+
Schwester Elisabeth-Magdalena Zehe wünscht sich, dass der Missbrauch in der Kirche aufgeklärt wird.  

Missbrauchsvorwürfe in der katholischen Kirche

Kritik aus dem Kloster

  • schließen

Der Missbrauchskandal in der katholischen Kirche sorgt für Diskussionen auch im Tutzinger Kloster der Missions-Benediktinerinnen. Schwester Elisabeth-Magdalena Zehe schildert ihre Sichtweise der Dinge und welchen Umgang sie sich mit den Vorwürfen wünscht.

Tutzing – Die Missbrauchvorwürfe in der katholischen Kirche bestürzen die Gläubigen und ebenso die Menschen in den Klöstern. Auch die Gemeinschaft der Tutzinger Missions-Benediktinerinnen diskutiert diese Vorfälle. Schwester Elisabeth-Magdalena Zehe (56), die sich im Tutzinger Kloster um die Ausbildung der Novizinnen kümmert, bringt sich gemeinsam mit anderen Schwestern bei dem Münchner Netzwerk „Ordensfrauen für Menschenwürde“ ein. Es setzt sich für eine konsequente Aufarbeitung von Missbrauchfällen ein, für die Überarbeitung der kirchlichen Sexuallehre und für ein gleichwertiges Miteinander von Frauen und Männern in der Kirche.

Schwester Elisabeth-Magdalena Zehe kennt und begleitet Frauen, die sexuelle Gewalt erlitten haben. Auch in der weltweiten Kongregation der Missions-Benediktinerinnen bewegt dieses Thema die Mitschwestern.

In der Ausbildung der Novizinnen ist es Schwester Elisabeth-Magdalena deshalb ein wichtiges Anliegen, den jungen Frauen die Sache mit dem Respekt klarzumachen. Natürlich sollen sie anderen mit Respekt begegnen, diesen respektvollen Umgang könnten sie aber ebenso für sich einfordern. Und entsprechend ihre Grenzen aufzeigen.

Derzeit lebt eine Novizin im Tutzinger Kloster. „Bei der Ausbildung der Novizinnen geht es auch um die Themen Frau sein und Sexualität, wie lebe ich als Ordensfrau Sexualität“, berichtet Schwester Elisabeth-Magdalena. Eine Prävention für potenzielle Übergriffe könne die Ausbildung nicht anbieten. „Man kann auch keine Tipps geben. Aber man kann eine starke Persönlichkeit fördern und die Frauen ermutigen, zu einer solchen heranzuwachsen.“

Dazu gehört für Schwester Elisabeth-Magdalena auch, den herausgehobenen Status des Priesters als Akteur in persona Christi zu hinterfragen. „Hat der Priester immer Recht? Nein, sicher nicht immer. Da kann man konstruktive Kritik üben.“ Sie sei zutiefst davon überzeugt: „Die Botschaft Jesu ist, dass alle Menschen in Würde und Respekt leben können und dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind.“

Sie ist froh, dass es die Debatte um den Missbrauch inzwischen auch innerhalb der kirchlichen Organisationen gibt. „Als ich 1986 ins Kloster gegangen bin, war das noch kein Thema. Damals hat man langsam angefangen, die Rollen zu hinterfragen.“ Das passiert ihrer Ansicht nach am besten nicht in der Abgrenzung der Frauen gegen die Männer, sondern im partnerschaftlichen Miteinander. Doch passieren müsse etwas: „Wir können die Zeit nicht mehr zurückdrehen, der Impuls ist gesetzt.“

Missbrauch, das macht Schwester Elisabeth-Magdalena deutlich, ist kein Kavaliersdelikt. „Wir müssen Wege finden, um mit dem Geschlechtstrieb umzugehen.“ Und es müsse auch deutliche Konsequenzen für die überführten Kirchenmänner geben. „Es ist schwierig nachzuvollziehen, warum Geschiedene von den Sakramenten ausgeschlossen werden, aber ein Pfarrer, der jemanden missbraucht hat, oft über eine lange Zeit noch am Altar stehen darf, weil er im System gedeckt wird.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Behörden unternehmen nichts gegen Mücken - Anwalt argumentiert mit Grundgesetz
Dem Herrschinger Rechtsanwalt Stephan Seiz reicht’s. Er sieht sich in seinen Grundrechten verletzt, weil staatliche Stellen nichts gegen die Mückenplage am Ammersee …
Behörden unternehmen nichts gegen Mücken - Anwalt argumentiert mit Grundgesetz
„Schwalbe“-Dieb flieht nach Autobahn-Unfall
Der Fall ist filmreif: Ein Unbekannter stiehlt einen Motorrad-Oldtimer aus DDR-Zeiten, baut damit einen Unfall bei Starnberg, flüchtet, wird verfolgt und entkommt – und …
„Schwalbe“-Dieb flieht nach Autobahn-Unfall
Rätselhafte Prügelei: Mann lebensgefährlich verletzt - Polizei sucht Zeugen
Ein 41 Jahre alter Mann aus Weßling ist bei einer Prügelei unweit des Weßlinger Sees lebensgefährlich verletzt worden. Die Hintergründe der Tat sind rätselhaft.
Rätselhafte Prügelei: Mann lebensgefährlich verletzt - Polizei sucht Zeugen
Hund erschreckt Radler
Plötzlich war der Hund da - das hat einen 68-jährigen E-Bikefahrer dermaßen erschreckt, dass er stürzte. Jetzt sucht die Polizei den Hund. Und sein Herrchen. 
Hund erschreckt Radler

Kommentare