bundesfinale.

Die Wettbewerbe sind Linus gar nicht so wichtig. „Für mich ist die Forschung interessanter. Ich hoffe, da noch weitere Erfolge erzielen zu können“, sagt der Abiturient des Otto-von-Taube-Gymnasiums in Gauting.

Zurück zum Projekt. „Mit RNA und DNA haben wir uns schon im Biologieunterricht in der Schule beschäftigt“, erzählt Linus. Auf die zirkuläre RNA sei er bei der Internetrecherche gekommen. Aber langsam. RNA ist die Abkürzung für Ribonukleinsäure. Sie ist ein Molekül im Körper, das unter anderem an der Synthese von Proteinen oder Enzymen im Körper zuständig ist. Überwiegend liegt die RNA als Strang mit zwei Enden vor. Also linear. Zirkuläre RNA ist an ihren Enden miteinander verbunden, also sozusagen kreisförmig. „Zirkuläre RNA reichert sich beim Älterwerden vor allem im Gehirn an“, erklärt Linus. Warum das so sei und welche Auswirkung das habe, sei noch nicht vollständig erforscht. „Um das zu erforschen, müsste man die zirkuläre RNA in größeren Mengen herstellen.“ Dieser Vorgang, die Ligation, sei noch sehr fehleranfällig. Hierfür will der 17-Jährige Lösungen finden.

Dazu hat er in einem Versuchsaufbau die Reaktion des Enzyms Ligase mit der DNA und RNA untersucht. Die Ligase ist dabei für die Verbindung der Moleküle von RNA und DNA zuständig. Also auch für deren Zirkularisierung. Linus hat nun in seinem Projekt unter anderem die Frage beantworten können, unter welchen Bedingungen man die Fehlerquote bei der Herstellung zirkulärer Nukleinsäure verringern kann. Das könnte die Voraussetzungen für die Erforschung von deren Einfluss auf das Älterwerden erleichtern.

Für die Juroren ist Linus’ Projekt herausragend, weil dieses Feld vergleichsweise unerforscht ist. „Er ist auf einem Pioniergebiet unterwegs“, sagt Jury-Mitglied Ute Zimmer. „Die Zirkularisierung wird mit Sicherheit in der Gentechnik eine Rolle spielen.“ Allein, dass Linus eine Zirkularisierung der Moleküle geschafft habe, sei außerordentlich. „Wenn er weiter erfolgreich ist, kann er sicher einen wichtigen Beitrag leisten“, sagt Petra Hunger von der Firma Hoerbiger, die den Regionalentscheid mit organisiert hat.

Ende März wird sich in München entscheiden, ob Linus mit seinem Projekt ins Bundesfinale von „Jugend forscht“ kommt. In der Zwischenzeit wird er weiter an der Uni forschen und sich auf sein Abitur vorbereiten. Damit ihm nicht langweilig wird, spielt der junge Forscher einmal die Woche Basketball im Verein und Trompete in einer Bigband. Von Zeit zu Zeit nimmt er an Mathe-Wettbewerben teil, mit großem Erfolg. „Das ist eine nette Abwechslung zur Schule und macht Spaß“, sagt er. Es könnte sein, dass man von diesem talentierten Burschen aus Tutzing noch hören wird.

Maren Knödl

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