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Symbolbild

Munitionsfund

Scharfe Patronen in Ufernähe

Vor dem Biersteg in Tutzing findet ein Kanufahrer ein volles Trommelmagazin im See.

Tutzing – Das war Wolfgang Szimon nicht so ganz geheuer. Einige undefinierbare Geräte hat der 51-jährige Tutzinger am Freitagnachmittag im Starnberger See in Ufernähe seines Wohnorts gefunden, darunter einen verdächtig wirkenden faustgroßen Gegenstand.

Er legte das Material auf dem „Biersteg“ an der Schlossstraße ab und benachrichtigte sicherheitshalber die Polizei. Die sperrte den Bereich rund um den Steg ab. Über die Einsatzzentrale in Ingolstadt wurde ein Sprengmittelräumdienst eingeschaltet. Der stellte später am Abend mit Hilfe von Fotos fest, was da wahrscheinlich über viele Jahre unentdeckt tief im See gelegen hat: Es handelte sich um mehrere Schuss Patronenmunition unterschiedlichen Kalibers und um ein Trommelmagazin für größere Geschosse.

Zu der Entdeckung kam es, als Wolfgang Szimon am Freitag mit seinem Kanu auf dem See unterwegs war. Die Suche nach allen möglichen Gegenständen ist sein Hobby. Zu diesem Zweck benutzt er einen Magneten. „Sondeln“ wird das genannt. Das wird auf Wiesen genauso betrieben wie im Wasser. Schrauben, alte Messer, Nägel und Stahlplatten hat Szimon auf diese Weise schon gefunden.

Viele dieser Sachen befinden sich wahrscheinlich seit vielen Jahren auf dem Grund. „Früher ist ja alles im See entsorgt worden“, sagte Szimon, der beruflich medizintechnische Geräte bei Ärzten und Labors prüft, gegenüber dem Starnberger Merkur. „Sondengänger“ finden in der Regel allerlei Abfall, aber manchmal auch durchaus wertvolle Dinge – oder, wie im Tutzinger Fall, auch gefährliche Gegenstände.

Szimon hat sie, wie er schätzte, etwa 30 Meter vom Ufer entfernt entdeckt, als er unter Wasser sondelte. Weil den Polizisten nicht klar war, wie hoch das Risiko möglicherweise auch einer Explosion einzuschätzen war, ließen sie über mehrere Stunden niemanden an den Biersteg heran.

So konnten zwei Männer ihr Boot nicht abholen, das am Steg festgebunden war. Auch Szimon hat sein Kanu erst gegen 21 Uhr vom Biersteg abgeholt, nachdem die Polizei den Ort des Geschehens wieder verlassen hatte. Die Polizei gab anschließend Entwarnung: „Eine direkte Gefahr ging von den Gegenständen nicht aus.“

Dass sie gerufen wurden, bezeichneten die Polizisten als absolut richtig, obwohl sie stundenlang am Biersteg warten mussten, bis die Sache geklärt war. Wenn etwas Verdächtiges entdeckt wird: Nicht berühren und die Polizei rufen, empfahlen sie: „Lieber 100 Mal zu oft als einmal zu wenig.“ Alle aufgefundenen Gegenstände sind mittlerweile dem Sprengmittelräumdienst übergeben worden. Sie sollen nach Angaben der Polizei vernichtet werden.

Ob Wolfgang Szimon nach seinen dramatischen Erlebnissen allerdings so schnell wieder zum „sondeln“ auf den See hinausrudert, ist noch nicht ganz klar.

Von Lorenz Goslich

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