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Ein starkes Team (v.l.): Luis Tarabochia, Dominik Müller, José Luis Domecq, Laura Fischer, Hugh Brayshaw, Julian Stückl, Mareike Weber, Rasmus Nielsen, Marco Tarabochia und Jörg Reißland.

Nord Stream Race - das Logbuch

Bewunderung für die Milchgesichter

1000 Seemeilen auf der Ostsee: Eine Crew des Deutschen Touring Yacht-Clubs stellt sich derzeit dem Nord Stream Race.

15. Tag: Bewunderung für die Milchgesichter

Als sie endlich das Podium entern durften, da hingen die Augenlider der Tutzinger Segler noch auf Halbmast. Nur eine Mütze voll Schlaf war den Übernächtigten geblieben, nachdem sie erst am frühen Morgen in ihre Hotelbetten gekommen waren. Stundenlang hatten sich die Modalitäten am russischen Zoll hingezogen. Diese Tortur steckte die völlig geschaffte Crew des Deutschen Touring Yacht-Clubs genauso souverän weg wie die Siegerehrung im Marine Museum von St. Petersburg. Vor großem Presseaufgebot bekamen die Segler aus Oberbayern die Trophäe für den Sieg in der Inshore-Wertung des Nord Stream Race überreicht, die eigentlich wie die beiden anderen Pokale an die schwedischen Profis vom Cape Crow Club gehen sollte. Für den dritten Rang nach den vier Offshore-Rennen und den zweiten Platz in der Gesamtwertung huldigten die Veranstalter dem Außenseiter nur mit warmen Worten.

„Ich bin froh, dass es vorbei ist“, gab ein völlig übermüdeter Dominik Müller zu. Dabei ließ sich nur schwer sagen, was den Segler mehr gestresst hat: Die Prozedur bei der Preisverleihung oder die letzte Passage von Helsinki nach St. Petersburg. Bis vier der fünf gestarteten Mannschaften (die Dänen gaben wegen Mastproblemen schon vorher auf und nahmen Kurs auf Estland) am Mittwochabend gegen 20 Uhr endlich an ihrem Zielort eintrafen, mussten sie noch eine lange und kalte Nacht und die obligatorischen Launen der Ostsee überstehen. Wieder fegte der Wind mit über 25 Knoten über das Meer und sorgte für gewaltige Wellen. „Es war schon kräftezehrend“, räumte Müller ein. Die Crew war auf ihrer letzten Etappe noch einmal hart rangenommen worden.

Die Abschiedsvorstellung geriet dem DTYC nicht wie gewünscht. Der geplante Angriff auf die führenden Schweden, die am Ende sowohl den Pott für den Sieg in der Offshore- als auch in der Gesamtwertung einheimsten, schlug fehl, weil die Crew eine Stunde lang wegen Materialproblemen ohne Großsegel fahren musste. Zu allem Überfluss entschied sich das Team nach der ersten Tonne noch für den falschen Kurs. „Wir haben zwar noch aufgeholt“, stellte Müller fest. Aber die Rivalen aus Schweden, Finnland und Russland, das sein Heimrennen gewann, konnte der Touring nicht mehr einholen.

Traurig war nach den gemeisterten Strapazen niemand an Bord. „Es war eine super Erfahrung für uns“, wertete der 25-jährige Müller die Regatta als besonderen Einschnitt in seinem noch sehr jungen Seglerleben. Aber nicht nur ihn und seinen ungefähr gleichaltrigen Gefährten aus dem DTYC hat das Rennen von Kiel nach St. Petersburg zu neuen Horizonten geführt. Hugh Brayshaw, der die ClubSwan 50 geschickt und mit ruhiger Hand bis in den hohen Norden navigierte, war voll des Lobes für seine neuen Kollegen. „Ihr habt fantastische Segler in eurem Club“, gratulierte der Hochsee-gestählte Brite den Tutzingern, die auf der Ostsee ihre Offshore-Taufe erlebten. Aber auch José Luis Domecq verneigte sich vor dem Team, das er in Kiel noch mit großer Skepsis empfangen hatte. „Auweia“, dachte sich der 45-jährige Spanier, der vom Veranstalter als Boot-Kapitän für den Deutschen Meister eingeteilt war, als er die Milchgesichter aus Bayern kommen sah. Aber die Zweifel des Profis verwandelten sich schnell in Bewunderung. „Von Tag zu Tag ist es besser geworden“, applaudierte er dem Touring. „Nach dem Inshore-Rennen in Kopenhagen habe ich gewusst, dass es ein großes Team ist.“

Das große Team war am Donnerstag nur noch unendlich müde. Die Veranstalter kannten jedoch keine Gnade. Am Abend vor dem Abflug luden sie alle Mannschaften zu einem festlichen Dinner in ein Restaurant ein. „Da werden wir einen trinken“, versprach Dominik Müller. Und wie bei den Hafenrennen den einen oder anderen Schwedenhappen vernaschen.

14. Tag: Das Küken liebt eher das kurze Knackige

Die eigenen Grenzen zu akzeptieren, ist die eigentliche Herausforderung. „Wirklich zu sagen, ich kann nicht mehr, ist schwierig“, findet Marco Tarabochia. Diese Lektion musste der Segler aus dem Deutschen Touring Yacht-Club Tutzing beim Nord Stream Race erst lernen. Mit seinen 17 Jahren ist der Gymnasiast, für den am kommenden Dienstag an den Neuhof-Schulen in München die elfte Jahrgangsstufe beginnt, der mit Abstand jüngste Skipper in seiner Crew, ja bei der gesamten Regatta. Zeigt man da eine Schwäche, wird man schnell als Nesthäkchen abgestempelt. Vor allem, wenn der eigene Vater und der ältere Bruder auch noch mit an Bord sind. Da wäre ein Rüffel wirklich das Allerletzte, was der Jugendliche gebrauchen könnte, der in den vergangenen Monaten einen sensationellen Weg im Bundesliga-Team des DTYC zurückgelegt hat.

Zwei Stunden schlafen, zwei Stunden Bereitschaft und zwei Stunden arbeiten: Dieser straffe Rhythmus an Bord führte Marco Tarabochia und Laura Fischer bisweilen an den Rand der Erschöpfung.

Es ist ungefähr ein Jahr her, als ihm Trainer Norbert Wagner anbot, beim Deutschen Meister und Sailing-Champions-League-Sieger anzuheuern. Für den damals 16-Jährigen bedeutete dies eine große Ehre. „Das macht einen glücklich.“ Marco fühlte sich von der Nominierung geschmeichelt. Zunächst musste er sich ein wenig gedulden, doch bei den vergangenen drei Spieltagen kam er stets zum Einsatz. Nach einem sechsten Platz in Kiel, dem Sieg in Travemünde und Rang drei in Glücksburg wussten alle, dass auf das Küken im Boot Verlass ist.

Bis dahin war er mit der J70 und der Melges 24 Boote gesegelt, die ihm über die Jahre vertraut waren. Als er aber vor zwei Wochen in Kiel zum ersten Mal seinen Fuß auf eine ClubSwan 50 setzte, wusste er, dass er komplettes Neuland betrat. „Anfangs war ich ziemlich nervös“, gab er zu, aber dann verschwand das mulmige Gefühl so schnell wie es gekommen war. Mit Hugh Brayshaw und Jörg Reißland fand er einfühlsame Pädagogen an Bord, die ihn die Kunst lehrten, die Segel an Bord richtig zu trimmen.

