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Der letzte große Auftritt des Liederkranzes Tutzing fand zur Fischerhochzeit statt. Die Sänger umrahmten unter anderem den Polterabend mit ihrem Gesang.

Liederkranz Tutzing

Schlussakkord nach 142 Jahren

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Es hatte sich seit Monaten abgezeichnet. Jetzt ist es beschlossen. Der Liederkranz Tutzing löst sich zum 1. September auf. Das letzte Kapitel einer 142-jährigen Vereinsgeschichte ist aufgeschlagen.

Tutzing – Es war ein langer Überlebenskampf, den die Mitglieder eines der traditionsreichsten Tutzinger Vereine nun aufgegeben haben. Seit Jahren hat der Liederkranz, gegründet 1875, um jungen Nachwuchs geworben. Ohne durchschlagenden Erfolg.

Die Folge: 2014 hat sich der bis dahin reine Männerchor für Frauenstimmen geöffnet. Das war zunächst von Erfolg gekrönt. Weibliche Mitglieder haben dann auch Verantwortung in Vorstandsämtern übernommen. Aber das Grundproblem konnte der Liederkranz nicht lösen. Es mangelte an Männerstimmen. Die älteren Sänger haben sich aus dem aktiven Mitwirken zurückgezogen, heuer waren es allein sechs Sänger. Aber Nachwuchs stellte sich nicht ein. Zuletzt zählte der Liederkranz noch knapp 20 aktive Sänger, erzählt die stellvertretende Vorsitzende Erika Degele. Hinzu kamen etwa 60 passive Mitglieder.

Die Nachwuchssorge war zuletzt nicht das einzige Problem des Vereins. Im vergangenen Jahr verabschiedete sich die 2015 gewählte Vorsitzende Wiltrud Wolff-Telgmann von Tutzing, sie zog nach Baden. Auch wenn sie sich weiter um den Liederkranz kümmerte, mit Telefon und E-Mail lässt sich allerdings nicht alles lösen.

Nach der Fischerhochzeit war für die Dirigentin Schluss

So nahm immer mehr ihre Stellvertreterin Erika Degele das Heft in die Hand. Und dann musste auch die langjährige Dirigentin Dr. Ina Lang ihr Engagement beenden – aus beruflichen Gründen. Die Medizinerin hatte eine Vollzeitstelle in München übernommen. Das war mit dem nebenberuflichen Wirken als Chorleiterin nicht mehr vereinbar. Nach der Fischerhochzeit war für die Dirigentin Schluss.

„Es kam eins zum anderen“, resümiert Erika Degele, „so haben wir bereits bei der Versammlung im Januar beschlossen: Wir machen noch weiter bis zur Fischerhochzeit und sehen dann, ob uns noch eine Lösung einfällt.“

Diese vage Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Zwei Tage nach dem Historienspiel fiel die Entscheidung: Am 4. Juli beschloss die erneut zusammengerufene Mitgliederversammlung die Vereinsauflösung zum 1. September.

„Bis dahin haben wir Zeit, den Verein ordentlich abzuwickeln, so wie es die Satzung vorsieht“, erklärt die Vize-Vorsitzende. Große Vermögenswerte kann der Liederkranz nicht der satzungsgemäßen Bestimmung (Förderung der Kultur in der Gemeinde) zuführen. „Wir sind mit den Finanzen immer gerade so ausgekommen – plus-minus Null“, sagt Erika Degele. Für das laufende Jahr seien in Erwartung der Auflösung schon keine Mitgliedsbeiträge mehr eingezogen worden.

Der Nachlass geht ans Gemeindearchiv

Im Laufe der 142 Jahre haben sich aber auch verschiedene Schriftstücke angesammelt. Hinzu kommen die Noten, die das Repertoire des Liederkranzes widerspiegeln. „Das ist alles bereits fein säuberlich verpackt und liegt in unserem Archiv in der alten Tutzinger Schule“, erklärt Degele. Weil in der Schule zur Zeit umfangreiche Sanirungsmaßnahmen laufen, hat der Verein das wertvollste Dokument, die handgeschrieben Chronik aus dem Jahr 1875, bereits dem von Roswitha Duensing betreuten Gemeindearchiv anvertraut. Nach Rückkehr der Archivarin aus dem Urlaub werden man sich mit ihr zusammensetzen und sichten, was mit den anderen Papieren und Dokumenten passiert. „Vielleicht reicht es ja für eine Ausstellung über die Historie des Liederkranzes im Tutzinger Ortsmuseum“, diese Option will Erika Degele nicht ausschließen.

Die Vereinsstandarte wird dort bleiben, wo sie schon immer aufbewahrt wurde: in der katholischen Pfarrkirche St. Joseph direkt gegenüber des Rathauses. Bei passenden kirchlichen Feiern wird sie herausgeholt – eine optische Reminiszenz an den Tutzinger Liederkranz.

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