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„Tutzing – gestern, heute, morgen“ lautete das Motto der Tutzinger Kulturnacht. Und nicht nur bei der von Christina Adler organisierten „Schönheitsgalerie“ mit Modenschau zeigte sich, wie vielschichtig das Thema ist.

Kulturnacht

Kunst in allen Gassen

Beste Stimmung herrschte neben der Kirche St. Joseph, als die St. Josephs-Bläser am Freitagabend die Tutzinger Kulturnacht eröffneten. Pfarrer Peter Brummer fand auch einen „traurigen Aspekt“.

Tutzing – Mit diesen Worten holte er den vier Jahre alten Jeffry aus Nigeria nach vorn, der mit seiner Mutter abgeschoben werden soll.

„Man kann mit Politik keine Kultur machen, aber man kann mit Kultur Politik machen“ – so zitierte Kulturreferentin Brigitte Grande den früheren Bundespräsidenten Theodor Heuss bei der nicht sonderlich gut besuchten Eröffnung. Gemeinderat Dr. Thomas von Mitschke-Collande holte bei der Versteigerung eines handsignierten Porträts von Peter Maffay trotzdem humorvoll moderierend 380 Euro heraus. Den Zuschlag bekam am Ende Manfred Kurz, der clever geboten hatte. Seine Fähigkeit solle Mitschke-Collande mal zur Verbesserung der Gemeindefinanzen nutzen, witzelte Brigitte Grande.

Kulturnacht: „Eine Erfolgsgeschichte“

„Eine Erfolgsgeschichte“ nannte die amtierende Bürgermeisterin Elisabeth Dörrenberg die Kulturnacht. Später waren tatsächlich Tausende Menschen unterwegs. Die Kleinsten wagten sich in der Grund- und Mittelschule auf die Bühne. Gleichzeitig fesselten in der Gemeindebücherei sieben Damen mit Lesungen, und im Ortsmuseum berichtete Gemeinderat Dr. Toni Aigner von Menschen, die dem Schriftsteller Albrecht Haushofer auf der Flucht vor den Nationalsozialisten geholfen haben.

Selbst die Kleinsten waren mit Feuereifer dabei. Ihr Lohn war – wie bei den Großen – tosender Applaus.

In der Rathaus-Tenne trugen die „Ginger Bad Boys“ grandios Jazz-Klassiker vor, im evangelischen Gemeindehaus sang die Gruppe „Rock’n Water“ engagiert Gospel, später spielten Thomas Gleitz und Richard Willbold einfühlsam Folkongs. Gleich mit zwei Orgeln brillierten Helene von Rechenberg und Gerlinde Bachinger in St. Joseph, bevor die Pianistin Julia Ito und der Querflötist Umtum Yang im Roncallihaus gefeiert wurden. Sichtlich begeistert waren viele vom Obertraubinger Akkordeon-Ensemble „Diskanto“. Einige Mädchen, die bei einem Schülerkonzert der Musikschule mitwirkten, fragten später in der Galerie am Rathaus, ob sie einem Profi – dem Pianisten Thomas Fischer – zuhören dürften.

Von Luther über Marokko bis Kenia

Das Motto „Tutzing – gestern, heute, morgen“ stachelte regelrecht an. Die bauliche Verdichtung Tutzings durch Zuzug war ein Thema bei der Tutzinger Gilde, bei einer Ausstellung mit Werken des Malers Anton Leidl (1900-1076) berichtete der Künstler Karlheinz Fuchs, dass die Eigentümer der einst von Leidl bewohnten „Violaburg“ an einem Verkauf interessiert sind. In der Akademie für politische Bildung glänzten Künstler aus Syrien und Marokko, in der Evangelischen Akademie gab es eine Lesung „rund um Luther“ mit der Schauspielerin Jovita Dermota. Bei einer von der Schauspielerin Christine Adler organisierten „Schönheitsgalerie“ spannte sich der Bogen von Lola Montez bis zu einer kenianisch-deutschen Modenschau.

Bis auf den letzten Platz besetzt war der Zuschauerraum in der Grund- und Mittelschule.

Im Gymnasium präsentierten Schüler ausgefallene Designs, dann trugen sie nachdenkliche Texte vor, bis Schulorchester und -band aufspielten – alles kulinarisch umrahmt. In der Benedictus-Realschule ging die Post ab, als Schüler und Lehrer mit ihren Bands für Stimmung sorgten. Für Film- und Foto-Freunde gab’s dann noch Präsentationen der Fotogruppe Traubing im Rathaussaal und den Spätfilm „Trüffeljagd im Fünfseenland“ im Kurtheater. Wie das alles zu schaffen war? Kulturreferentin Brigitte Grande atmete anschließend erst mal durch: „Ich bin nur rumgesprintet.“ Von Lorenz Goslich

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