Attacke auf Passanten in Hamburg: Ein Toter, mehrere Verletzte

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Ein Prosit zum Abschied: Angelika Pfaffendorf (2.v .l.), Heiner Haack und einige ihrer Mitstreiter öffnen heute zum letzten Mal das Kleiderbad im ehemaligen Hallenbad in Tutzing. Gedacht für zwei bis drei Monate, hat es die Einrichtung nun zwei Jahre gegeben. 

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Kleiderbad Tutzing schließt: Ende einer Erfolgsgeschichte

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Das Kleiderbad in Tutzing ist im Landkreis einmalig. Zwei Jahre lang sind von dort aus Tausende von Kleidern, Spielsachen, Fahrrädern und anderen nützlichen Dingen an Flüchtlinge und andere Hilfsbedürftige gegangen. Heute öffnet es zum letzten Mal.

Tutzing – Angelika Pfaffendorf kann sich noch genau an den Herbst 2015 erinnern. Als in Tutzing, in Pöcking und in Berg die Flüchtlingszelte aufgestellt wurden. Als die ersten Asylbewerber „nur mit Flip-Flops an den Füßen bei uns standen“. Als sie sich fragte, wie sie den Menschen helfen kann. Und als sie schließlich zusammen mit Heiner Haack im Rathaus bei Bürgermeister Rudolf Krug und beim Geschäftsführenden Beamten Marcus Grätz vorstellig wurde. „Nach einer halben Stunde waren wir uns einig“, erzählt die 58-Jährige im Rückblick: Im Hallenbad ist Platz für eine Sammelstelle für Kleider und andere Dinge des täglichen Bedarfs.

Erst ging es bloß um die Umkleide, irgendwann war das ganze Bad ein einziges großes Lager. „In Spitzenzeiten haben sich die Dinge dort getürmt. Nicht nur Kleider, auch Kinderwagen und Spiele für Kinder“, erinnert sich Grätz und sagt „Hut ab“ vor der Leistung der Ehrenamtlichen.

Bis zu 60 Helfer arbeiteten mit, zimmerten stabile Kleiderstangen, nahmen Spenden entgegen, sortierten Sachen, gaben Ware aus, kümmerten sich um die Hilfsbedürftigen, deren Kreis mit der Zeit immer größer wurde – wie auch der Kreis der Spender. Die Tabaluga-Stiftung war mit dabei, von einer Großlieferung warmer Jacken aus Australien wanderten 100 Exemplare nach Tutzing. Auf der anderen Seite des Tisches waren natürlich Asylbewerber, aber auch Deutsche wie alleinerziehende Mütter, Flutopfer in Simbach am Inn oder obdachlose Männer in München, die über die Benediktinerabtei St. Bonifaz betreut werden. Auch die Tschernobyl-Kinder, der Tierschutzverein und die Aktion „Sea Eye“, ein Schiff vor der libyschen Küste, bekamen Spenden.

Immer mittendrin: Angelika Pfaffendorf. „Wir sind ein so reiches Land“, sagt sie. „Warum sollen wir da den armen Menschen nicht helfen?“ Jetzt aber kann die 58-Jährige nicht mehr. Der Arzt hat die Reißleine gezogen. „Es ist nichts Schlimmes, aber ich soll mich zurücknehmen“, sagt sie im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Und sie überschüttet die vielen Mitstreiter und Spender mit Lob: „Wir waren eine tolle Truppe. Vielen Dank.“

Auch für den katholischen Pfarrer Peter Brummer war das Kleiderbad etwas Besondere. „Da waren Menschen zur richtigen Zeit am richtigen Ort und haben Immenses geleistet“, sagt er. „Auch die Asylbewerber haben mitgeholfen. Wir haben sie immer miteinbezogen – gemäß unserer Maxime: Hilfe zur Selbsthilfe.“

Einziges Manko in all den Jahren: der Brandschutz. „Deshalb durfte sich in dem Raum immer nur eine bestimmte Anzahl Menschen aufhalten, und wir haben überall Rauchmelder installiert“, sagt Gemeindegeschäftsführer Grätz. Und es sei klar gewesen, dass das Kleiderbad nur eine vorübergehende Sache sein konnte.

„Der Auftrag war, die Sache langsam zurückzufahren“, sagt Grätz. „Aber wir haben keinerlei Druck ausgeübt. Es ging nicht darum, irgendetwas übers Knie zu brechen, sondern langsam aufzuräumen.“ Dennoch war ein Mitarbeiter des Bauamts im Mai bei einer Begehung überrascht, wie viel Zeug noch da war. Jetzt wird das Kleiderbad leer geräumt. Von 9 bis 17 Uhr hat es heute ein letztes Mal für Bedürftige geöffnet. Ein großer Rest geht noch einmal an St. Bonifaz, was dann noch übrig ist, erhält die Diakonie. Und dann heißt es: Schluss, aus, Ende.

Die Lücke, die das Kleiderbad hinterlässt, können laut Pfarrer Brummer zumindest teilweise der Tutzinger Trödelladen und die Kleiderstube im alten Pfarrsaal unterhalb der Pfarrkirche St. Joseph füllen. Sie sind dienstags bis donnerstags von 10 bis 12.30 Uhr und von 14 bis 17 Uhr geöffnet sowie samstags von 10 bis 12.30 Uhr. „Und wir arbeiten mit Caritas und Diakonie zusammen, die bei Wohnungsauflösungen Dinge aufheben“, sagt Brummer, der zudem im Pfarrgemeinderat darüber sprechen will, wie sich St. Joseph weiter einbringen kann. „Das Kleiderbad war eine außerordentliche Erfolgsgeschichte, die wir nie erwartet haben.“

Wie es mit dem Hallenbad weitergeht, ist unklar. „Das ist eine politische Entscheidung“, unterstreicht Grätz. „Offiziell ist das Bad stillgelegt.“ Auch deshalb, weil vor einigen Jahren eine großflächige Sanierung des Unterbaus von Schwimmbad und darüberliegender Turnhalle stattgefunden habe. „Dafür haben wir Zuschüsse erhalten.“ Und damit sei man gebunden. „Aber machen wir uns nichts vor: Wenn man das Bad wieder in Betrieb nehmen will, ist eine Generalsanierung nötig.“

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