Viele andere Erfahrungen musste Marco aber selber machen. Er merkte, dass ihm der Rhythmus der Bundesliga-Rennen nur wenig half. Die sind im Vergleich zu einer Offshore-Regatta nur rasante Sprints, bei der die Mannschaft in kurzer Zeit die optimale Leistung abruft. Aber nun musste er über einen Zeitraum von mehreren Stunden oder sogar Tagen eine kontinuierliche Leistung bringen. Das fiel ihm schwer, weil bei der ständigen Belastung die eigenen Kräfte immer weniger werden. Obwohl er sich tapfer dagegen wehrte, kam einmal der Zeitpunkt, als ihm die Müdigkeit übermannte. „Da muss man sagen, bitte löst mich ab“, erklärt er. Nur, das sagt sich so leicht. Auf hoher See bildet der DTYC eine Art Schicksalsgemeinschaft, die auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen ist. Zwei Stunden schlafen, zwei Stunden Bereitschaft und zwei Stunden arbeiten lautet der Rhythmus, der Gesetz ist. Doch die kalten und einsamen Nächte auf der Ostsee sind furchtbar lang, vor allem wenn man sie angeseilt an der Reling verbringt und eigentlich überhaupt nichts passiert. Nur ein kleines Teufelchen probiert, den Segler ständig zu versuchen, es einmal mit den eigenen Pflichten gut sein zu lassen. Der Gruppenzwang ist aber so groß, dass jeder bestrebt ist, den inneren Schweinehund zu besiegen, allein schon um den Teamgefährten nicht noch größere Strapazen zuzumuten. Aber irgendwie hat Marco gelernt, dass es keinen Sinn macht, stets den starken Mann zu markieren, sondern es für alle besser ist, eigene Schwächen zuzugeben. „Wir haben einen super Zusammenhalt“, spricht er von einem wunderbaren Team, das jedes Mitglied auch in problematischen Phasen trägt.

So sehr sich Marco Tarabochia inzwischen an den Rhythmus an Bord gewöhnt hat, so wenig Leidenschaft hat er für das Offshore-Format entwickelt. „Ich brauche den Stress, die Boote, die man immer sieht, das Kurze, Knackige“, hat er festgestellt. Die Hochsee-Segelei hat für ihn nur bedingten Reiz. „Das ist mir zu wenig Action.“ Für seine 17 Lenze weiß er schon ganz gut, was wirklich gut für ihn ist.

Tutzing – Unser Autor Christian Heinrich hat den direkten Draht an Bord der Crew aus Tutzing und berichtet in einem täglichen Logbuch von den Abenteuern auf hoher See.

13. Tag: Der erste Pott ist in der Tutzinger Tasche

Der Abschied aus Helsinki fiel Michael Tarabochia schwer. Am liebsten wäre der Teammanager des Deutschen Touring Yacht-Clubs auch noch die letzte Passage des Nord Stream Race bis nach St. Petersburg gesegelt. Aber die Arbeit rief den 56-jährigen Rechtsanwalt wieder nach München zurück. Bevor sein Flieger abhob, spendete er seinen Gefährten noch einmal Ovationen. „Wir haben eine Story geschrieben“, pries er die Premiere seiner Crew bei einer Offshore-Regatta.

Nur was für eine? Vielleicht leitete Tarabochia bei diesem Vorab-Resümee auch etwas die Vorsicht. In der Gesamtwertung lag sein Team zu diesem Zeitpunkt auf Rang zwei, die Inshore Trophy führte es nach seinem Sieg in Kopenhagen immer noch an. Aber irgendwie fürchtete der Team-Chef, dass auch diese Führung noch an die ehrgeizigen Schweden verloren gehen könnte. „Die wollen das Ding in allen drei Kategorien gewinnen“, wusste er um die Ambitionen der mit mehreren Profis bestückten Skandinavier. „Sie haben das Potenzial.“

Härtesten Bedingungen musste die Tutzinger Crew beim letzten Hafenrennen trotzen. In Helsinki fegte der Wind mit 25 Knoten über die Ostsee. Der DTYC gewann und holte sich die Inshore Trophy.

Womit Tarabochia nicht rechnete, war die taktische Klasse seiner „Grischperl-Jungs“, die den Cape Crow Yacht-Club das zweite Mal bei einem Hafenrennen ziemlich alt aussehen ließen. Bei Windstärken von ungefähr 25 Knoten siegte der DTYC erneut. „Den ersten Pott haben wir schon mal in der Tasche“, freute sich Julian Stückl über den gelungenen Coup, denn die Inshore Trophy geht an den Starnberger See. Für den 24-jährigen Skipper war dieser Erfolg einmal mehr die Bestätigung für den Sieg in der Sailing Champions League und zwei deutsche Meisterschaften in Serie. „Damit konnten wir beweisen, dass wir wissen, was wir tun.“

Die Wettfahrtleitung hatte lange gezögert, die fünf Kontrahenten aus dem Hafen zu lassen, denn der Wind fegte mit 35 Knoten über die Ostsee. Als sich die Wetterlage etwas beruhigte, starteten nur vier Rivalen, da der Frederikshavn Sejlklub aus Dänemark wegen Mastproblemen nicht auslaufen konnte. Das erste Rennen schlossen die Tutzinger nach schwachem Start noch als Dritte ab. „Wir haben uns mit dieser Platzierung ganz wohlgefühlt“, sagte Stückl. Die Wettfahrt genügte seiner Mannschaft, um die Bedingungen vor Helsinki zu analysieren und die richtigen Schlüsse zu ziehen. In den beiden folgenden Rennen starteten die Tutzinger von links und nahmen den Wind voll mit. In Führung liegend war es ein Kinderspiel, das Feld zu kontrollieren. „Wir hatten einen Plan für jedes Rennen und haben nicht viel experimentiert“, kommentierte Stückl die beiden ersten Plätze. Obwohl auch die Finnen, die Zweite wurden, und die Schweden (3.) Erfahrungen aus ihren eigenen Segelligen mitbringen, waren sie den Tutzingern nicht gewachsen.

Der Sieg in den Hafenrennen von Helsinki war die beste Einstimmung auf die letzte Etappe nach St. Petersburg, die am Dienstagabend um 20 Uhr angeschossen wurde. „Alles, was jetzt kommt, ist noch ein Zuckerl oben drauf.“ Stückl weiß, dass sein Team schon jetzt viel mehr erreicht hat, als man erhoffen konnte. Zwei Punkte trennen den DTYC in der Gesamtwertung des Nord Stream Race vor den an erster Stelle liegenden Schweden. Kaum zu glauben, was in Tutzing los ist, wenn der Außenseiter auf der letzten Passage die Profis entscheidend distanzieren kann. Das Bundesliga-Team des DTYC feierte seine Kollegen schon nach den beiden ersten Plätzen von Kopenhagen als „Volvo-Ocean-Race-Sieger-Besieger“. Aber so weit denkt in der Mannschaft noch niemand. Zu groß ist der Respekt vor den bevorstehenden 150 Seemeilen. „Einmal können wir es noch machen, dass wir die ganzen Kräfte zusammennehmen“, spricht Dominik Müller von einem letzten Kraftakt.

12. Tag: Die junge Crew und das Meer

Der Regen prasselte wie ein Trommelfeuer unaufhörlich auf Michael Tarabochia herab. Der Teammanager des Deutschen Touring Yacht-Clubs zog die Kapuze seines Anoraks tief ins Gesicht und zurrte die Klettverschlüsse an den Ärmeln richtig eng zusammen. Aber die vielen eiskalten Tropfen bahnten sich trotzdem ihren Weg, und irgendwann war der 56-jährige Rechtsanwalt von innen genauso nass wie von außen. „Man kann es sich nicht vorstellen, wie es da gegossen hat“, meint er überwältigt von der Überfahrt von Sandhamn nach Hanko. „Es war der Wahnsinn“.

