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Fernsehkoch Fritz Häring im Midgardhaus in Tutzing, das er seit Jahrzehnten betreibt und von einer Problemimmobilie zu einem anerkannten Feinschmeckertreff in der Region entwickelt hat.

Midgardhaus Tutzing

Die Rechnungsprüfer, der Fernsehkoch und die Wohnungen

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Die Tutzinger Rechnungsprüfer haben ihren Bericht für das Jahr 2015 vorgelegt. Darin gehen sie auch auf die vertraglichen Regelungen für das Midgardhaus ein. Fernsehkoch Fritz Häring sieht sich zu Unrecht einem Verdacht ausgesetzt.

Tutzing – Die Rechnungsprüfer des Gemeinderates um Dr. Ernst Lindl (CSU) sind dazu da, ganz genau hinzuschauen, wenn es um die Gemeindefinanzen geht. Genau das haben sie getan und dem Gemeinderat am Dienstagabend einen umfangreichen Bericht über die Finanzlage 2015 vorgelegt.

Ein wesentliches Thema innerhalb dieses Berichts ist der Betrieb des Midgardhauses durch Fernsehkoch Fritz Häring. Insbesondere die Nutzung der Wohnungen in dem Gebäude fiel den Prüfern auf: „Im Rahmen des bestehenden Mietvertrages ist der Mieter verpflichtet, Wohnungen im Hauptgebäude als Mitarbeiterwohnungen zu verwenden“, heißt im Abschlussbericht. Der Ausschuss fordere die Verwaltung auf, die Einhaltung dieser vertraglichen Verpflichtung zu prüfen und dem Haupt- und Finanzausschuss zeitnah zu berichten.

120-Quadratmeter-Wohnung für 4600 Euro 

Was den Prüfern konkret auffiel, waren zwei Angebote, auf die sie bei der Recherche im Internet gestoßen waren. Zum einen habe der Mieter im Internet eine Etagenwohnung mit drei Zimmern (120 Quadratmeter für 4600 Euro pro Monat) angeboten, heißt es im Rechnungsprüfungsbericht. Desweiteren fänden sich immer wieder so genannte „Parksuiten“ im Angebot, von denen mindestens zwei im Midgardhaus liegen. Die Preise für diese Suiten würden zwischen 200 und 450 Euro pro Tag betragen.

Das bringt die Rechnungsprüfer dazu, generell die Vertragsgestaltung mit Fritz Häring zu überprüfen. Dazu hat der Ausschuss nach Aussage seines Vorsitzenden Dr. Ernst Lindl ein Gutachten beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband in Auftrag gegeben. Das habe ergeben, dass die heute fällige Pachtzahlung von sechs Prozent des Jahresumsatzes (also rund 54 000 Euro pro Jahr) für einen reinen Gaststättenbetrieb ausgelegt sei. „Wenn aber Logis dazukomme“, dann könne die Zahlung bis zu 35 Prozent des auf 1,3 Millionen Euro bezifferten Jahresumsatzes im Midgardhaus betragen, heißt es weiter im Bericht.

Fritz Häring: „Das ist alles Kaspertheater“

Fritz Häring bezeichnete diese Passagen gestern auf Anfrage des Starnberger Merkur als „Kasperltheater“. Schon die Grundannahme sei falsch. „Ich habe mit der Gemeinde einen Erbbaupachtvertrag für das Midgardhaus“, sagte er. Das bedeute, dass er de facto Eigentümer und nicht Pächter des Gebäudes sei, bis der Vertrag im Jahr 2038 ausläuft. Dies sei sein zweiter Erbbaupachtvertrag für das Areal. Beim ersten Mal habe er 1,1 Millionen Mark für den Erwerb des Erbbaurechts in einer Summe auf den Tisch gelegt. Als der Vertrag dann bis 2038 verlängert wurde, sei vereinbart worden, dass er den fälligen Betrag in Raten von besagten 54 000 Euro pro Jahr bezahle.

„Das mag auf den ersten Blick niedrig erscheinen, angesichts der Investitionen, die ich auf eigene Rechnung in das Gebäude und die Nebenanlagen stecke, relativiert sich das“, sagte Häring. Laut Vertrag müsse er bis 2038 mindestens 650 000 Euro in den Werterhalt des Hauses stecken. „Ich habe jetzt schon mehr als 200 000 Euro investiert“, beteuerte der Starkoch.

Suiten werden nur vermietet, wenn die Mitarbeiter sie nicht brauchen

Auch für die Wohnungsangebote im Internet hatte er gestern eine Erklärung. „Es ist richtig, dass ein Teil der Wohnungen für die Unterbringung der Mitarbeiter genutzt werden soll“, berichtet er. Und das würden sie auch. „In diesem Sommer waren die so genannten Suiten nahezu vollständig mit Mitarbeitern belegt, die ich anderswo in Tutzing nicht unterbringen kann“, erklärte der Wirt.

Die Wohnung, die da 2016 für 4600 Euro pro Monat zur Miete angeboten wurde, habe er lange selbst genutzt, sagte Häring. Dann aber habe er den Guggerhof erworben. „Eigentlich wollte ich dort die Mitarbeiter unterbringen. Aber die Umbaukosten wären zu hoch geworden. Daher bin ich dort selbst eingezogen und habe mich entschieden, die Mitarbeiter bei Bedarf im Midgardhaus unterzubringen“, berichtete er.

„Dank Erbbaupachtvertrag habe ich das Recht dazu“

Dessen ungeachtet sei die Gastronomie an diesem Standort ein Saisongeschäft. Im Sommer arbeiten bei Häring nach dessen Angaben 30 bis 35 Leute, im Winter nur 10 bis 15. „Und wenn die Wohnungen nicht gebraucht werden, dann biete ich sie natürlich im Internet als Ferienwohnungen an. Das macht hier in Tutzing jeder und ist mein gutes Recht, weil ich durch den Erbbaupachtvertrag Eigentümerrechte habe“, so Häring weiter.

Seine ehemalige Wohnung sei übrigens nicht für die besagten 4600 Euro vermietet worden. „Ich hatte damals die Idee, dies als Betreutes Wohnen für Senioren anzubieten. Aber nach ein paar Besichtigungsterminen stellte sich schnell heraus, dass niemand über einem Gastronomiebetrieb wohnen wollte“, so Häring.

Er macht keinen Hehl daraus, dass er verärgert ist: „Wenn die Gemeinde mir jetzt einen Strick daraus drehen will, dann denke ich irgendwann darüber nach, Tutzing den Rücken zu kehren.“ Allein in den vergangenen Wochen seien ihm drei attraktive Gastronomiebetriebe angeboten worden: „Der Markt ist extrem schwierig, die Auswahl für Interessenten ist groß“, so Häring, der weiter auf eine einvernehmliche Klärung der offenen Fragen setzt.

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