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Immobilienmakler Andreas Botas in seinem Arbeitszimmer auf Gut Rößlberg zwischen Tutzing und Weilheim.

Luxusmakler Andreas Botas im Porträt

Wie verkauft man ein Haus für 20 Millionen Euro?

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9800 Euro Miete. Im Monat. Plus Nebenkosten. Selbst im hochpreisigen Landkreis Starnberg ist das Mietangebot, das vor wenigen Tagen in den einschlägigen Internetportalen auftauchte, außergewöhnlich. Wie vermietet man eine solche Immobilie? Ein Besuch beim Luxusmakler Andreas Botas.

Tutzing – Der Kies knirscht unter den Schuhen. Der Weg ins Herrenhaus ist lang. Am Eingang wartet Hausherr Andreas Botas. Tweedsakko, Jeans, keine Krawatte. „Ich trage nie Krawatte. Heute habe ich mich sogar etwas sorgfältiger gekleidet als sonst – schließlich wird ja noch ein Foto gemacht“, sagt er und lacht. Er lacht oft an diesem Nachmittag.

Hier, auf Gut Rößlberg, irgendwo im Nirgendwo zwischen Tutzing und Weilheim, wohnt und arbeitet Botas. Hier empfängt er seine Kunden und führt sie durch das 600 Jahre alte Haus. Ein kurzer Blick ins Arbeitszimmer, dunkle Bücherregale bis zur Decke. Drin stehen die Klassiker, in Leder gebunden. Homer, Ovid. Doch weiter geht es in die Wohnküche. „Hier sitzen die meisten meiner Kunden“, sagt Botas. Der Espresso ist gut, er steckt sich eine P&S Filter an. Verkauft man so Luxusimmobilien im Millionenwert? „Genau so“, sagt Botas und lacht.

Drei Immobilien pro Jahr reichen

Er muss es wissen, schließlich ist er seit 1993 selbstständig. Vorher war er Geschäftsführer bei Engel&Völkers in München. Doch die wollten wachsen, Franchise-Nehmer finden. Nichts für Botas. „Ich will etwas für die Region tun, verdiene mit meiner Passion für Schönes Geld.“ Im Schnitt verkauft er drei Immobilien im Jahr, sagt er. Es sind aber auch Jahre dabei, in denen er kein einziges Haus vermittelt. „Da zweifelt man schon, aber dann kommt immer wieder was“, erklärt er.

Botas verkauft ausschließlich Wohnimmobilien, ausschließlich „die Diamanten“ auf dem Markt. Käufer zu finden sei kein Problem, meint er. Er hat eine Liste. Drauf stehen Leute, die auf das richtige Haus warten. Das Problem ist, das richtige Haus zu finden. Denn der Markt ist wie leergefegt, die Preise kennen seit Jahrzehnten nur eine Richtung: Steil nach oben. „Zurzeit verkauft niemand etwas“, sagt Botas.

Wer nicht muss, der verkauft derzeit nicht

Warum? Die Summen, die aufgerufen und bezahlt werden, sind doch astronomisch… „Die Leute, die die Sahneimmobilien besitzen, haben genug Geld auf dem Konto und machen sich eher Gedanken über drohende Strafzinsen. Wer reich werden wollte, hat längst verkauft. Dazu kommt: Die Scheidungsrate hier im Landkreis Starnberg ist gering, die Menschen sind glücklich miteinander.“ Es sind also nur sehr wenige Diamanten, die auf den Markt kommen.

Oder liegt es doch an den Russen, den Arabern oder den Chinesen, die wahlweise dafür verantwortlich sind, dass im Fünfseenland zum Teil verrückte Summen für Villen mit Seezugang bezahlt werden? „Das sind alles nur Gerüchte. Und sie stimmen nicht.“ Russen und Araber kaufen und wohnen anderswo, sagt Botas. Dafür ist das Leben am Starnberger oder Ammersee zu diskret, zu normal. Dazu ist es zu weit bis zur nächsten Gucci- oder Pradafiliale. Und ein bisschen sorgt auch Botas nach eigener Aussage dafür, dass es so bleibt.

Keine Russen, keine Araber, keine Chinesen: Die Münchner kaufen

„Es sind zu 90 Prozent Münchner, die hier kaufen. Leute mit einer 250-Quadratmeter-Wohnung in Schwabing, die raus aufs Land wollen, wenn sie Kinder bekommen. Die ihren Garten pflegen wollen, in den Supermarkt oder ins Restaurant gehen wollen, ohne dass sie auffallen“, beschreibt er seinen Kundenkreis. Leute seien das, die wollen, dass ihre Kinder auf die Munich International School in Percha gehen: „Die ist ein echtes Entscheidungskriterium.“

Das seien die Menschen, denen er die Häuser, die er im Kundenauftrag verkaufen soll, gern gibt. Andere indes beißen bei Botas auf Granit. Löwen-Investor Ismaik beispielsweise. Der habe auch mal anfragen lassen. „Dem habe ich ausrichten lassen, dass er bei mir kein Haus bekommt“, sagt Makler Botas. Ihm gehe es darum, dass das bauliche Erbe der Region erhalten bleibt, gepflegt wird.