Nicht nur in der Nacht vom Samstag auf Sonntag fiel es dem Team schwer, das Nord Stream Race als reine sportliche Herausforderung zu begreifen. Natürlich geht es beim zweiwöchigen Rennen um den Sieg und jede Menge Prestige unter den fünf Konkurrenten. Aber auf den einsamen Etappen entwickelt sich die Regatta zu einem verwegenen Kampf des Menschen gegen sich selbst und die Elemente. „Man ist der Natur ausgeliefert, und man muss gegen die Natur kämpfen“, beschreibt Dominik Müller die Wettfahrt als archaische Auseinandersetzung. Der 25-jährige Student hat kaum die Muße, den Moment zu genießen, wenn am Abend die Sonne im Meer versinkt und den Himmel in ein warmes Rot taucht. Zum ehrfürchtigen Erstaunen bleibt keine Zeit. Mag die Natur noch so sehr betören, sie bleibt immer auch ein Rivale, gegen den es zu bestehen gilt.

Mensch gegen Natur: In den zwei Wochen auf hoher See lernen die Tutzinger Segler die Gewalten des Meeres erst so richtig kennen.

Die Regeln in diesem ungleichen Kräftemessen diktiert auf offener See nicht der Mensch. Stundenlang sehen die Tutzinger oft keine einzige Seele, es gibt keinen Handy-Empfang und manchmal streikt das GPS an Bord. Um sie herum nur Wasser, Weite und Unendlichkeit. Selten haben die neun Tutzinger ihren Körper so intensiv gespürt wie in diesen Tagen. „Man friert am ganzen Leib“, sagt Michael Tarabochia. Aber eine warme Heizung gibt es nicht an Bord und auch keinen Wäschetrockner. „Man kann auch nicht anfangen, zu tanzen.“ Dazu schwankt das Boot zu gewaltig. Auf einem Segelboot existiert kein Ort, an den man gehen kann, um wieder warm zu werden. Es gibt nicht einmal einen richtigen Ort zum Schlafen. „Ich habe mich in vollen Klamotten in die Kabine reingelegt“, erzählt Luis Tarabochia. Aber einen erholsamen Schlaf fand der 23-Jährige nicht, weil das Boot von den Wellen ständig hin und her geworfen wurde.

Es sind Grenzerfahrungen, die er und seine Crew machen, und manchmal müssen sie das Limit auch überschreiten, um im ewigen Duell mit den Naturkräften nicht zu unterliegen. „Als Offshore-Segler muss man sich verausgaben, man muss aus sich rausgehen“, sagt der Student. Diese Selbstüberwindung allein reicht nicht aus, um gegen die Natur zu bestehen. Der Fischer Santiago verliert in Ernest Hemingways Novelle „Der alte Mann und das Meer“ diesen Kampf auf tragische Weise, obwohl er, alle Schmerzen vergessend, über sich hinaus wächst. Der DTYC ist dem Kampf im Gegensatz zu Santiago gewachsen, weil seine Segler keine Einzelgänger, sondern eine Mannschaft sind. „Man kann nur mit dem Team bestehen. Alleine da draußen bist du verloren“, erklärt Müller. Es kommt mehr denn je auf gute Kameradschaft an, um in den tosenden Wellen nicht unterzugehen.

Seit jenen dunklen, stürmischen Nächten auf der Ostsee wissen die Gefährten, welche Gefahren bei diesem Törn tatsächlich auf sie lauern. „Es wäre das Schlimmste, wenn einer über Bord geht“, sagt Müller. Alle tragen zwar ein GPS-Gerät an ihrer Ausrüstung und ihren Rettungswesten. Aber hilft das in der kalten See bei mannshohen Wellen, permanentem Platzregen und absoluter Finsternis? Allein diese Vorstellung lässt die junge Crew jeden Tag vor dem gewaltigen Meer erschaudern.

10./11. Tag: Erfolgreich im Schutz der Küste

Mit angelassenem Motor schipperte die Flotte um den Deutschen Touring Yacht-Club und die vier anderen Boote in Stockholm los. Es ging am Samstagmorgen vier Stunden durch die Schären in südöstlicher Richtung nach Sandhamn, wo die dritte Etappe beim Nord Stream Race angeschossen wurde. Die Veranstalter hatten sich zu diesen Schritt entschieden, weil die Wetterfrösche für die nächsten Tage einen starken Nordost-Wind mit bis zu 40 Knoten angekündigt hatten. „Wir haben das aus Sicherheitsgründen gemacht“, erklärte Pressesprecher Gerald Gebhardt. Zu riskant erschien es der Konzeptwerft Holding, die die Regatta zusammen mit dem russischen Club Lord of the Sail ausrichtet, unter diesen Bedingungen in Richtung Finnland zu kreuzen.

Statt der vorgesehenen Passage von Stockholm nach Helsinki verlief der Kurs nun über 130 Seemeilen von Sandhamn nach Hanko, einer finnischen Segelhochburg im äußersten Südwesten des Landes. Die fünf Teams waren dennoch einen ganzen Tag unterwegs, bevor sie am frühen Morgen gegen 2 Uhr ihr Ziel erreichten. Am Sonntagmorgen legten sie wieder ab und tuckerten im Schutz der Küste mit eingeschaltetem Motor nach Helsinki. „Wir sind superglücklich, aber auch richtig erschöpft“, berichtete Michael Tarabochia von einem anstrengenden Törn über die raue Ostsee. Der Tutzinger Teammanager hatte mit seiner Crew einige Wellenberge zu bezwingen. Die unruhige Fahrt zehrte bei allen Teilnehmern an den Kräften. Je weiter es nach Osten ging, umso mehr begann das Thermometer zu fallen. „Es war saukalt“, berichtet Tarabochia.

Kräftezehrende Fahrt: Bei Kälte und späterem Platzregen gab es für die Crew des Deutschen Touring Yacht-Clubs auf der Strecke von Sandhamn nach Hanko einiges an Arbeit.

Die allgemeine Stimmung an Bord litt noch mehr, als ein furchtbarer Platzregen einsetzte. Um die widrigen Bedingungen konnte sich aber niemand scheren. Auf der dritten Etappe war der Deutsche Meister in einen heftigen Dreikampf mit dem Cape Crow Yacht Club aus Schweden und dem Nyländska Jaktklubben aus Finnland verwickelt. Der Gennaker, ein Vorsegel, war den Tutzingern auf der Sturmfahrt nach Stockholm gerissen und von einem schwedischen Segelmacher wieder repariert worden (wir berichteten). Er hielt den Belastungen stand. Am Ende mussten die Nordeuropäer ihr gesamtes taktisches Können aufbieten, um den Herausforderer aus Bayern in Schach zu halten, der auf Rang drei landete.

