Die Freiwillige Feuerwehr Tutzing ist kaum vorstellbar ohne ihn: Der 60-jährige Markus Kuisl überlässt die Leitung der Wehr aber nun Jüngeren.
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Die Freiwillige Feuerwehr Tutzing ist kaum vorstellbar ohne ihn: Der 60-jährige Markus Kuisl überlässt die Leitung der Wehr aber nun Jüngeren.

Ehrenamtlicher sagt Servus

Kommandant der Herzen: Markus Kuisl hört nach Rekordzeit im Amt auf

24 Jahre war Markus Kuisl Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Tutzing. So lange war vor ihm in der Seegemeinde niemand in diesem Amt.

Tutzing – Manche Familien sind regelrecht Stützen der Feuerwehren, und das über Generationen. Die Familie Kuisl in Tutzing ist so ein Beispiel. Markus Kuisl (60) hat kürzlich nach 24 Jahren seine Funktion als Feuerwehrkommandant abgegeben, zu seinem Nachfolger wurde Christoph Knobloch (28) gewählt.

So lange wie Kuisl war kein anderer vor ihm in diesem Amt gewesen. Sein Vater Alfons Kuisl war von 1964 bis 1979 stellvertretender Kommandant, dann bis 1990 Kommandant und anschließend sechs Jahre Vorsitzender des Feuerwehrvereins gewesen. So etwas prägt. „Ich bin mit der Feuerwehr aufgewachsen“, erzählt Markus Kuisl. „Das Feuerwehrhaus war mein Spielplatz.“ Für den gebürtigen Wartaweiler war der weitere Lebensweg damit vorgezeichnet, auch wenn ihn der Beruf zu BMW führte.

Nach dem Abitur 1980 absolvierte er bei dem Autokonzern eine Lehre. Auch bei diesem Unternehmen kann er seitdem einer Leidenschaft nachgehen: der fürs Motorradfahren. Er arbeitet bei BMW Motorrad, privat liebt er vor allem klassische Maschinen. Als aber vor 25 Jahren der damalige Gerätewart der Tutzinger Feuerwehr aufhörte, entschloss sich Kuisl zu einer einschneidenden Änderung: Er wurde neuer Gerätewart und wandelte seine Tätigkeit bei BMW in Teilzeit um. Am schlimmsten hat Kuisl einen Verkehrsunfall bei Garatshausen 1977 in Erinnerung, bei dem vier Tutzinger Gymnasiasten ums Leben kamen. Damals war er erst 17 Jahre alt.

Durchschnittlich rücke die Feuerwehr im Jahr zu etwa 150 Einsätzen aus, erzählt er. „Klassische Brände“ seien eher selten. Auch Bootshütten haben schon gebrannt. Ein Einsatzboot des Landkreises steht im Tutzinger Feuerhaus. Das zeigt die Breite des Spektrums. Auch Schiffe sind schon gegen Ufermauern oder Stege gefahren. In der Heinrich-Vogl-Straße hat einmal ein Fahrrad gebrannt. Oft ist Improvisation nötig. Viele Betroffene sind immer wieder erstaunt, wie gut sich die meisten Feuerwehrleute handwerklich auskennen. Nur selten kommen sie allein nicht weiter. Als eine Katze einmal auf einem Baum in 15 Metern Höhe angelangt war, traute sie sich nicht mehr hinunter, erzählt Kuisl – und die Feuerwehr kam trotz ihrer langen Drehleiter nicht heran. Sie zog einen Baumpfleger hinzu, der das Tier befreite.

Auch Zutritt zu Gebäuden können sich die Feuerwehrleute trotz aller Sicherheitsvorkehrungen bei Einsätzen verschaffen. „Ich kenne keinen Fall, wo wir nicht reingekommen sind“, sagt Kuisl. Und dann gibt es noch eine ganz andere Kategorie von Einsätzen: Bei den historischen Fischerhochzeiten war die Feuerwehr immer mit 25 oder 30 Personen dabei, beim Maibaum-Aufstellen sogar mit etwa 40 Helfern. Früher hat die Feuerwehr auch selbst Seefeste veranstaltet.

Vor zwei Jahren hat Markus Kuisl das Steckkreuz des Feuerwehr-Ehrenzeichens erhalten, die höchste bayerische Auszeichnung auf diesem Gebiet. Ihm selbst ist eine andere Ehrung fast noch wichtiger: das silberne Vereinsabzeichen der Traubinger Feuerwehr, der er als Fördermitglied angehört. Dass der allseits beliebte Tutzinger der Feuerwehr eng verbunden bleiben wird, daran zweifelt niemand. Schon am Tag nach der Wahl seines Nachfolgers, einem Samstag, war er wieder im Feuerhaus anzutreffen. Aber nun will er auch viel Zeit mit seiner Familie verbringen. Seit 1991 ist er mit seiner Frau Kerstin verheiratet. Tochter Anna (27) hat sich der Biotechnologie, Sohn Anton (23) den elektronischen Systemen zugewandt. Nicht zuletzt wird bestimmt die Leidenschaft fürs Motorradfahren etwas mehr zu ihrem Recht kommen.

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