„Goldkettchen und Porsche sind eine schwierige Kombination“

Da seien die „Goldkettchen und Porsche“-Kunden oftmals die falschen. Beides für sich seien „schöne Dinge, in der Kombination ist es aber oft schwierig“, sagt Botas, lacht schon wieder und steckt sich die nächste Zigarette an. Diese Menschen hätten oft keinen Sinn für die Geschichte, die Verantwortung, die sie kaufen, wenn sie eine der historischen Villen erwerben. Ganz anders der König von Thailand, der im vergangenen Jahr eine repräsentative Villa in Tutzing gekauft hat. Bei Botas, wie die New York Times schrieb? Er lacht schon wieder: „Das war mein großer Moment, als ich da auf der Titelseite auftauchte.“ Ansonsten, wie so oft an diesem Nachmittag: „Kein Kommentar.“ Diskretion ist überlebenswichtig in seinem Geschäft. Dann lässt er sich aber doch noch ein bisschen was herauslocken. „Ein cooler Typ“, sei seine thailändische Majestät, die Sanierung der Villa in Tutzing „mustergültig“. Und ja, er habe seine Handynummer.

Engagierter Kampf für die Besitzer der Villa Carl

Für die Himbsel-Villa in Berg, die er vor Jahren vermakelte, hat er lange nach dem perfekten Käufer gesucht. Einen Teil der Erben der Villa Carl in Feldafing betreut er seit Jahren. „Das sind keine Millionäre. Das ist eine ganz normale Familie, die versucht, das Haus, in dem sie seit Generationen lebt, zu halten.“ Botas tüftelte gemeinsam mit den Besitzern und dem Architekten den Plan aus, einen kleinen – „den unattraktivsten“ – Teil des Parks abzutrennen und zu bebauen. Mit dem Erlös wollen die Bewohner die anderen Erben auszahlen. „Da ist bis zum Besteck alles original. Die Bewohner tun alles, damit das so bleibt. Die anderen Erben beweisen größte Geduld – das muss auch der Denkmalschutz irgendwann anerkennen“, sagt Botas.

Solche Kunden hat er aber eher selten. Wer ein Anwesen für 18 oder 20 Millionen Euro direkt am See kauft, der „macht keine Immobilienfinanzierung. Der hat das Geld auf dem Konto liegen“, so der Makler. Er selbst habe „noch nie ein Zahlungsziel auf eine meiner Rechnungen geschrieben. Dennoch ist immer nach drei Tagen das Geld auf dem Konto“. Natürlich profitiert auch er von den stetig steigenden Preisen rund um die Seen. Drei Prozent von 20 Millionen sind doppelt so viel wie drei Prozent von zehn Millionen. Eine gefährliche Spekulationsblase sieht der Makler dennoch nicht. „Der Bedarf ist groß, das Angebot klein. Und 1a-Immobilien sind nicht beliebig vermehrbar“, sagt er.

Verkauft ist in fünf Minuten, vermieten dauert länger

Aber zurück zur Villa in Berg, die da für 9800 Euro pro Monat gemietet werden kann. 515 Quadratmeter Wohnfläche, zwei Gebäude, 1900 Quadratmeter Grundstück mit Seeblick. Wer mietet denn so etwas? „Dafür jemanden zu finden, ist tatsächlich gar nicht so einfach“, sagt Botas. Verkauft wäre das Haus „in fünf Minuten“, aber vermietet – „da muss man ein bisschen suchen“. Dennoch gibt er sich zuversichtlich: „Es gibt durchaus vermögende Familien mit vier oder fünf Kindern. Die brauchen Platz. In diesem Haus haben sie ihn. Und auch noch für das AuPair und ein paar Gäste, die zu Besuch kommen.“ Überzogen sei der Mietpreis auf gar keinen Fall. 20 Euro kalt pro Quadratmeter seien für eine solche Immobilie und Lage vollkommen in Ordnung. Die nächste P&S Filter wandert in den handgetöpferten Aschenbecher in der Wohnküche. Das Arbeitszimmer bleibt an diesem Nachmittag ungenutzt.

Später, auf dem Weg zum Auto, der Kies knirscht wieder unter den Schuhen, setzt sich das Puzzle zusammen. Hier draußen, irgendwo im Nirgendwo auf Gut Rößlberg, in dieser Wohnküche, die nach Espresso riecht und nach Zigarettenrauch, können die Multimillionäre und Milliardäre ganz ungestört ein und aus gehen. Wahrscheinlich verkauft und vermietet man wirklich genau so die Diamanten auf dem Immobilienmarkt des Fünfseenlandes.

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