„Da sieht man, dass sie uns sehr ernst nehmen“, sagte Christian Teichmann. Der stellvertretende Vorsitzende des DTYC wertet das Verhalten der Konkurrenz als weiteres Indiz dafür, dass sich seine Crew während der Regatta jede Menge Respekt erarbeitet hat. Er ist beeindruckt, wie gut sich der Offshore-Neuling bei seiner Premiere auf hoher See schlägt. Auch im Club fiebern sie alle mit. „Die Leute sind total begeistert.“

Vor der letzten Etappe der Regatta von Helsinki nach St. Petersburg besitzt der DTYC eine hervorragende Ausgangsposition. Was die Inshore Trophy betrifft, führt der Außenseiter weiterhin die Wertung an, nachdem in Stockholm wie schon zuvor in Kiel die Hafenrennen gestrichen wurden. In der Gesamtwertung sind die Tutzinger Zweite hinter dem Cape Crow Yacht Club und vor den Finnen. „Vor dem Beginn der Regatta hätten wir das nicht einmal zu hoffen gewagt“, sagt Teichmann. Er weiß, dass seinem Team schon jetzt ein absoluter Coup gelungen ist.

9. Tag: Die Exotin in der Männerwelt

Laura Fischer hat ein gutes Gefühl, wenn am Samstag die Inshore-Wettfahrten vor dem Hafen des Königlich Schwedischen Yacht-Clubs gestartet werden. „Die kurzen Rennen mit vielen Manövern liegen uns ganz gut“, meint die Seglerin des Deutschen Touring Yacht-Clubs und ist optimistisch, dass ihre Crew in den drei Läufen wieder eine gute Rolle spielen kann. Schon in Kopenhagen servierten die Oberbayern die Profis aus Dänemark, Finnland, Russland und Schweden ab.

Kreuzen vor der schwedischen Küste: Beim Hafenrennen in Stockholm rechnet sich der Deutsche Touring Yacht-Club wieder gute Chancen aus.

Für die 22-Jährige bedeutete der Sieg eine besondere Genugtuung. Zunächst hatte sich die Konkurrenz ein Schmunzeln nicht verkneifen können, als sie die Jungspunde aus Tutzing erblickte. „Und mittendrin noch ein Mädchen“, kommentiert Fischer die Szenerie. Inzwischen haben die anderen Crews verstanden, dass beim härtesten Offshore-Rennen über die Ostsee auch eine Frau ihren Mann stehen kann. Eine Einsicht, die das finnische Team längst kultiviert hat. Mit Niki Blässar ist auch dort eine Seglerin an Bord.

Es ist nicht immer einfach, Exot in einer reinen Männerwelt zu sein. Dass Frauen für das Nord Stream Race von ihren Clubs nominiert werden, haben die Veranstalter offenbar nicht vorgesehen. Es gibt keine getrennten Toiletten an Bord, eigentlich gibt es überhaupt keine. „Man wächst ja mit den Aufgaben“, sagt Fischer. „Irgendwann ist einem alles andere auch egal.“ Seit einigen Jahren segelt sie im Bundesliga-Team des DTYC mit. Im vergangenen Jahr gewann sie als erste Frau in Porto Cervo die Champions League. Unter lauter jungen Männern muss sie hart zu sich selbst sein, um sich behaupten zu können.

Den Spaß lässt sich Laura Fischer auch bei widrigen Bedingungen nicht verderben.

Da wundert es nicht, dass sie mit den Entbehrungen der Regatta bestens zurechtkommt. „Es gibt nichts, was ich vermisse.“ Immerhin wartete in Stockholm eine warme Dusche auf sie. Aber die Tage und Nächte auf See gehen an die Substanz. „Es ist sehr anstrengend“, sagt die Sportstudentin. In der Bundesliga ist sie es gewohnt, in den Kurzrennen über eine Viertelstunde maximale Leistung und Konzentration abzurufen. Aber dagegen ist das Nord Stream Race ein Marathon. Fischer: „Das sind Sachen, die wir so nicht kennen.“

Am schwierigsten ist es für sie, ein Gefühl für den Sechs-Stunden-Rhythmus zu bekommen, der das Leben an Bord der ClubSwan 50 diktiert. Zwei Stunden hat sie Bereitschaft, dann folgen zwei weitere, in denen sie zusammen mit Michael Tarabochia für den Trimm des Gennakers und der Fock verantwortlich ist. Erst danach darf sie sich zwei Stunden Schlaf gönnen, wenn man von Schlaf überhaupt reden kann. Denn unter Deck spürt man noch mehr, wie das Boot schaukelt, und hört den Wind heulen. „Schlafen, Essen, Trinken.“ Darauf hat sich für sie das Leben reduziert.

Wenn die Crew die nächste Etappe nach Helsinki startet, sind die vergangenen drei Tage im Grand Hotel Saltsjöbaden Vergangenheit. Dann herrscht wieder ein spartanischer Geist, dem Fischer durchaus etwas abgewinnen kann. Sollte sich ihr Club auch im nächsten Jahr für das Nord Stream Race qualifizieren, müsste sie nicht lange überlegen: „Ich wäre voll dabei.“

8. Tag: Verdiente Erholung nach harter Nacht

Mit seinen stolzen weißen Türmen und den zahlreichen verspielten Giebeln wirkt das Grand Hotel Saltsjöbaden wie ein hochherrschaftliches Schloss. Für gut 150 Euro die Nacht bietet die historische Luxusherberge von Romantik bis Komfort alles, was das Herz begehrt. Auch den Seglern des Deutschen Touring Yacht-Clubs bietet das Hotel in Stockholm all die wohltuenden Annehmlichkeiten, auf die sie während der vergangenen beiden Tage und Nächte auf hoher See verzichten mussten. Endlich konnten sie sich nach allen Regeln der Kunst verwöhnen lassen, nachdem das Leben auf ihrer ClubSwan 50 eher dem Dasein auf einem Wikingerschiff glich. Es gibt keinen Herd und keine Betten, selbst auf eine Toilette verzichteten die fünf konkurrierenden Teams, um jedes mögliche Gramm Gewicht zu sparen.

Zu viel Wohlfühlzeit gönnte Teamchef Michael Tarabochia seiner Crew aber nicht. Der heftige Sturm in der letzten Nacht vor der Ankunft in Stockholm hatte ganze Arbeit geleistet. Eine Winschkurbel war kaputt gegangen, die schon die ganze Fahrt über alarmierend gequietscht hatte, weil der DTYC kein Fett an Bord hatte, um sie zu schmieren. Ganz zu schweigen vom Gennaker, der komplett aus den Rahmen platzte und nun in einer schwedischen Segelwerft repariert wird. Das Malheur bremste die flotte Fahrt des DTYC so sehr, dass dieser drei Stunden hinter dem Sieger die Ziellinie kreuzte (wir berichteten). „Da kann man sich nur noch hinten anstellen“, meinte Tarabochia. Seine Crew hatte ohne 300 Quadratmeter Segelfläche keine Chance mehr gehabt.

Ruhe vor dem Sturm: Nach anstrengender Überfahrt dürfen sich die Segler nun kurz ausruhen, ehe es weiter nach Helsinki geht.

Während sich die Mannschaft am Donnerstag daran machte, die eigene Kleidung zu waschen und zu trocknen oder die Vorräte für die nächste Passage von Stockholm nach Helsinki aufzufüllen, gab der Teamchef den nächsten Wasserstandsbericht über die Mannschaft ab. Abgesoffen waren die Tutzinger auf der schnellsten Etappe in der Geschichte des Nord Stream Race ja nicht. Der höllische Wellenritt an der schwedischen Küste entlang und die Probleme an Bord hatten sie jedoch an ihre körperlichen und mentalen Grenzen geführt. „Wir haben tierischen Respekt vor einer weiteren anstrengenden Nacht“, sagte Tarabochia.

