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In friedvoller Umgebung effiziente Schmerzlinderung und Geborgenheit zu vermitteln, gilt als Ziel des Refugiums Beringer Park – ein Blick in eines der Zimmer.

Stachel sitzt tief

Kinderhospiz in Polling: Alte Tutzinger Wunden aufgerissen

Kein Bedarf für ein weiteres Hospiz, kein Versorgungsvertrag: Die Krankenkassen verhinderten 2016 eine solche Einrichtung in Tutzing. Nun soll ein Hospiz in Polling erweitert werden. Die Tutzinger fühlen sich ausgetrickst.

Tutzing – Ein Hospiz auf dem Klostergelände Polling nahe Weilheim soll erweitert werden. Gleichzeitig ist dort ein teilstationäres Kinderhospiz vorgesehen. Das hat der „Hospizverein im Pfaffenwinkel e.V.“ mitgeteilt – und damit in Tutzing alte Wunden aufgerissen. Denn auch in Tutzing gab es vor einigen Jahren ein Hospiz-Projekt, finanziert von privaten Gesellschaftern. Doch es scheiterte, weil die Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassenverbände 2016 einen dafür nötigen Versorgungsvertrag ablehnte. Grund: Es gebe keinen Bedarf. Gegenwind kam dabei nach Überzeugung der Tutzinger vor allem aus Richtung Polling.

Die für 4,5 Millionen Euro im Beringerpark errichtete Tutzinger Einrichtung vermieteten die Gesellschafter dann an einen Intensivpflegedienst, der sich um Beatmungspatienten kümmert. Bis heute sitzt die Enttäuschung bei den Tutzingern tief. „Warum tötet man in Bayern ein Hospiz?“ fragt Dr. Egon Gniwotta, einer der verbliebenen Gesellschafter neben dem früheren Bernrieder Bürgermeister Walter Eberl, Krista Frembs, Prof. Gernot Klein und Ernst Knob. Mehrere frühere Teilhaber sind im Lauf der Zeit ausgeschieden. Ein „Hospizverein Fünf-Seen-Land“ war eigens gegründet worden, um das Tutzinger Projekt zu unterstützen. Wegen der Neuigkeiten aus Polling erinnert der Vorsitzende Dr. Wolfgang Weber-Guskar in einem Mitgliederbrief verärgert an mangelnde Unterstützung durch die Kassen, die Politik und den Hospizverband, die das ohne öffentliche Gelder erstellte, voll funktionsfähige Tutzinger Hospiz „sabotiert“ hätten. 

Nach Polling werde dagegen hohe öffentliche Förderung fließen

Nach Polling werde dagegen hohe öffentliche Förderung fließen. Den dort geäußerten Bedarf an neuen Hospizbetten sieht Weber-Guskar als Bestätigung für die in Tutzing stets vorgebrachten Argumente. Die Ablehnung des Versorgungsauftrags war für ihn menschenverachtend: Während Menschen nicht ins Hospiz aufgenommen wurden und zu Hause, auf Palliativstationen oder in Heimen starben, habe man in Polling „das Vorhandensein einer Warteliste oder die vergebliche Anmeldung“ verneint.

Über die Leistungen des Pollinger Hospizvereins spricht der Tutzinger Mitinitiator Gniwotta trotzdem mit großem Respekt und Anerkennung. Mehrere Gesellschafter der Tutzinger Anlage sind Polling schon lange verbunden. Dessen ungeachtet halten sie wegen des Bedarfs beide Einrichtungen für notwendig. Von ihrem Plädoyer für ein Hospiz in Tutzing rücken sie deshalb nicht ab, wenn sie sich auch klar darüber sind, dass die Chancen dafür mit einer Erweiterung der Pollinger Einrichtung weiter sinken dürften. Was unter diesen Umständen aus dem Hospizverein Fünf-Seen-Land wird, darüber sollen dessen Mitglieder im Oktober oder November befinden.

Lorenz Goslich

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