+
Eines der künstlerischen Gebilde, die Ricardo Salazar im Schlosspark Garatshausen kreiert hat. In einem Koffer brachte er Fischernetze aus Venezuela an den Starnberger See. Er reiste für Familienfeierlichkeiten nach Pöcking.

Im Schlosspark Garatshausen

Künstler aus Venezuela hängt bunte Fischernetze am Starnberger See auf - sie müssen wieder weg

  • schließen

Gefärbte Fischernetze aus Venezuela bilden, zwischen Bäumen gespannt, dreidimensionale Flächen: Das Kunstwerk im Schlosspark Garatshausen musste nach nur zwei Tagen aber wieder abgebaut werden – weil die Naturschutzbehörde informiert wurde.

Garatshausen – Die Kunst passt perfekt zum Starnberger See, und doch lebt ihr Schöpfer so weit davon entfernt: Ricardo Salazar, Mitte 50, wohnt in Caracas, der Hauptstadt Venezuelas. Er ist Schlosser, drückt sich aber nebenbei künstlerisch aus. Er hat sich auf Beleuchtungsinstallationen spezialisiert, steht auf Theaterbühnen – und er spannte vergangene Woche gefärbte Fischernetze aus Venezuela im Schlosspark Garatshausen. Mit diesen kreierte er bunte, dreidimensionale Flächen, jede für sich ist einzigartig.

Ein Urlauber bringt landestypische Kunst mit. Das allein wäre eine schöne Geschichte. Nicht so schön für Salazar ist aber, dass seine Kunst nicht erwünscht ist. Mehr noch: Die Naturschutzbehörde des Landratsamts sorgte dafür, dass die Netze nach nur zwei Tagen wieder abgehängt werden mussten. Das berichtet Martin Böhm auf Nachfrage des Starnberger Merkur. Salazar ist der Schwager seiner Frau und gerade für Familienfeierlichkeiten in Deutschland. Böhm half ihm beim Aufbauen der Installation im Schlosspark – und bei der Kommunikation mit jenen, die die Sache kritisch sehen.

Senioren befürchteten, dass sich Vögel verheddern

Bewohner des BRK-Seniorenheims befürchteten, dass sich Vögel in den Netzen verfangen können, und informierten die Behörde. Ein Mitarbeiter kam daraufhin vorbei und drängte darauf, dass die Netze abgebaut werden. Das bestätigt Landratsamtssprecherin Barbara Beck: „Gerade in der Dämmerung ist es gefährlich für Vögel und Fledermäuse.“ Im BRK-Wohnheim war am Freitag niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Das Abhängen übernahmen Künstler und Helfer selbst. „Wir wollen keinen Unfrieden stiften oder die Bewohner des Heims in zwei Lager spalten. Dann hätte die Aktion ihr Ziel verfehlt“, sagt Böhm. Einigen hätte die Kunst durchaus gefallen. Unaufgeregt schildert der Pöckinger den Vorgang, er sucht nun nach anderen Möglichkeiten für Salazars Installation. In zwei Wochen reise der Venezolaner wieder ab.

Helfer des Künstlers: „Das ist eher eine gefühlte Angst.“

Für begründet halten die beiden die Sorgen der Heimbewohner und der Naturschutzbehörde allerdings nicht. „Das ist eher eine gefühlte Angst. Die Netze hingen drei Monate lang in einem Reservat eines Nationalparks in Venezuela“, sagt Böhm. Und dabei habe sich – bis auf einen Frosch – kein einziges Tier verfangen. Dass keine Gefahr besteht, soll nun ein Zertifikat aus Salazars Heimatland zeigen. Der Künstler will es sich schriftlich geben lassen, dass selbst im Urwald keine Vögel in den Fischernetzen verenden.

Für das nächste Projekt gelte es, sich vorher mit Ornithologen, also Vogel-Experten, abzustimmen, sagt Martin Böhm. Etwas enttäuscht ist er schon. „Es war ja ein Aufwand, die Netze in einem Koffer nach Deutschland zu bringen, einzufärben und aufzuhängen.“ Zudem sei eine Vollmondfeier geplant gewesen, bei der die Netze beleuchtet werden sollten.

Ricardo Salazars Kunst lässt viel Interpretationsspielraum, auf die Einzigartigkeit des Augenblicks verweist sie definitiv. Mit den Fischernetzen lassen sich Flächen bilden, gleichzeitig sind sie durchsichtig – eine „Dualität“, die Martin Böhm sehr reizvoll findet.

Lesen Sie auch:

Mit einem provokanten Parkmanöver in seinem Porsche Cayenne versperrt ein Rentner aus Inning bei Starnberg einem Landwirt den Weg durchs Dorf. Ein Gülle-Streit eskaliert.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Schwerkranke Frau bekommt von Jobcenter nur 4,24 Euro im Monat: Betreuer mit drastischen Schritten
Keine fünf Euro bekommt eine psychisch und körperlich kranke Starnbergerin vom Jobcenter. Der Fall zeigt auf dramatische Weise, wie jemand durch das Sozialsystem fallen …
Schwerkranke Frau bekommt von Jobcenter nur 4,24 Euro im Monat: Betreuer mit drastischen Schritten
Er ist auf Hilfe angewiesen:  Schule verweigert Bub (12) den Zutritt - „Abgefangen wie Verbrecher“
Als die Schulbegleitung erkrankt, wird dem 12-jährigen Elias der Zutritt verweigert. Die Regierung gibt der Schule recht für ihr Handeln.
Er ist auf Hilfe angewiesen:  Schule verweigert Bub (12) den Zutritt - „Abgefangen wie Verbrecher“
Jesuskind in irisierendem Glanz
Der Kulturverein Garatshausen zeigt zur Adventszeit wieder seine Krippe aus dem 19. Jahrhundert in der Marienkapelle. Die Figuren sind besonders schön, weil sie frisch …
Jesuskind in irisierendem Glanz
Baustellen-Frust unter den Gewerbetreibenden an der Petersbrunner Straße
Die Baustelle auf der Petersbrunner Straße in Starnberg sorgt bei den anliegenden Gewerbetreibenden zunehmen für Frust. Zudem herrscht Unverständnis über die Absage der …
Baustellen-Frust unter den Gewerbetreibenden an der Petersbrunner Straße

Kommentare