Der extreme Wind, der mit bis zu 30 Knoten über die Ostsee fegte, schüchterte aber auch die Konkurrenz ein. Martin Krite, der schon einiges in seinem Seglerleben mitgemacht und unter anderem das Volvo Ocean Race gewonnen hat, räumte ein, „richtig nervös“ gewesen zu sein. „Es kommt nicht oft vor, dass ich auf einem Boot Angst habe, aber in dieser Nacht war dies der Fall“, gestand der Skipper des schwedischen Cape Crow Yacht Clubs. „Wir haben da erst einmal eine Ahnung bekommen, was in dieser Nacht eigentlich los war“, meinte Tarabochia nach den Aussagen des Skandinaviers. „Ich selbst habe das nicht ganz so empfunden.“ Die Sicherheitsmaßnahmen waren jedenfalls groß. Alle Tutzinger waren an Bord angeseilt, ständig wurde durchgezählt.

Aber bei aller gebotenen Vorsicht ließen sich die Oberbayern von der Euphorie mitreißen, die nach einer fesselnden Aufholjagd alle Mitglieder der Crew ergriffen hatte. Als der Außenseiter nach Bornholm einen einsamen Kurs in Richtung Küste einschlug, verlor er vollkommen den Kontakt zum Feld. „Wir haben den Horizont mit dem Fernglas abgesucht, aber niemanden mehr gesehen“, so Tarabochia. Und dann fiel auch noch das GPS-System aus, das zuvor die Positionen der Kontrahenten verraten hatte. Umso größer war die Freude, als der DTYC auf einmal als Zweiter an den verdutzten Rivalen vorbei kreuzte. „Wir waren voll mit positiver Energie“, schilderte Tarabochia die Stimmung an Bord. Nur noch zehn Stunden lagen zwischen der Crew und einer weiteren Top-Platzierung in Stockholm.

Aber die Nacht, die dann folgte, wurde für die Tutzinger, die sich bei ihrer Aufholjagd völlig verausgabt hatten, zum Albtraum. „Wir haben den Warnknopf ignoriert“, sagte der Teammanager, der sich ärgerte, dass sich die Crew weiter die Sporen gab, obwohl alle wussten, dass sie ihr Limit niemals überschreiten durften.

Ein zweites Mal wird das dem DTYC nicht passieren. Die Ehrfurcht vor dem Offshore-Rennen ist mittlerweile so groß, dass Tarabochia das Team noch bis Helsinki begleiten wird, obwohl der Rechtsanwalt wegen beruflicher Verpflichtungen schon in Stockholm von Bord gehen wollte. Inzwischen ist allen bewusst, dass das Nord Stream Race keine Luxuskreuzfahrt ist, sondern ein knallhartes Abenteuer. Mögen die Betten im Grand Hotel Saltsjöbaden noch so kuschelig sein.

7. Tag: Sturm zerfetzt nächsten Traum

Das Unglück kam mitten in der Nacht. Die Crew des Deutschen Touring Yacht-Clubs wusste von der Warnung, die für den Abend an der schwedischen Küste Sturm vorhergesagt hatte. Aber keiner an Bord konnte sich nur im entferntesten eine Vorstellung davon machen, mit welcher Wucht auf der Ostsee 22 Windstärken auf eine 17 Meter lange Jacht treffen, die ächzend durch zwei Meter hohe Wellen schnauft und wie ein Schuhkarton hin und her geworfen wird. An Schlaf war nicht mehr zu denken, obwohl die gesamte Mannschaft auf der zweiten Passage von Kopenhagen nach Stockholm total erschöpft war.

Den ganzen Dienstag über hatten die Außenseiter aus Oberbayern der Konkurrenz beim Nord Stream Race immer wieder ein Schnippchen schlagen können. Die Euphorie, auch auf einer langen Etappe den Profis aus Dänemark und Schweden gewachsen zu sein, verlieh dem DTYC Flügel. „21, 22 Knoten, wir schrien alle Hurra“, berichtete Teammanager Michael Tarabochia von einem wahren Geschwindigkeitsrausch, der die gesamte Mannschaft erfasste, als sie angetrieben von der steifen Brise mit ihrer ClubSwan 50 über die Wellen bretterte. Aber als alle vereinten Kräfte gebraucht wurden, waren die Akkus leer.

Der rauen See zum Trotz: Als Letzter kam der DTYC in Stockholm an, die Stimmung ist dennoch gut.

Sechs Segler befanden sich an Deck, als gegen 1.30 Uhr nachts der Wind den Gennaker vollkommen zerfetzte. „Das ist ohne Not passiert“, sagte Michael Tarabochia, der sich das Malheur nicht ganz erklären konnte. Der Teamchef war sofort mit seiner Mannschaft zur Stelle, um den Schaden zu beheben. „Aber wir hatten keine Chance.“ War der deutsche Meister zuvor noch mit über 20 Knoten durch die Ostsee gepflügt, büßte er ohne die verlorene Segelfläche ein Drittel seiner Geschwindigkeit ein. „Es war unmöglich, noch irgendetwas zu erreichen“, stellte Tarabachia frustriert fest, dass der Traum von einem Platz unter den besten Drei auf der zweiten Etappe mit einem Schlag zerborsten war. Als die Tutzinger am Mittwoch als Letzte in Stockholm eintrudelten, waren die Konkurrenten aus Schweden, Dänemark, Finnland und Russland schon längst im Ziel.

Mit Windstärken von bis zu 30 Knoten geriet die Etappe entlang der schwedischen Küste zur schnellsten in der Geschichte des Nord Stream Race. Die Boote waren so flott unterwegs, dass sie alle einen Tag früher in Stockholm eintrafen als eingeplant. „Es war wie ein Mini-Volvo-Ocean-Race“, sagte Martin Krite von der siegreichen schwedischen Crew mit Bezug auf die Regatta rund um die Welt. Der Cape Crow Yacht-Club übernahm dann auch die Führung in der Gesamtwertung vor dem DTYC. Während die Skandinavier mit dem guten Gefühl in ihre Hotelbetten gingen, dass die Regatta nach dem anfänglichen Aufbegehren der Tutzinger nun nach ihrem Plan verläuft, diskutierte der DTYC noch lange die Situation.

Zwar hat sich der Club drei Segler an Bord geholt, die über eine reichhaltige Erfahrung im Offshore-Bereich verfügen, doch die junge Crew muss noch jede Menge lernen. Dazu gehört auch, wie sie sich am ökonomischsten die eigenen Kräfte für einen Tage und Nächte langen Trail einteilt. Der perfekte Trimm, der das Team lange auf Augenhöhe mit den Schweden und Dänen hielt, kostete seinen Preis. Die Segler waren ausgelaugt und verloren die Konzentration, als sie wirklich gefordert waren. „Wir müssen uns selber besser regulieren“, mahnte Tarabochia.

