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„Kein Zusammenhang mit dem G7-Gipfel“

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Geld fehlt: Die Brücke an der Mündung des Deixlfurter Bachs in den Schwarzen Graben in Traubing, die als sanierungsreif gilt, wird erst in einigen Jahren erneuert. Sie und ihr Umfeld mit dem Platz beim Kriegerdenkmal stehen im Mittelpunkt der Dorferneuerung.
Geld fehlt: Die Brücke an der Mündung des Deixlfurter Bachs in den Schwarzen Graben in Traubing, die als sanierungsreif gilt, wird erst in einigen Jahren erneuert. Sie und ihr Umfeld mit dem Platz beim Kriegerdenkmal stehen im Mittelpunkt der Dorferneuerung. © nz

Entgegen vielen Erwartungen stehen für die Traubinger Dorferneuerung vorerst wohl doch nicht ausreichende Staatsgelder zur Verfügung. Das Ministerium kündigt aber die Ausschreibung für die zentrale Maßnahme fürs nächste Jahr an.

Traubing – Die Dorferneuerung Traubing ist ein laufendes Verfahren des Amts für Ländliche Entwicklung (ALE) Oberbayern, das 2012 eingeleitet wurde. Seitdem haben sich viele Einheimische intensiv für dieses Projekt eingesetzt, etwa in einer „Teilnehmergemeinschaft“, deren Vorsitz Johannes Mühlbauer vom ALE hat. Nach immer neuen Verzögerungen sah Tutzings Bürgermeisterin Marlene Greinwald im Mai auf einer Bürgerversammlung Anlass für Optimismus. Doch mittlerweile ist die Zuversicht wieder getrübt worden. Das ernüchternde Fazit von Thomas Geiger, Vorstandsmitglied und Pressesprecher der Teilnehmergemeinschaft: In den nächsten ein bis zwei Jahren dürften für die Dorferneuerung Traubing nicht genügend Mittel zur Verfügung stehen.

Bei einer Versammlung der Teilnehmergemeinschaft wurde eine Begründung genannt, berichtet ihr Vorstandsmitglied Dr. Franz Matheis, Tutzings dritter Bürgermeister: Viele Gelder seien in die Region des G7-Gipfels im Juni auf Schloss Elmau in Krün (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) geflossen. Für 2023 gebe es deshalb nicht mehr so viele finanzielle Mittel. Mehrere andere Teilnehmer der Versammlung haben diese Angaben gegenüber dem Starnberger Merkur bestätigt. Auf Nachfrage bestreitet das ALE dagegen einen kausalen Zusammenhang zwischen der Umsetzung von Maßnahmen in Traubing und dem G7-Gipfel „dahingehend, dass es deshalb zu Verzögerung bei der Umsetzung von Maßnahmen in Traubing kommt“.

Ähnlich äußert sich das zuständige bayerische Landwirtschaftsministerium: Eine Verzögerung aufgrund anderer laufender Dorferneuerungsverfahren sei nicht der Fall. Das Ministerium kündigt sogar die Ausschreibung der zentralen Maßnahme in Traubing fürs nächste Jahr an. Die Verfügbarkeit von Haushaltsmitteln 2023 ist aber der „bestimmende Faktor“ für den Beginn der Dorferneuerungsmaßnahmen, bestätigt das ALE. Auch die Gemeinde Tutzing habe 50 Prozent der Kosten zu tragen – und noch stehe nicht fest, in welchem Umfang 2023 finanzielle Mittel der Gemeinde zur Verfügung stehen würden. Eine Kostenvereinbarung zwischen ihr und der Teilnehmergemeinschaft müsse noch abgeschlossen werden.

In Traubing bedauern viele auch eine Eindämmung ursprünglich größerer Maßnahmen. Der aktuelle Planungsbereich betrifft eine Neugestaltung der Weilheimer Straße vom „Alten Wirt“ bis zur Birkenstraße. Als zentrale Maßnahme gelten die Sanierung der Brücke beim Kriegerdenkmal sowie weitere kleinere Straßenabschnitte und Brückenbauwerke bei der Einmündung des Deixlfurter Bachs in den Schwarzen Graben. Den Fördermittelbedarf vermutet das Ministerium bei 1,3 Millionen Euro.

Nicht mehr im Fokus stehen andere zunächst angepeilte Maßnahmen: an der Starnberger Straße, an der Weilheimer Straße südlich der Birkenstraße sowie Fußwegeverbindungen. Dazu erklärt das ALE, die Teilnehmergemeinschaft führe die Planungen durch. Eine „Verkleinerung“ könne als durchaus sinnvoll erachtet werden, stehe aber nicht im Zusammenhang mit der finanziellen Situation der Gemeinde und des ALE. In Hinblick auf die langen Verzögerungen verweist das Ministerium auf den Neubau der 2017 eingestürzten Friedhofsmauer und Änderungen des Planungsumgriffs. So sei der Abschnitt der Weilheimer Straße größer als ursprünglich geplant. Die Maßnahme sei seit Beginn der Dorferneuerung in der langfristigen Finanzplanung des ALE berücksichtigt. Bisher habe das Amt rund 50 000 Euro Fördermittel für Planungsleistungen bereitgestellt.

Bürgermeisterin Greinwald wirkt ernüchtert: „Jetzt könnten wir bauen – aber nun scheitert es wieder am Geld.“ Sie gibt sich entschlossen: „Wir planen weiter.“ Thomas Geiger von der Teilnehmergemeinschaft formuliert es so: „Es ist Licht am Ende des Tunnels, aber mit dem Baubeginn rechne ich nicht vor 2024 oder 2025.“

Lorenz Goslich

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