Bald ganz offiziell Eigentum der Gemeinde Bernried: das Kloster im Ort.
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Bald ganz offiziell Eigentum der Gemeinde Bernried: das Kloster im Ort.

Kloster Bernried verkauft

Freude beim Orden

Die Tutzinger Missions-Benediktinerinnen freuen sich über eine mögliche Lösung für das Kloster Bernried. Der Verkauf an die Gemeinde soll bis Ende dieses Jahres perfekt sein.

Tutzing/Bernried – „Das ist für mich ein gutes Erstlingsprojekt“, sagt Georg Malterer eher bescheiden. Für den neuen Bürgermeister der 2300-Einwohner-Gemeinde Bernried gibt es seit seiner Wahl im vorigen Jahr eine große Aufgabe: Den Kauf des Klosters Bernried von den Tutzinger Missions-Benediktinerinnen. Seit einem einstimmigen Beschluss des Gemeinderats 2020 ziehen sich die Verhandlungen schon hin, aber laut Malterer sind sie mittlerweile weit gediehen. Die Genehmigung der Kommunalaufsicht steht zwar noch aus, doch der Bürgermeister hofft, bald einen Abschluss erzielen und noch heuer zum Notar gehen zu können. Ruth Schönenberger, die Priorin des Tutzinger Klosters, freut sich nach eigenen Angaben sehr darüber, dass der Verbleib der 16 Ordensschwestern im Kloster gesichert ist. Sie spricht von einem „tollen und zukunftsfähigen Konzept“.

Über den Kaufpreis, zweifellos in beachtlicher Millionenhöhe, gibt es bisher keine Angaben. Malterers Vorgänger Josef Steigenberger schmunzelt bei der Frage nach der Finanzierung. „Wir haben gute Vorratspolitik betrieben“, sagt er, „also mit dem Kauf von Grundstücken.“ Malterer verweist auf großes Engagement auch schon von Steigenbergers Vorgänger Walter Eberl in dieser Hinsicht, beispielsweise damals mit dem Erwerb des Klosterhofs: „Deshalb können wir es uns jetzt leisten.“

Die Missions-Benediktinerinnen hatten die alte Klosteranlage, ein säkularisiertes Augustiner-Chorherren-Stift, 1949 erworben, dort eine Haushaltungsschule mit Internat gegründet und die Einrichtung in den 1970er Jahren in ein Bildungshaus für kirchliche Erwachsenenbildung umgewandelt. Mit der Zeit baute sich aber ein Berg schier unüberwindlicher Probleme auf, mit Nachwuchssorgen, schwieriger Instandhaltung der Immobilie und behördlichen Auflagen, besonders in Sachen Brandschutz. „Das Geburtstagskind war ernsthaft krank, brauchte umfassende Behandlung“: So formulierte es Priorin Schönenberger kürzlich beim Festakt zur Gründung der Klosterstiftung vor 900 Jahren. Alle möglichen Wege wurden geprüft: Verkauf an private Investoren, Kooperationen, Betreibermodelle. Doch dann konkretisierte sich das Interesse der Gemeinde.

Bernried sei ein Klosterdorf, sagt Malterer: „Das Kloster ist Teil unserer Identität, es ist so wichtig, dass wir es selbst in die Hand nehmen.“ Alle möglichen Zukunftsvisionen für das Kloster habe es bereits gegeben, unter anderem für ein Luxushotel. Wie gut die Zusammenarbeit mit den Missions-Benediktinerinnen schon vor dem endgültigen Verkauf funktioniert, belegt eine Vereinbarung, die der Gemeinde in gewissem Rahmen schon jetzt Aktivitäten als Bauherr im noch fremden Bestand erlaubt hat: Im so genannten Gartensaalgebäude öffnet bereits eine Kinderkrippe, die Umgestaltung ist schon erledigt. In weiteren Schritten hat die Gemeinde mit dem Kloster viel vor. Der Ostflügel soll zum Grundschulstandort umgebaut werden. Bis zu einem Gasthof und einem Biergarten im Klosterhof spannt sich der Bogen der Überlegungen.

Darüber hinaus will die Gemeinde die Trägerschaft für das Bildungshaus übernehmen und dessen Tagungsbetrieb mit etwa 35 Mitarbeitern im West- und Südflügel in etwas kleinerem Maß als bisher fortführen – alles unter strenger Beachtung des Denkmalschutzes. Ein neues Kommunalunternehmen soll den Betrieb regeln und weitere Aufgaben übernehmen: gemeindliche Liegenschaften, Infrastruktur, Kulturförderung.

Lorenz Goslich

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