Bis die Regatta am 2. September wieder aufgenommen wird, darf die Crew zunächst den Gennaker reparieren. „Ohne wird es sehr schwer werden“, so Tarabochia. Er hält es jedoch für möglich, den Schaden zu beheben. Immerhin hat der Veranstalter angeboten, für entsprechenden Ersatz zu sorgen. Aber es ist nicht klar, ob dies den Regularien der Regatta entspricht. „Wir sind nicht unglücklich“, berichtet Tarabochia von einer ausgezeichneten Stimmung an Bord, die sich auch vom letzten Platz nicht trüben ließ. „Wir haben einen guten Job gemacht, aber unser Gennaker ist geschreddert.“

6. Tag: Außenseiter DTYC erneut ganz oben

Als die Flotte am Dienstagmorgen Bornholm umrundet und sich gegen Mittag wieder dem schwedischen Festland angenähert hat, da gab der Deutsche Touring Yacht-Club der Konkurrenz das nächste Rätsel auf. Die Tutzinger nahmen in der Hoffnung auf einen Winddreher plötzlich direkten Kurs auf die Küste, während die verdutzten Rivalen vorsichtshalber auf dem offenen Meer blieben. „Das zeigt, dass der DTYC mutig ist, eigene Dinge zu probieren“, sagte Gerald Gebhardt und schnalzte ob des riskanten Manövers mit der Zunge. Für den Medienchef der Konzeptwerft Holding, die zusammen mit dem russischen Yacht-Club Lord of the Sail-Europe das Nord Stream Race ausrichtet, erweisen sich die Süßwassermatrosen aus dem Alpenvorland als wahrer Segen. „Das ist die beste Stimmung, die wir je hatten“, so der Veranstalter über die Tutzinger, die mit ihrer hemdsärmeligen Art das gesamte Feld aufmischen.

Für die Kontrahenten aus Schweden, Dänemark, Finnland und Russland stellt der DTYC dagegen einen fürchterlichen Fluch da. Was auch immer sie versuchen, die Wadlbeißer aus Oberbayern wissen stets die bessere Antwort. Schon der sensationelle Etappensieg auf der ersten Passage zwischen Kiel und Kopenhagen ging der Konkurrenz gewaltig auf die Nerven. Zwei Proteste mussten die Tutzinger verhandeln, die aber allesamt von der Jury abgeschmettert wurden. „Das war gegen den Gedanken der Regatta“, sagte der Vize-Vorsitzende des DTYC, Christian Teichmann, über den Einspruch der gegnerischen Mannschaften. Für ihn steht das Nord Stream Race für Brüderlichkeit und Fairness unter den Ostsee-Anrainern. Teichmann genoss die Bilder, die von der Siegerehrung aus dem Königlich Dänischen Yacht-Club im Vereinsheim am Starnberger See ankamen, deshalb ein bisschen mehr.

Kaum hatte seine Crew das erste Tafelsilber abgeräumt, stibitzte sie sich auch noch den zweiten Sieg. Im Hafenrennen setzten sich die famosen Außenseiter wiederum überlegen durch. Zwei Durchgänge entschieden sie für sich, einmal wurden sie Dritter. Dem schwedischen Cape Crow Yacht Club blieb wie auf der Langstrecke als Zweiter erneut nur das Nachsehen. „Wir haben die Manöver teilweise besser hingekriegt als die Profis“, sagte Teammanager Michael Tarabochia erstaunt über die eigene Dominanz.

Ein eingespieltes Team: Während die Konkurrenz zusammengewürfelte Mannschaften aufbietet, glänzt der Deutsche Touring Yacht-Club auf der Ostsee mit Zusammenhalt. Ein erfolgreiches Konzept.

So langsam dämmert den Favoriten, dass momentan alles gegen sie arbeitet. Zwar haben sie ihre Boote mit Profis und hochseeerfahrenen Skippern bestückt, aber bei den schwachen Winden vor der skandinavischen Küste sind momentan die Leichtgewichte aus dem Fünfseenland im Vorteil. Bei den Dänen ist der Ärger über den frechen Herausforderer inzwischen Respekt gewichen. Dass deutsche Mannschaften generell über eine gute Organisation und eine gehörige Portion Disziplin verfügen, war auch im Frederikshavn Sejklubb hinlänglich bekannt. Nur verfügen die Tutzinger noch über eine weitere hervorstechende Eigenschaft, die derzeit den Unterschied ausmacht. „Die funktionieren wie ein Uhrwerk“, analysierten die Dänen. Von ihnen selbst und den anderen Teams lässt sich das nicht behaupten. Dort müssen sich die Mannschaften erst noch finden, was nicht immer leicht ist, denn unter den erfahrenen Haudegen werden an Bord heftige Kämpfe um die Rangordnung ausgetragen. „Da hat jeder ein großes Ego“, berichtete Teichmann aus Erfahrung.

Bei seiner Crew ist das anders. Tarabochia und Trainer Norbert Wagner haben in den vergangenen Jahren ein homogenes Team aus jungen Seglern aufgebaut, das sich gegenseitig vertraut und an einem Strang zieht. Ausgestattet mit dieser Mentalität integrierten die Tutzinger Bundesliga-Segler mühelos die Verstärkungen aus den anderen Clubs. Hugh Brayshaw bestimmt beim DTYC allein den Kurs nach St. Petersburg. Der erst 24-jährige Navigator aus England ist der unumstrittene Kopf der Mannschaft. „Er trifft seine Entscheidungen, die wir zu 100 Prozent vertreten“, sagte Tarabochia.

Da der Brite meistens richtig liegt, wächst das Selbstvertrauen der Crew von Tag zu Tag. Inzwischen macht sich so etwas wie der Geist von Porto Cervo breit. Dort gewann der Deutsche Meister im vergangenen Jahr als absoluter Außenseiter die Champions League. Tarabochia: „Es sind alle mit großem Feuer und großer Leidenschaft dabei und kämpfen.“

5. Tag: Mit leerem Magen durch die erste Nacht

Als Michael Tarabochia aus seinen warmen Federn kroch und auf das Meer blickte, fühlte er sich erst einmal wie Zuhause. „Das Wasser war so glatt wie am Starnberger See“, sagte der Teammanager des Deutschen Touring Yacht-Clubs. Er war selbst überrascht, dass vor Kopenhagen keine einzige Welle zu erkennen war. Aber es brauchte keinen Sturm und schon gar keinen Orkan, um die Ostsee in Bewegung zu versetzen. Das übernahmen die Tutzinger mit ihrem Sieg auf der ersten Etappe des Nord Stream Race schon selbst (wir berichteten). „Das war natürlich eine Sensation“, so Tarabochia, der sich durchaus darüber bewusst ist, dass die Vorstellung seiner Crew riesige Wellen geschlagen hatte, die die gesamte Konkurrenz und auch die Fachwelt in Schräglage beförderten.

Von den Binnenseglern aus Oberbayern war bis dato nur bekannt, dass sie ihren Sport auf einer Art Tümpel ausüben, der im Volksmund zärtlich „Münchens Badewanne“ genannt wird. Über Erfahrung auf hoher See verfügte im DTYC höchstens Markus Wieser. Aber auf dessen Rat und Hilfe verzichteten die Verantwortlichen bewusst, schließlich sollten die jungen Tutzinger bei ihrem Törn nach St. Petersburg ein wahres Abenteuer bestehen und keine Pauschalreise buchen. 

Und das war es in der ersten Nacht dann auch, die das unbedarfte Team an seine Grenzen brachte. „Das ist wie Fahrrad fahren ohne Licht“, meinte Tarabochia und stöhnte über die Berge von Müll, die auch über der Ostsee treiben. „Da gibt es so viel Zeug, was herumschwimmt.“ In dieser Nacht bekamen die Hochsee-Novizen aus Tutzing ungefähr einen Eindruck davon, was sie in den nächsten Tagen erwartet. „Man kann nicht einschlafen“, klagte Tarabochia. Bis auf drei Segler, die sich für jeweils zwei Stunden unruhig in ihren Schlafsäcken wälzen, ist die gesamte Crew ständig im Einsatz.

Hoffen auf Wind, um schnell anzukommen: In Kopenhagen jubelte der DTYC auf Rang eins. Nun geht es über 450 Seemeilen nach Stockholm.

Das gilt auch für die, die Bereitschaft haben. Laura Fischer und Marco Tarabochia verbrachten die erste Nacht angeseilt an der Reling und versuchten, im Sitzen Schlaf zu finden. „Aber das klappt nicht so“, stellte der Teamchef fest. Noch sind er und seine Leute nicht müde genug. Der Zustand körperlicher Erschöpfung wird sich auf den nächsten 450 Seemeilen von Kopenhagen nach Stockholm noch einstellen.

Auf der ersten Etappe lief für den deutschen Meister noch einiges schief. Am härtesten traf die Crew, dass ihr Strom für den Wasserkocher nicht ausreichte. „Es gab nur Studentenfutter und eklige Schokolade, die keinem schmeckt“, sagte Tarabochia. Mit heldenhafter Selbstüberwindung und dem Wissen, dass in Kopenhagen endlich eine warme Mahlzeit auf sie wartet, kämpften sich die Tutzinger dennoch erfolgreich bis ins Ziel.

Bei mehreren Tagen auf hoher See ist ein solcher Kraftakt sicher nicht durchzuhalten. Tarabochia blickte dann auch sorgenvoll zum Himmel, bevor es am Montagnachmittag weiter in Richtung Schweden ging. „Wir hoffen, dass wir Wind haben“, so sein sehnlichster Wunsch. Die nächtliche Flaute vor der dänischen Küste, als sich kein Lüftchen mehr regte und das knapp 17 Meter lange Boot wie fest verankert stillstand, hat der Crew einen Schauer über den Rücken gejagt. Schließlich wollen alle so schnell wie möglich vorwärtskommen. Nicht nur, um die Konkurrenz zu schlagen, sondern auch um die Strapazen hinter sich zu lassen. „Es wird lange, und es wird wieder langweilig“, meinte Tarabochia. Abenteuer können manchmal recht eintönig sein.

3./4. Tag: Der Deutsche Meister kann auch Offshore

Sein Geschenk bekam Marco Tarabochia bereits einen Tag vor seinem 17. Geburtstag von seinem Team überreicht. Der Deutsche Touring Yacht-Club gewann am Sonntag die erste Etappe des Nord Stream Race zwischen Kiel und Kopenhagen. Mit zwei Minuten Vorsprung vor den Cape Crow Yacht-Club aus Schweden trafen die Oberbayern im Königlich dänischen Yacht-Club ein. 

„Das gesamte Team hat einen super Job gemacht“, sagte Michael Tarabochia. Er ist überglücklich über den ersten Erfolg bei der Regatta über die Ostsee nach St. Petersburg. Dass er über ausgezeichnete Segler in seiner Mannschaft verfügt, das hatte der Teammanager des Touring in den vergangenen Jahren immer betont. Aber dass sich sich die jungen Hechte aus dem Starnberger See auch im Salzwasser wohl fühlen, war bis zu diesem Wochenende ein gut gehütetes und wohl auch Tarabochia verborgenes Geheimnis.

Die Crew aus Oberbayern erbrachte den definitiven Beweis, dass sie auch Offshore beherrscht. Zumindest wenn die Bedingungen ungefähr so sind wie im Alpenvorland. Um Mitternacht hatten noch die Dänen in Front gelegen. Mit dem starken Wind in Rücken schienen sie förmlich nach Kopenhagen zu fliegen, wo für den Mittag das Empfangskomitee mit rot-weißen Fähnchen bereits bestellt war. 

Die Tutzinger machten sich das umschlagende Wetter zu Nutze und liefen als Erste vor der Konkurrenz aus Schweden, Dänemark, Finnland und Russland ein.

Doch dann schlief die starke Brise auf einmal ein und die fünf konkurrierenden Teams bekamen auf einmal Tutzinger Wetter. Kein Lüftchen regte sich mehr, und dann begann es auf einmal richtig zu schütten. Das miserable Wetter war ganz nach dem Geschmack des Deutschen Meisters. Am ersten Tag hatte fast alles wie am Schnürchen geklappt, sieht man von den drei Hafenrennen in Kiel ab, die wegen Flaute nicht angeschossen werden konnten.

Immerhin kamen die fünf ClubSwan 50 Rennschiffe aus Schweden, Dänemark, Finnland, Russland und Bayern dann doch auf hohe See, wo auf einmal alles nach Plan lief. Hugh Baryshaw, den die Tutzinger extra für die Taktik angeheuert hatten, bewies, wie wertvoll er für die junge Crew ist. Der 24-jährige Engländer, der auch Mitglied im DTYC ist und als Individualist Hochseerennen bestreitet, wusste mit den Verhältnissen exzellent umzugehen. „Gut gemacht“, lobte Manager Tarabochia. Sein Konzept, das er vor der Regatta für das Team zurecht gelegt hatte, erwies sich als Maßanfertigung. „Nachts haben wir uns im Zwei-Stunden-Wachsystem abgewechselt. Das hat sehr gut funktioniert.“

Im heimischen Tutzing registrierten sie den Coup ihrer Segler mit einem gewissen Staunen, stellten sie doch die mit Abstand jüngste Crew in der gesamten Konkurrenz. „Man muss die jungen Leute ihren Weg gehen lassen“, sagte Christian Teichmann. Der Vize-Vorsitzende freute sich vor allem mit Marco Tarabochia, der unter allen Seebären der mit Abstand jüngste ist. Im Optimist oder im 420er hatte er einst nicht die Erfolge wie andere gefeiert. Aber auf der Melges seines Vaters sammelte er schnell einen gewaltigen Erfahrungsschatz, von dem er nun profitiert. Schon bei den letzten drei Bundesliga-Spieltagen saß er mit im Boot und konnte in Travemünde seinen ersten Saisonsieg feiern. 

„Er hat eine große Entwicklung genommen“, lobt ihn Teichmann. Die körperlichen Strapazen werden für ihn in den kommenden Tagen nicht geringer. Schon heute Mittag legt die Flotte in Kopenhagen ab und startet zu einem dreitägigen Törn nach Stockholm. Großartig in seinen Geburtstag hinein feiern war für Marco Tarabochia also nicht möglich. Sein Vater verkroch sich schon am Sonntagnachmittag völlig erschöpft in sein Hotelzimmer und holte den versäumten Schlaf nach.

2. Tag: Alles eine Nummer größer

Als Philip Rothländer die Crew des Deutschen Touring Yacht-Clubs von oben bis unten musterte, war er selbst überrascht. Im Gegensatz zur Konkurrenz beim Nord Stream Race von Kiel nach St. Petersburg hatten die Oberbayern ein Team von Jungspunden aufgeboten. „Die anderen sind schon ein bisschen rauer“, so der Eindruck des Pressesprechers der Konzeptwerft, die die Regatta organisiert. Aber vielleicht wachsen den jungen Männern aus dem DTYC auf dem 1000 Seemeilen langen Törn nach Russland ja symbolisch noch Bärte.

Es ist so manches gewöhnungsbedürftig für die Binnensegler aus dem Alpenvorland, die auf der Ostsee ihre Hochsee-Taufe feiern wollen. Als am Donnerstagabend endlich mit einiger Verspätung die nigelnagelneue ClubSwan 50 im Hafen des Kieler Yacht-Clubs eintraf, staunten die Tutzinger nicht schlecht über das Boot mit den deutschen Farben. Alles war mindestens eine Dimension größer, als sie es von ihren J70-Kisten gewohnt sind, mit denen sie sonst die Segel-Bundesliga dominieren. Nur ein Tag blieb dem Deutschen Meister, um sich mit den Ausmaßen des Racers vertraut zu machen und das Boot aufzubauen. Da war es nur ein schwacher Trost, dass auch die Dänen, Schweden, Finnen und Russen mit ihren Booten fremdelten.

Die Eingewöhnungsphase hat die Crew hinter sich gebracht. Jetzt geht’s richtig los.

Am Freitagnachmittag ging es dann zum ersten Mal hinaus aufs Wasser, um die Manöver einzustudieren. Die Crew machte die Erfahrung, das alles mindestens eine Nummer größer ist als auf ihren gewohnten Booten – und auch komplizierter. Klemmt irgendwo ein Segel, sind manchmal zwei Vorschoter nötig, um es wieder flott zu machen. Da kann es auch passieren, dass ein Segler im Geschirr am Mast nach oben gezogen werden muss, um die Blockade zu lösen. Das Lösen solch technischer Probleme wird in den nächsten Tagen bis zum Zieleinlauf am 7. September in St. Petersburg zum Alltag der Crew gehören. Dazu gesellen sich die einen oder anderen sozialen Prozesse. „Ein gutes Teamgefüge ist gefragt“, sagt Rothländer. Bisher hält Michael Tarabochia den Laden zusammen. Der Teammanager des DTYC hat in den vergangenen fünf Jahren zusammen mit Trainer Norbert Wagner den Kader des Klubs aufgebaut. Auch wenn er in der Bundesliga selbst nicht mehr aktiv mitsegelt, ist der Rechtsanwalt doch so etwas wie der Kopf der Mannschaft, der das Geschehen in und um das Team analysiert und es immer wieder neu einstellt.

Allerdings muss Tarabochia am 31. August von Bord, wenn die Regatta in Stockholm Zwischenstation macht. Seinen Platz wird Mareike Weber einnehmen. Mit ihr und Laura Fischer haben die Tutzinger als einziges Team dann zwei Frauen an Bord. Zwar wird Tarabochia von München aus direkt über einen heißen Draht mit seinen Seglern verbunden sein, aber die Crew wird sich erst mal wieder neu finden müssen. Da ist der Ausfall von Dominik Müller schon leichter zu kompensieren. Wegen einer Knieverletzung beginnt für ihn die Regatta erst am Sonntag ab Kopenhagen. Bis dahin wird er von Ralf Strobl aus Langenargen vertreten. „Wir sind alle sehr aufgeregt“, sagt Tarabochia, „keiner kann es erwarten, dass es endlich los geht“. Nach drei Hafenrennen in Kiel startet am Samstag um 13 Uhr die erste Etappe in die dänische Hauptstadt. Bis sie am Sonntag dort ankommen, werden wohl die ersten Stoppeln in den Gesichtern der Tutzinger Knaben sprießen.

1. Tag: Das Abenteuer auf der Ostsee beginnt

Das Warten auf das Boot zog sich länger hin als ursprünglich geplant. Bis die Crew aus dem Deutschen Touring Yacht-Club endlich ihre ClubSwan 50 ausgeliefert bekam, vergingen einige Stunden. Die Zeit des Wartens konnten die Oberbayern mit dem üblichen Faktencheck überbrücken. Bevor das 1000 Seemeilen lange Nord Stream Race von Kiel nach St. Petersburg heute gestartet wird, musterten die Tutzinger ihre Gegner aus Dänemark, Schweden, Finnland und Russland. Schon vor den ersten Hafenrennen in Kiel war klar, dass der DTYC die mit Abstand jüngste Crew stellt. „Das sind wir von der Bundesliga schon gewohnt“, sagte Teammanager Michael Tarabochia. 

Sein Sohn Marco, der während der Regatta seinen 17. Geburtstag feiert, ist sogar der einzige Teenager, der sich der Herausforderung stellt. Darüber hinaus bietet der DTYC mit Laura Fischer auch die einzige Frau auf, die bei der sonst reinen Männergeschichte dabei ist. Und dann stellen die Tutzinger auch noch die leichteste Crew. „Die Russen sind alle richtige Bäume“, so Tarabochia. Sein Team hat eher Bonsai-Größe. Trotzdem fühlen sich die Tutzinger beim OffshoreRennen der Landesmeister bestens aufgehoben. „Das ist doch gerade die Idee: die reinen Bundesliga-Teams ins Nord Stream Race zu integrieren“, meint Tarabochia, der davon überzeugt ist, dass seine Crew dem ursprünglichen Gedanken der Regatta am nächsten kommt. Ein Super-Team mit Profis wie Markus Wieser oder Jochen Schü- mann zu nominieren, kam den Binnenseglern vom Starnberger See daher nie in den Sinn. So musste sich die Mannschaft die Regatta selbst erarbeiten. 

Bereit für das große Abenteuer: Heute startet der DTYC ins 1000 Seemeilen lange Nord Stream Race.

Noch vor dem ersten Training mit dem knapp 17 Meter langen und gut vier Meter breiten Racer standen einige wichtige logistische Fragen an. 40 Kilo Proviant beträgt die Tagesration für die gesamte Mannschaft. Zweieinhalb Liter Wasser und vier zuckerhaltige Getränke sind pro Segler eingeplant. Neben Äpfeln und Bananen besteht die Ernährung vor allem aus Trockennahrung. Alle acht Stunden nennt Tarabochia den dreistündigen Rhythmus. Ohne Disziplin geht es bei den zu erwartenden Strapazen nicht. Auch die Pausen müssen penibel eingehalten werden, damit die Segler wieder bei Kräften sind, wenn sie an die Reihe kommen. „Wir werden konsequent ein Wachsystem fahren“, erklärt Tarabochia. Ansonsten hofft er, dass alles gut geht. 

Die Crew hat nicht nur ein Hochsee-Sicherheitstraining absolviert, sie ist auch für alle möglichen Notfälle und Verletzungen ausgerüstet. Natürlich darf ein Mittel gegen Seekrankheit nicht fehlen, schließlich kann die Ostsee im Spätsommer recht ruppig werden. „Wir werden es überleben“, sagt Tarabochia. Der Teammanager ist sich sicher, dass seine Crew das Abenteuer besteht. Man darf gespant sein, wie. werden warme Mahlzeiten gereicht. Zuvor wird das Wasser über einem Gaskocher erhitzt. „Wir essen nur aus Plastiktüten“, sagt Tarabochia. Das spartanische Leben an Bord hält bis zum Ende der Regatta am 7. September an. Nicht nur kulinarisch wird der Törn nach St. Petersburg zum Härtetest. Da Tag und Nacht gesegelt wird, arbeiten die Segler im Schichtbetrieb. „Fünf schlafen, fünf arbeiten“, nennt Tarabochia den dreistündigen Rhythmus. 

Ohne Disziplin geht es bei den zu erwartenden Strapazen nicht. Auch die Pausen müssen penibel eingehalten werden, damit die Segler wieder bei Kräften sind, wenn sie an die Reihe kommen. „Wir werden konsequent ein Wachsystem fahren“, erklärt Tarabochia. Ansonsten hofft er, dass alles gut geht. Die Crew hat nicht nur ein Hochsee-Sicherheitstraining absolviert, sie ist auch für alle möglichen Notfälle und Verletzungen ausgerüstet. Natürlich darf ein Mittel gegen Seekrankheit nicht fehlen, schließlich kann die Ostsee im Spätsommer recht ruppig werden. „Wir werden es überleben“, sagt Tarabochia. Der Teammanager ist sich sicher, dass seine Crew das Abenteuer besteht. Man darf gespant sein, wie.

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